Gallus gibt FDP-Parteibuch ab

Aus Frust über das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ist Ex-Staatssekretär Georg Gallus aus der FDP ausgetreten. Homosexualität sei Sünde.

JOA SCHMID | 6 Meinungen

Das Wort Gottes ist dem früheren Staatssekretär Georg Gallus aus Hattenhofen allemal wichtiger als Parteitagsbeschlüsse der FDP. Deswegen ist der streitbare 84-Jährige gestern nach 60-jähriger Mitgliedschaft aus der Partei ausgetreten. Seit Jahren macht Gallus Front gegen die Linie der Bundespartei. Zuletzt hatte er mit einer Rücktrittsforderung an Westerwelle mitten im Landtagswahlkampf bundesweit für innerparteilichen Streit gesorgt. Jetzt war es der Frust über das beim Bundesparteitag am Wochenende in Karlsruhe abgesegnete Adoptionsrecht für homosexuelle Paare, das ihn auf die Palme brachte. Das habe ihm als überzeugtem Christen keine andere Wahl gelassen als auszutreten, schreibt der Ex-Vize der Südwest-FDP an Parteichef Philipp Rösler.

In der Partei löst Gallus damit Kopfschütteln aus. Das ficht den Hattenhofener jedoch nicht an. Mit seiner Entscheidung, gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption zu erlauben, liege der Europäische Gerichtshof genau so falsch wie die FDP, wettert Gallus, für den in dieser Frage das Wort Gottes das Maß aller Dinge ist. "Die Bibel sagt uns aber, dass Homosexualität Sünde ist", schreibt er an Rösler. Und: "Wir haben diese Menschen als Christen zu tolerieren, aber eine Verharmlosung dieser Lebensart, besonders Kindern gegenüber, halte ich für verantwortungslos." Er habe einen Änderungsantrag nach Berlin geschickt, wonach Schwulen und Lesben Adoptionen nur im Einzelfall gewährt werden sollen. Sein Antrag werde aber sicher einer Kommission überwiesen und dort beerdigt. "Mir bleibt als überzeugter Christ nur noch der Austritt aus der FDP."

Tatsächlich stieß Gallus mit seiner religiös begründeten Argumentation auch im FDP-Kreisverband auf Befremden. Zwar hatten auch die Kreis-Liberalen einen Änderungsantrag beschlossen, der ein uneingeschränktes Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ablehnt. Stattdessen hatten sie eine Einzelfallprüfung gefordert, die weitere psychosoziale Aspekte im Umfeld des Kindes berücksichtigt. "Die Begründung von Georg Gallus mit Gottesbezug konnten wir aber nicht mittragen", erinnert sich der Delegierte Winfried Hüttl an eine außerordentliche Mitgliederversammlung vor drei Wochen. Im übrigen habe man den Antrag vor dem Hintergrund der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes noch vor dem Karlsruher Parteitag zurückgezogen. Hüttl: "Ich finde es schade, dass er jetzt hingeworfen hat, aber ein Parteiprogramm reduziert sich nicht auf die Inhalte der Bibel."

Das sieht auch FDP-Kreischef Werner Simmling so: "Ich bedaure das zutiefst, wenn einer innerhalb von 60 Jahren so viel für die FDP getan hat wie er." Der Austritt kam für Simmling aber nicht überraschend. Homosexuelle Eltern seien für Gallus schon lange ein Streitthema gewesen. Simmling versteht nicht, warum: "Ich finde es toll, wenn sich zwei Erwachsene liebevoll um Kinder kümmern, das können Lesben und Schwule auch."

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6 Kommentare

06.05.2012 17:48 Uhr

Hier erlaube ich mir, den Leser Dieter Walz zu zitieren:

"Die getroffene Entscheidung von Herrn Gallus halte ich für aller Ehren wert!
Allerdings halte ich es aber, um den eingeschlagenen Weg der Heiligung von Herrn Gallus auch weiter zu befördern, für unbedingt notwendig, dass Herr Gallus nun auch auf die von ihm bezogene Staatssekretärspension verzichtet, da diese ja nur im Rahmen der Mitgliedschaft in dieser „sündigen" Partei erlangt wurde.
Für den frommen Herrn Gallus dürfte dies keinen allzu großen Verzicht darstellen, denn die Bibel lehrt uns Gerechtfertigten ja:
Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Matthäus 6.24 "

Also Herr Gallus, keine halben Sachen und vor allem keine Bigotterie! Verzichten Sie auch auf den Lohn Ihres einstmals sündigen Tuns für eine sündige Partei!

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25.04.2012 21:56 Uhr

Respekt

Allen Respekt für jemanden, der für seine Überzeugungen mit allen Konsequenzen einsteht, ganz egal, ob diese mehrheitsfähig sind

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06.05.2012 17:56 Uhr

Mit allen Konsequenzen?

Ganz so hart geht Gallus mit sich selbst wohl nicht ins Gericht.
Seine Altersbezüge bezieht er wohl weiter.

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25.04.2012 20:13 Uhr

Bibel heute?

Steht auch in der Bibel: 2. Mose 22, 17: Eine Hexe sollst Du nicht am Leben lassen.
Wie sieht's damit aus, Herr Gallus?
Willkommen im 21. Jahrhundert.

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24.04.2012 14:30 Uhr

Ach, noch was

in China ist gestern ein Sack Reis umgefallen.

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25.04.2012 11:28 Uhr

Sack Reis...

zu vielem kann man "den Mund halten", Peter Bretz,
aber "wenn" man einen Kommentar abgibt,
sollte der besser "Stellung nehmen"!
Herr Gallus gehört "moralisch unterstützt", dass er den Mut hat, Dinge die schlecht sind auch als schlecht zu bezeichnen!
Wenn immer nur die sich durchsetzen, die die Welt zum "Schlechten" veranlassen, haben wir bald wieder "Sodom und Gomorrha"...

Ich will nicht selbstgerecht sein -
denn ich mache auch genug "falsch" - selbst wenn ich immer nur (subjektiv) das "Beste" will...
aber ich darf mich auch nicht beschweren, wenn ich dann darauf hin angesprochen werde und ich muss "bekennen" - ja - was "schlecht" war war eben "schlecht".

Wenn ich auf "unseren" Gott und Menschen, die ihm nahe stehen, "mitleidig" hinab schaue, weil ich trotz aller Möglichkeiten Gott nahe zu kommen, in "meiner selbst gewählten Dummheit" ihn ignorieren möchte, darf ich mich auch nicht wundern, wenn ich eines Tages die Folgen dieser Ignoranz tragen muss.
Gott zum Gruß

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