Einnahmequelle Glücksspiel
Göppingen. Betreiber von Glücksspielautomaten müssen tiefer in die Tasche greifen. Göppingen und Geislingen verlangen keine pauschale Abgabe für die Geräte mehr, sondern orientieren sich am Geld, das in ihnen steckt.
Die Hoffnung auf schnelles Geld hat viele Freunde. Zur Mittagszeit ist der Parkplatz vor dem Gebäude in der Nähe des Göppinger Bahnhofs voll, die Drehstühle im Innern sind gut besetzt. Doch wer nicht über 18 ist, dem bleibt der Eintritt zu der Spielhalle verwehrt. Darüber wacht das Empfangspersonal am Eingang.
Wer das Haus betritt, begibt sich in eine Parallelwelt. Ignoriert der Besucher die Töne und das Blinken der Automaten, gleicht die Atmosphäre fast der einer Bibliothek: Lampen verströmen warmes Licht, die Spieler sitzen konzentriert vor den Geräten. Gesprochen wird wenig, ab und zu geht einer zum Empfang und lässt sich von den Servicedamen ein Getränk geben. Im Flur steht ein Zigarettenautomat. Einige Spieler bedienen mehrere Maschinen gleichzeitig.
Mit dem Reiz des Gewinnens will Göppingen absehbare Haushaltslöcher stopfen. Betreiber von Glücksspielautomaten müssen ab Juli tiefer in die Tasche greifen und eine höhere Vergnügungssteuer zahlen. Dadurch verspricht sich die Stadt jährlich rund 200 000 Euro. Das Geld soll helfen, Ausfälle an anderen Stellen zu ersetzen: Göppingen rechnet damit, dass aufgrund der Wirtschaftskrise bis 2013 rund 18 Millionen Euro weniger in die Stadtkassen fließen werden.
Die höhere Steuer verspricht die Kommune deutlich zu entlasten. Läuft alles nach Plan, nimmt sie in den kommenden dreieinhalb Jahren rund 700 000 Euro mehr ein als bisher. Die Finanzexperten im Rathaus sind auf diese Zahl gekommen, nachdem sie berücksichtigt haben, dass die Steuer in diesem Jahr erst ab Juli gilt.
Stadtkämmerer Rudolf Hollnaicher ging bisher von einem geringeren Betrag aus. Im Haushalt für dieses Jahr hatte er die Einnahmen durch die Vergnügungssteuer auf 630 000 Euro geschätzt. Durch den jüngsten Erlass kann er sie für 2010 um 100 000 Euro erhöhen. Damit nicht genug: Da Göppingen im vergangenen Jahr rund 811 000 Euro eingenommen hat, könnte die Stadt auch dieses Jahr um einiges mehr Geld einnehmen als erwartet.
Ein Kniff hat die neue Einnahmequelle geöffnet. Künftig besteuert Göppingen alle Spielautomaten nach der Höhe des Geldes, dass Spieler monatlich in sie stecken. Die Betreiber müssen somit alles versteuern, was in der Kasse der Maschinen liegt. Bisher hat die Stadt lediglich eine pauschale Abgabe verlangt, die vom Standort der Geräte abhing: Zwischen 77 und 230 Euro betrug diese, je nachdem ob der Automat in einer Spielhalle oder an einem anderen Ort steht. Ab Juli müssen die Betreiber in Göppingen 15 Prozent des Einspielergebnisses abführen.
Geislingen verfährt seit April diesen Jahres nach dem gleichen Prinzip. Bislang hatte die Stadt zehn Prozent Steuer für Geldspielautomaten verlangt. In einem Punkt unterscheidet sich jedoch die Geislinger Regelung von der in Göppingen: Pro Gerät gelten dort Mindeststeuersätze, die zwischen 40 und 250 Euro betragen. Sex und Gewalt auf dem Bildschirm kostet die Betreiber noch mehr. Pro Automat müssen sie zwischen 200 und 500 Euro zahlen.
Der Aufschlag soll die Flut solcher Geräte eindämmen. In Geislingens Altstadt und in der Oberen Stadt stehen diese Automaten besonders oft - und es sollten noch mehr werden. Außer den sieben bestehenden Spielhallen laufen Bauvoranfragen für drei weitere. Um diesen Trend zu stoppen, will Geislingen, aber auch Göppingen, keine neuen Spielhallen in nächster Zeit zulassen. In Geislingen gilt das Verbot für die Altstadt, in Göppingen in den Gebieten rund um den Güterbahnhof und den Weingärten.
Das Unterfangen ist zweischneidig. Schließlich will die Kommune in den nächsten Jahren mehr Geld mit dem Glücksspiel verdienen. Dass die Betreiber der Hallen und Geräte glücklich über die neue Regelung sind, darf bezweifelt werden. Doch solange die Preise an den Automaten nicht steigen, dürfte die Kunden eine höhere Vergnügungssteuer nicht stören. Im Obergeschoss der Göppinger Spielhalle tippen die Besucher vorerst weiter auf die Bildschirme und werfen Geld in den Schlitz. Der Reiz ist groß.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: TOBIAS FLEGEL | 02.06.2010
| Artikel twittern |
|
|
Das Spiel läuft - und Göppingen will mehr daran verdienen. Ab Juli erhöht sie die Vergnügungssteuer. Der Betrag ist dann abhängig vom Geld, das monatlich in der Kasse der Automaten landet. Foto: Giacinto Carlucci
MEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK
