Funknetz für die Sicherheit

Kreis Göppingen.  Die bisherige Technik ist über 30 Jahre alt - aber jetzt wird das weltweit größte digitale Funknetz für Behörden und Rettungsdienste aufgebaut. Im Kreis Göppingen sind 15 Sender nötig.

Kein Handy-Nutzer würde eine derart veraltete Technologie nutzen: Noch immer müssen alle Organisationen, die für die Innere Sicherheit zuständig sind, mit analogem Funk auskommen. Der aber ist störanfällig und relativ einfach abhörbar und ermöglicht nur eine geringe Datenübertragung. Das soll sich bald ändern, denn bundesweit entsteht derzeit ein digitales Funknetz mit 4500 Basisstationen.

Von den 15 Sendeanlagen, die im Kreis Göppingen gebraucht werden, sind nahezu elf bereits installiert - auf Gebäuden, Wassertürmen, auf eigenen Masten (wie etwa auf dem Boßler) oder auf jenen von Mobilfunkbetreibern. Für zwei weitere Anlagen in Hohenstadt und Weißenstein liegen die Baugenehmigungen vor, für Wiesensteig und Faurndau stehen sie noch aus. Dies erläuterte jetzt Polizeioberrat Manfred Müller, der im Regierungsbezirk Stuttgart für den Aufbau des Funknetzes verantwortlich ist, vor dem Kreistags-Ausschuss für Umwelt und Verkehr.

Ziel sei es, die drei bisher eigenständigen Funknetze der Polizei und Rettungsdienste in ein einziges umzuwandeln - mit allen Vorzügen moderner Digitaltechnik. Neben den örtlichen Funkzellen (wie man sie vom Mobilfunk her kennt), sind vier Regionalstellen notwendig. Für Baden-Württemberg und Bayern ist diese in Ulm angesiedelt.

Müller betonte, dass die Grenzwerte für die elektromagnetische Verträglichkeit weit unterschritten würden. Er nannte dafür ein Beispiel: Ein Handy bringe es direkt am Ohr während des Verbindungsaufbaus auf ein Watt Sendeleistung - dies entspreche jenem Wert, wie er gerade mal noch fünf Meter von einer Sendeanlage des neuen Digitalfunks entfernt gemessen werde. Und diese befinde sich bekanntermaßen auf einem Turm oder auf einem anderen hohen Bauwerk.

Die Ängste vor Strahlenbelastung sind nach Angaben Müllers unbegründet. Zahlreiche Nachbarstaaten wie Belgien, die Niederlande und Großbritannien nutzten bereits seit geraumer Zeit diese sogenannten "Tetra"-Netze und begleiteten dies mit Forschungsstudien, die von unabhängigen Sachverständigen ausgewertet würden. Gesundheitliche Risiken für Menschen seien in keinem einzigen Fall festgestellt worden.

Doch Grüne-Kreisrätin Dorothee Kraus-Prause bleibt skeptisch: Zwar anerkenne sie die Notwendigkeit eines besseren Funknetzes, doch befürchte sie, dass immer mehr Sender zu einer kritischen Summierung der Strahlenbelastung führen könnten. Müller entgegnete jedoch, dass bei den Berechnungen die Sendeleistungen unterschiedlicher Netze nicht einfach addiert werden könnten. Im Übrigen werde jeder Standort von der Bundesnetzagentur geprüft.


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Autor: MANFRED BOMM | 19.03.2010

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