Frivole Texte, flotte Musik

Göppingen.  Das gab es auch schon lange nicht mehr im Alten E-Werk: Ein begeistertes Publikum dankte am Schluss mit Standing Ovations. Der Entertainer Robert Kreis servierte auf charmante Art Musikkabarett von Rang.

Die Nachricht des Tages verbreitete Robert Kreis ganz am Schluss: "Gestern Abend hat sich mein Landsmann Johannes Heesters von Simone getrennt. Er lebt jetzt wieder bei seiner Mutter." Dieser Kalauer aus den seichteren Gefilden seines Repertoires kam beim E-Werk-Publikum dennoch bestens an, hatte sich der 60-jährige Musikkabarettist, Pianist und Entertainer zu diesem Zeitpunkt doch längst in die Herzen der Odeon-Besucher geplaudert und gesungen.

"Heute bin ich gut aufgelegt, ach wie bin ich aufgeregt", sang er zur Begrüßung, und bestens aufgelegt war er allemal bei der Wiedergabe seiner "Highlights" aus 30 Jahren Bühnenpräsenz. Highlights, die mit wenigen Ausnahmen das Berlin der 20er und 30er Jahre aufleben ließen - die Zeit der Schellack-Platten, großen Revuen und des mit meist frivolen Texten unterlegten Kabaretts.

"Wenn die Frauen verblühn, verduften die Männer", behauptet Robert Kreis, der sich zudem gewiss ist: "Mit einer leichtfertigen Frau möchte ich kein Abenteuer, denn sonst wird der Abend teuer." Texte freilich, die nicht aus seiner Feder stammen, sondern vielmehr einer Zeitschrift aus jenen Jahren entnommen sind - einer Zeit, in der sich das "Volkstheater" des Kabaretts, seis im Wintergarten oder im Café Größenwahn, prächtig zu entwickeln begann.

Betroffenheit legt sich jedoch wie ein Schatten über die ausgelassen-heitere Stimmung, als Robert Kreis unmissverständlich in Erinnerung ruft, dass es gerade die jüdischen Künstler waren, die mit ihren Texten und Kompositionen die Massen begeisterten, ehe sie vom Nationalsozialismus zum Schweigen verdammt oder, wie Willy Rosen etwa, umgebracht wurden. Doch die Miene des Holländers hellt sich schnell wieder auf, als er auf den jüdischen Humor zu sprechen kommt. Feinsinnig sei er, mitunter etwas schlüpfrig, aber nie unter der Gürtellinie, meint Kreis, setzt prompt ein verschmitztes Grinsen auf, ruft "Pass auf", und Schlag auf Schlag folgt ein jüdischer Witz dem anderen. Und wenn anderen längst die Puste ausgegangen wäre, fragt er schlussendlich "Noch einen? Pass auf". Es folgen bekannte Willy-Rosen-Couplets ("Wenn ich der Richard Tauber wär", "Fahr heut Nacht zu meiner Gnädigen, da hab ich manches zu erledigen") sowie ein Potpourri bekannter Schellack-Gassenhauer, ehe er in der Rolle des Reich-Ranickis aus dem 1927 erschienenen Büchlein "Das Liebes- und Geschlechtsleben des Weibes in guten wie in schlechten Tagen" zu rezitieren beginnt.

Robert Kreis begeisterte mit einer gediegenen, auf hohem Niveau stehenden Ausdrucksstärke, die seine mit charmanter Leichtigkeit vorgetragenen Lieder und Texte zum Musikkabarett von Rang werden ließen. Nach mehreren Zugaben Standing Ovations vom restlos beglückten Publikum.


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Autor: KURT LANG | 09.02.2010

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