Gedenken an Nazi-Opfer

Göppingen.  Stolpersteine erinnern an Menschen, die von den Nazis ermordet wurden - auch in Göppingen. Zur Verlegung weiterer Gedenksteine waren überlebende Angehörige in ihre alte Heimat gekommen.

Über die Shoah zu lesen, um das Schicksal Millionen ermordeter Juden zu wissen, ist eine Sache. Den Lebens- und Leidensweg Einzelner zu erfahren, die Überlebenden des Holocaust in ihrer Erinnerung und der Trauer um den Tod ihrer Angehörigen zu erleben, eine andere.

Noch nach Jahrzehnten wirkt der Schmerz über den Verlust der Eltern in ihnen nach und so war die Verlegung weiterer Stolpersteine gegen das Vergessen am Samstagnachmittag ein bewegender Moment der Trauer und Erinnerung - auch an das eigene Schicksal, das gerade im Falle der Familien Fleischer besonders tragisch war.

Erwin Fleischer war eigens aus Israel angereist, um dabei zu sein, wenn Gunter Demnig zwei Stolpersteine vor dem Haus seiner Eltern in der Nördlichen Ringstraße verlegt. Anfangs sei er der Idee der Stolpersteine "distanziert gegenüber gestanden". Jetzt sei "gerührt, dass hier an meine Eltern erinnert wird". Denn "mein Vater hat kein Grab auf dieser Welt". Jetzt werden sich Menschen seiner erinnern.

Und erinnern ist wichtig - wie die Aufzüge von Neonazis am Wochenende in Berlin einmal mehr deutlich machten. Denn "Vergessen wäre kein Stolperstein, sondern der Grundstein für die Wiederholung des Unrechtes", hatte Rebecca Ahrun betont. Die Schülerin des Freihof-Gymnasiums hatte mit weiteren Klassenkameradinnen die Lebenswege von Julius und Irma Fleischer nachgezeichnet. Sie wohnten in der Hauptstraße 11. "Zwei unter vielen", angesichts deren Schicksal "sich für uns bis heute die Frage stellt, wie es so weit gekommen war".

Die Kinder des Ehepaares haben das Terrorregime überlebt, waren ebenfalls mit ihren Familien nach Göppingen gekommen. Sylvia Hurst hatte mit einem Kindertransport 1939 Deutschland verlassen können und lebt bis heute in England. "Sehr dankbar" sei sie für das Erinnerungsmal für ihre Eltern, bedankte sich bei den Initiatoren dafür auch im Namen ihres Bruders Richard. Er hat die deutsche Sprache bewusst vergessen, hasst gleichwohl die Deutschen nicht, "nur das, wofür sie gestanden haben". Den millionenfachen Tod, den sie planmäßig in die Welt gebracht hatten, besang die Esslinger Sängerin Marla in ergreifenden Texten, deren Traurigkeit sich niemand entziehen konnte.

Am Rande der Verlegung der Stolpersteine für 14 weitere ermordete Göppinger Juden kam es auch zu Begegnungen alter Freundinnen. Margarete Duisberg und Erela Tamri waren Nachbarskinder, haben gemeinsam ihre Kindheit in der Nordstadt verbracht. "Schön, dass ich dich noch einmal sehe", freute sich die 90-Jährige, als "Erika" geborene Frau, die in Israel lebt und deren "schönstes Geburtstagsgeschenk dieses Familientreffen hier in meiner Heimatstadt Göppingen ist".

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www.stolpersteine-gp.de


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Autor: MARGIT HAAS | 03.05.2010

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