Einfach ohne alles, aber nicht ohne Bass

Mit dem Kontrabass-Quartett Bassics um den Sprecher Timo Brunke startete die Geislinger Konzertreihe "Kultur im Gewölbe" ins Jahr 2014. Das Publikum im Keller von Blumen Burr erlebte eine basslastige Show.

KONSTANTIN HEIDEMANN |

"Ohne Geige, ohne Bläser, ohne Pauken und Trompeten, einfach ohne alles, aber nicht ohne Bass", so kündigte der Sprachkünstler Timo Brunke das Quartett "Bassics" an, das am Freitagabend im Gewölbekeller von Blumen Burr in der Geislinger Bahnhofstraße auftrat. Ein Orchester ohne Kontrabass sei eigentlich unvorstellbar, machte Brunke klar. "Seine Jungs" hatten gleich vier der hölzernen Musikriesen nach Geislingen mitgebracht.

Gespannt spitzten die Zuhörer in den Stuhlreihen des fast ausverkauften Gewölbekellers die Ohren, während sich die noch recht jungen Bassisten routiniert in Stellung begaben und schon mal vereinzelt Töne anklingen ließen. Mit Auszügen aus Patrick Süskinds Bühnenstück "Der Kontrabass" und einer Kostprobe aus Berhard Alts (1903-1945) "Suite für vier Kontrabässe" aus den 30er Jahren glänzten sowohl die Musiker als auch der Sprecher.

Zwischendurch stellte Brunke die einzelnen Bassisten samt ihrer Instrumente vor: Christopher Beuchert, der vom Klavierspieler zum Orchester-Bassisten wurde, hatte sein dorisches Instrument von 1861 mitgebracht - sozusagen eine Stradivari unter den Kontrabässen. Nico Karcher beschrieb den Klang seines Basses als "etwas nussig-kantelenig". Jüngster der Runde ist Manuel Schattel mit 29 Jahren, der einen Bass eines schwäbischen Geigenbauers von 2010 spielt. Der älteste im Bunde ist Lars Jakob mit 37 Jahren. Er erzählte, dass sein Instrument aus einer Wiener Instrumente-Manufaktur stamme, um 1770 hergestellt wurde und dass einst sogar Joseph Haydn darüber gestolpert wäre.

Ein Potpourri von Johann Strauß, ein schwungvoller Auszug aus der alteuropäischen Salonmusik, ergriff die Zuhörer erneut. Mal gestrichen, mal gezupft, dann beides gleichzeitig - so präsentierten die vier Jungs das Stück "Strauß in the Doghouse" des britischen Arrangeurs Daryl Runswick und verdienten sich damit einen Riesen-Beifall.

Und dann ging plötzlich das Licht aus. Brunke erhellte die Schrecksekunde aber sofort: Mit einer lodernder Kerze vor der Brust gab er in schauriger Art und Weise die Anmoderation für Franz Schuberts "Erlkönig" zum Besten.

In Puccinis Oper "Tosca" beklagt Cavaradossi seine Gefangenschaft im Kerker, ein Ort, der dem Veranstaltungsort wohl ziemlich nahe kam. Mit "Auf in den Kampf Torrero" aus der Oper "Carmen" wurde in der Schlussrunde ins spanische Sevilla übergeleitet. Brunke begleitete das Stück durchweg mit Sprechgesang und fuhr nochmals großartigen Applaus ein.

Initiator der seit 2012 bestehenden Konzertreihe "Kultur im Gewölbe" ist der Wahl-Geislinger und Berufs-Posaunist Martin Hueber. Nachdem am Freitag alle Künstler mit einem Blumenstrauß belohnt wurden, durfte der wohl bekannteste Klassiker zum Thema Kontrabass nicht fehlen. Mit den Klängen von "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" endete ein brillantes Konzert.

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