"Es gab eine gewisse Unzufriedenheit"

Schon vor ihrem Dienstantritt im Juni ist das Verhältnis zwischen Wahlsiegerin Carmen Marquardt und dem Gemeinderat belastet. NWZ-Redakteur Wolfgang Karczewski sprach mit der Verwaltungswirtin.

Frau Marquardt, wie lange haben Sie nach Ihrem Wahlsieg am Sonntagabend noch gefeiert?

CARMEN MARQUARDT: Ich war gegen 23 Uhr zu Hause. Wir haben noch mit ein paar Freunden und einigen Bürgern gefeiert.

Wie haben Sie Ihre Kollegen bei der Bundeswehrverwaltung in Stuttgart empfangen?

MARQUARDT: Sie haben mich alle in den Arm genommen. Auf der einen Seite finden sie es schade, dass ich bald weg bin. Auf der anderen Seite freuen sie sich, dass es mit meiner Wahlsieg in Adelberg geklappt hat. Am liebsten würden sie mit mir nach Adelberg gehen und im Rathaus arbeiten.

Haben Sie Ihren Wahlsieg vom Sonntag schon realisiert?

MARQUARDT: Am Wahlabend war ich völlig platt. In der Nacht habe ich keine Sekunde geschlafen. Am Montag war ich froh, dass ich durch meine Arbeit abgelenkt war. So nach und nach realisiere ich jetzt das, was am Sonntag passiert ist.

Sie haben mehr als 60 Prozent der abgegebenen Stimmen gewonnen. Worauf führen Sie dieses eindeutige Votum zurück?

MARQUARDT: Das hat weniger mit meiner Person zu tun, sondern mit einer gewissen Unzufriedenheit, mit Herrn Hermann und dem Gemeinderat. Es hat einfach die Bürgernähe gefehlt. Auch die Entscheidungen in Bezug auf das Bad konnten die Bürger nicht verstehen. Allerdings weiß ich als Außenstehende nicht, ob hier etwas schiefgelaufen ist. Das trifft auch auf den Campingplatz zu.

Wann werden Sie Ihr Amt antreten?

MARQUARDT: Soweit ich weiß, im Juni. Ich habe noch keinen Kontakt zum Rathaus und zu Herrn Hermann aufgenommen. Ich weiß nur, dass er sehr geschockt war.

Was sind Ihre ersten Aufgaben, die Sie in Adelberg anpacken wollen?

MARQUARDT: Die Rathausmitarbeiter kennen lernen, meine neuen Aufgaben kennen lernen, mich überall bekannt machen und dann sehen, wo es am meisten brennt. Dass eine Menge auf mich zukommt, sehe ich jetzt schon.

Sie sind nach Gudrun Flogaus in Schlat die zweite Frau im Kreis Göppingen, die zur Bürgermeisterin gewählt worden ist. Sind Sie stolz darauf?

MARQUARDT: Es ist auf jeden Fall etwas Ungewöhnliches. Wir Frauen werden uns zusammentun. Ich werde auf jeden Fall Kontakt zu ihr aufnehmen und sie fragen, wie es ihr so geht.

Im Vorfeld der Wahl gab es Irritationen, weil Sie in einem Interview gesagt hatten, dass kein Gemeinderat mit Ihnen sprechen wollte. Wahlleiter und Gemeinderat Robert Tischer hat zwar bestätigt, dass er aus Gründen der Neutralität vor der Wahl nicht mit Ihnen sprechen wollte. Allerdings sei ein Gemeinderat auf Sie zugekommen und wollte mit Ihnen reden. Sie hätten jedoch abgelehnt. Ist dies so korrekt?

MARQUARDT: Herr Tischer hat zu mir gesagt, dass er nicht global für das ganze Gremium spreche, wenn er aus Gründen der Neutralität nicht mit mir reden will. Daraufhin habe ich eine böse E-Mail von einer Gemeinderätin bekommen. Wenn sich der Gemeinderat in dieser Angelegenheit nicht einig ist, können wir es lassen. Ich bin jedoch jederzeit gesprächsbereit. Wie die Haltung des Gemeinderats mir gegenüber ist, hat man am Wahlabend ja gesehen. Außer Herrn Tischer und Frau Matscheko hat mir keiner gratuliert. Das ist natürlich kein guter Start.

Befürchten Sie, dass das Verhältnis zum Gemeinderat jetzt schon zerrüttet ist?

MARQUARDT: Das ist personenabhängig. Man muss mir die Zeit und die Möglichkeit geben, mich vorzustellen. Dann kann mich der Gemeinderat besser kennen lernen. Das muss so schnell wie möglich geschehen. Alles weitere liegt jetzt am Gemeinderat.

In Adelberg kursiert das Gerücht, dass der TSV-Vorsitzende und ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Remppel Sie zu einer Kandidatur überredet haben soll. Ist da etwas dran?

MARQUARDT: Nein, da ist nichts dran. Er hat mich nicht überredet. Außerdem bin ich parteilos und neutral.

Was steht bei Ihnen vor Ihrem Dienstbeginn noch an?

MARQUARDT: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Ende April geht es in den Urlaub nach Lanzarote, da kann ich dann endlich durchschnaufen.


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