Göppinger Autoren sehen Finanzcrash als unvermeidlich

"Der größte Raubzug der Geschichte" interessierte rund 90 Zuhörer in der Göppinger Buchhandlung Herwig. Die Göppinger Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich redeten Klartext in Sachen Währungskrise.

SABINE HEISS |

Die Stuhlreihen in der Buchhandlung Herwig in Göppingen waren gut besetzt. Rund 90 Zuhörer waren am gekommen, um sich über das Geldsystem und die damit verbundene Finanzkrise zu informieren. Die Göppinger Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich referierten über ihr Werk "Der größte Raubzug der Geschichte". Filialleiterin Katharina Knaus zeigte sich erstaunt, dass sich ein Sachbuch so gut verkaufe.

Der Erfolg überrascht die beiden selbst. Schon seit zehn Wochen befindet sich ihr Werk in der Spiegel-Bestsellerliste. Die Resonanz zeige ihnen, dass die Finanzkrise noch nicht vorbei ist. Sondern die Bundesrepublik vielmehr auf einen Zusammenbruch ihres Finanzsystems zusteuere. Mit ihrem Buch wollten die Autoren der Bevölkerung vermitteln, was gerade um sie herum geschieht. Die beiden vertreten die These, dass die Bundesbürger die Komplexität des Finanzsystems nicht verstehen. Denn "würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution - und zwar schon morgen früh", zitierten sie Henry Ford.

So erklärten Friedrich und Weik zu Beginn, was Geld eigentlich ist. Auf unterhaltsame Art informierten sie die Zuhörer über den Unterschied zwischen gedecktem und ungedecktem Geld. Dafür führten sie den ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon an. Als der Vietnamkrieg 1971 zu teuer wurde, entschied dieser mehr Geld zu drucken. Bis zu diesem Zeitpunkt musste den im Umlauf befindlichen US-Dollarnoten immer eine entsprechende Menge Gold gegenüberstehen. "In gold we trust" war auf jeder Banknote zu lesen - Nixon hat das "L" gestrichen und mit dieser Auflösung des Goldstandards den Beginn der Krise eingeläutet, so die Autoren. Denn mehr Geld bedeutet nicht automatisch mehr Produktivität. Weik und Friedrich beleuchteten darauf basierend das FIAT-Geld, die Immobilienblase in den USA und die Funktion der Investmentbanken. Über die Merkelsche Garantie, dass die Spareinlagen der Bundesbürger sicher seien, kamen sie zur Finanzsituation der Regierung. An einem anschaulichen Bild zeigten die Autoren die aktuelle deutsche Verschuldung auf. Demnach hätte die Bundesrepublik seit Jesu Geburt jeden Tag drei Millionen Euro Schulden machen müssen, um die aktuelle Summe zu erreichen. Würde sie morgen anfangen, täglich drei Millionen Euro Schulden zu tilgen, wären die Rückstände im Jahre 4024 abgebaut. Damit stellten Weik und Friedrich es als unmöglich dar, die finanziellen Defizite jemals wieder auszugleichen - entgegen aller Versprechungen der Politiker. Für die beiden Autoren ist der Kollaps des Finanzsystems unabdingbar. Sie prognostizierten die Krise 2.0, denn die südlichen Länder in Europa seien schon bankrott und die Jugendarbeitslosigkeit steige. Das Wirtschaftssystem sei gescheitert.

In der Diskussionsrunde des Abends war das Thema, wie nun jeder Einzelne sein Geld retten kann. Dabei betonten die Autoren, dass für die Zukunft der verantwortungsvolle Umgang mit dem Geld wichtig sei. Man solle in gute Firmen investieren, die sich zum Beispiel nicht durch Kinderarbeit finanzieren. Zudem sei der Kauf von Sachwerten zukunftsweisend. Doch die Lösung der Krise werde laut Weik und Friedrich unweigerlich der "Crash" sein. Nur so wird sich ein Finanzsystem etablieren, das allen dient. Und nicht nur einer kleinen Elite, die auf Kosten der Dritte-Welt-Länder lebt.

Der Inhaber der Buchhandlung, Till Herwig, moderierte mit den Autoren die Gesprächsrunde. Zum Abschied gab er den Gästen lachend mit auf den Weg, am besten in Dosensuppen, Silber und Ackerland zu investieren.

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