Gemeinsamer Lernerfolg in freier Natur
Göppingen/Eschenbach. Anstatt ihre Freizeit vor dem Fernseher oder Computer zu verbringen, nahmen Schüler der Hauptschule Ursenwang am Projekt "Soziales Lernen in der Natur" teil und verbrachten drei Tage gemeinsam im Wald.
"Wie süß!" Zwei Schülerinnen sind ganz aus dem Häuschen. Sie haben auf dem Waldstück zwischen Eschenbach und Ursenwang nicht etwa eines ihrer Musikidole entdeckt. Es ist das Gebiss eines Igels, das sie so begeistert. Erlebnispädagoge Hans-Joachim Ruoss zaubert weitere Dinge aus den Tiefen seines "Waldrucksacks". Interessiert betrachten die Siebtklässler die verschiedenen Hörner, den Dachsschädel, Tierknochen, Versteinerungen und von Borkenkäfern zerfressene Rinden. Den Mädchen gefallen die kuscheligen Felle am besten. Die lassen sich so schön streicheln und um den Hals legen. Insgesamt vier Klassen der Hauptschule Ursenwang hielten sich nacheinander drei Tage im Wald auf. Sie nahmen am Projekt "Soziales Lernen in der Natur" teil, das vom Haus der Familie initiiert und von der Aktion "Gute Taten" der NWZ unterstützt wurde.
"Eine nette, unkomplizierte Klasse", attestiert der Erlebnispädagoge der Klasse 7b. Ruoss, der sich bereits mit drei weiteren Klassen der Ursenwangschule drei Tage im Wald aufhielt, hat eklatante Unterschiede zwischen den Klassen festgestellt. "Null-Bock, Aggressionen, Gewaltpotenzial und Beleidigungen", berichtet er. Doch damit weiß er umzugehen. Ziel des Waldprojektes ist nämlich nicht nur, den Bezug zur Natur wieder herzustellen und den Lebensraum Wald zu erforschen. Ebenso wichtig ist der Aspekt sozialen Lernens im Erlebnisraum Natur. Da viele Kinder einen großen Teil ihrer Freizeit vor Fernseher, Computer und Spielkonsolen verbringen, haben sie nicht nur den Bezug zur Natur verloren. Wenn Abenteuer nur noch virtuell und nicht mehr gemeinsam mit anderen in der Realität stattfinden, gestaltet sich auch der Kontakt untereinander zunehmend schwierig. Ruoss stellt den Kindern daher gezielt gemeinschaftsfördernde und vertrauensbildende Aufgaben. "Gemeinsames Planen, gegenseitiges Helfen und Berühren soll vom ich zum du" und vom du zum wir" führen", erklärt er und spannt ein Seil mit einem Glöckchen. Die elf-köpfige Gruppe soll sich, ohne den Berührungskontakt zueinander zu verlieren, darüber hinweg auf die andere Seite bringen. Schnell entwickeln die Kinder Ideen zu verschiedenen Überwindungstechniken. Manches klappt, anderes nicht. Trotzdem haben alle großen Spaß.
Dann muss aus Seilen ein Geflecht hergestellt werden, auf dem eine Person transportiert werden kann. "Ich bin positiv überrascht, dass alles so harmonisch abläuft", freut sich Klassenlehrerin Birgit Rilling. "Alle machen gut mit und haben Spaß daran." Selbst die Pausen füllen die Kinder mit gemeinsamem Fußballspielen oder kleinen Exkursionen in den Wald. Zwei Mädchen haben kleine Frösche gefangen, die nun vor ihrer Freilassung im Lupenglas genau betrachtet werden. "Es ist unglaublich, was drei Tage im Wald bewirken können", weiß Ruoss. "Ich bin schon zufrieden, wenn es nur bei zwei oder drei Kindern Klick macht."
Ruoss ist überzeugt: "Je früher man mit solchen Dingen beginnt, desto weniger muss später korrigiert werden. Sinnvoll wäre, solche Projekte bereits in Kindergarten und Grundschule anzubieten."
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Autor: INGE CZEMMEL | 30.07.2010
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Gemeinsam geht es besser: Beim Projekt "Soziales Lernen in der Natur" verbrachten Hauptschüler aus Ursenwang drei Tage im Wald. Foto: Inge Czemmel
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