"Gunst der Stunde nutzen"
Kreis Göppingen. Selbstbewusst, aber nicht überheblich. Zuversichtlich, aber nicht euphorisch: Sascha Binder, der Kreisvorsitzende der SPD, berichtet von einer neuen Aufbruchstimmung unter den zuletzt gebeutelten Genossen.
Nach der Bundestagswahl im vergangenen Herbst lag die SPD am Boden. Wundenlecken war angesagt nach der schweren Niederlage, welche die Partei auf die harte Oppositionsbank führte. Auch im Kreis Göppingen, wo auch noch ein Mandat flöten ging, war der Katzenjammer groß. Doch das war einmal. Die Sozialdemokraten befinden sich wieder im Aufwind, erstmals liegt sogar Rot-Grün in Baden-Württemberg in einer Umfrage vor Schwarz-Gelb. Kein Wunder, dass der Kreisvorsitzende Sascha Binder bei seinem Besuch in der NWZ-Redaktion einen aufgeräumten Eindruck macht. Der 27-jährige Jurist, der im Herbst zum Landtagskandidaten im Wahlkreis Geislingen gekürt werden soll und sich einige Hoffnungen macht, kommendes Jahr ins Landesparlament einzuziehen, sagt: "Die Köpfe bei uns gehen wieder hoch. Die Lust sich einzumischen, ist wieder da." Keine Angst mehr davor, dass die SPD zwischen CDU und Linkspartei zerrieben werden könnte. Kein Kotau mehr vor den Kritikern der von SPD unter Bundeskanzler Gerhard Schröder beschlossenen Agenda 2010. "Man kann nicht pauschal sagen, dass alles an der Agenda falsch war. Sie ist aber auch nicht wie die Zehn Gebote in Stein gemeißelt. Wer regiert, macht auch Fehler", räumt Binder ein, betont aber auch: "Ich bin überzeugt davon, dass die Agenda 2010 dafür verantwortlich ist, dass Deutschland trotz Finanz- und Wirtschaftskrise so gut dasteht wie kein anderes Land in Europa." Dass es in der Partei eine Mehrheit geben wird, die viel kritisierte Rente mit 67 wieder abzuschaffen, glaubt Binder jedenfalls nicht.
Der Kreisvorsitzende aus Geislingen meint, den Hauptgrund für die Stimmungsaufhellung in der SPD zu kennen: "In der Partei hat sich viel geändert. Die Mitglieder werden in Entscheidungen mehr einbezogen als früher, nicht nur in Personalfragen. Es gab Befragungen der Orts- und Kreisvorsitzenden", berichtet Binder, der allerdings noch nicht genau sagen kann, wohin die Reise inhaltlich geht. "An den Positionen wird gerade gearbeitet, die Ergebnisse sind schwierig einzuschätzen", sagt der 27-Jährige, der seit knapp einem Jahr auch dem Kreistag angehört.
Vor dem Landtagswahlkampf sei es ihm nicht bange, so Binder. Den CDU-Vertretern vor Ort werde man vor allem gesellschaftspolitische Fragen stellen, da man aufgrund der "Eislinger Erklärung" der Jungen Union "ja nun weiß, wofür die Christdemokraten stehen". Mit Blick auf die rechtslastigen Inhalte des JU-Papiers, dass wegen des wachsenden politischen Drucks im Juni wieder zurückgenommen worden war, betont der SPD-Kreischef: "Eine Volkspartei, die mit solchen Ängsten spielt, ist für mich keine Volkspartei mehr." Binder ist überzeugt, dass die Diskussion über das Gesellschaftsbild die CDU vor eine ähnliche Zerreißprobe stellen wird wie die Sozialstaatsdebatte die SPD.
Den SPD-Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden Nils Schmid hält Binder für "einen Gegenentwurf in der Politik". Schmid mache um sich selbst wenig Aufhebens, argumentiere sachlich und stehe für ein offenes Gesellschaftsbild.
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Autor: HELGE THIELE | 30.07.2010
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Dem SPD-Kreischef Sascha Binder ist vor dem Landtagswahlkampf nicht bange: Der 27-Jährige will die CDU vor allem zu gesellschaftspolitischen Vorstellungen befragen. Die "Eislinger Erklärung" sieht er als Steilvorlage. Foto: Staufenpress
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Kommentare (1)
Keinen Respeckt
Wenn Binder, geprägt von der Schröderklicke, keinen Respekt vor den Kritikern der der Agenda 2010 hat, so ist festzustellen, daß mit dieser Agenta der größte Sozialabbau in der Geschichte der Bundesrepublik beschlossen wurde. "Ich bin überzeugt davon, dass die Agenda 2010 dafür verantwortlich ist, dass Deutschland trotz Finanz- und Wirtschaftskrise so gut dasteht wie kein anderes Land in Europa." So seine Meinung.Binder akzeptiert damit, daß die Wirtschaftskrise auf dem Rücken der kleinen Leute, Arbeitnehmern, Arbeitslosen und Rentnern ausgetragen wird, von denen sich mancher für einen Sklavenlohn verdingen muß. Die SPD ist weit ab von ihrer ehemaligen Wählerklientel zu einer Partei der Staatsdiener verkommen, deren Privilegien so gut wie nicht angetastet wurden. Während man die Arbeitnehmer und Rentner um ihre eingezahlten Versicheungsbeiträge immer beschissen hat (zweckentfremdete Entnahmen z.B. Wiedervereinigung), leben die Pensionäre und Staatsdiener wie die "Made im Speck".