"Eine frühe Sprachförderung ist das A und O"

Göppingen.  Viele Kinder werden mit geringen Deutschkenntnissen eingeschult. In der Göppinger Uhland-Grundschule werden die Sprachkenntnisse in der so genannten Vorbereitungsklasse besonders gefördert.

"Wir haben an unserer Schule rund 70 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund", erklärt Gabriele Pitterle, Schulleiterin der Uhland-Grundschule. In vielen der Familien werde zuhause kaum oder gar nicht deutsch gesprochen, so dass den Kindern das dringend notwendige Training fehle. Das Problem beschränke sich aber nicht nur auf Kinder mit Migrationshintergrund, betont Pitterle: "Auch viele deutsche Kinder haben massive Probleme mit der Sprache", weiß sie. "Das kommt davon, dass sie zuhause oft nur vor den Fernseher oder Computer gesetzt werden, anstatt dass man sich mit ihnen unterhält". Mit der ganztägigen Betreuung an der Schule versuche man, diese Versäumnisse so gut es gehe aufzufangen, so Pitterle.

In der Vorbereitungsklasse, die es in dieser Form im Stadtgebiet nur an der Uhland-Grundschule gibt, wird die Sprache spielerisch erlernt. Im Rahmen der Aktionsreihe "Wir alle für unsere Kinder", einem Projekt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene des Landkreises, präsentierte Grundschullehrerin Martina Heußer-Ladmann gestern gemeinsam mit Schülern der Vorbereitungsklasse Beispiele ihrer Unterrichtsmethoden. Mit Hilfsmitteln wie Bildkarten, einem Spiegel oder einem gesprochenen Text auf Kassette lernen die Kinder verschiedener Nationalitäten einzelne Begriffe oder ganze Sätze. "Die Verknüpfung von visuellen, akustischen und motorischen Elementen trainiert die Merkfähigkeit der Kinder", erklärt Heußer-Ladmann. Das Lernen falle so deutlich leichter.

So wird beispielsweise mit Hilfe eines blauen, roten und grünen Plakats die Zuordnung der richtigen Artikel zum ebenfalls auf Bildkarten farbig gekennzeichneten Substantiv geübt. Die blau markierte Karte mit dem Apfel darauf wird so dem blauen Plakat mit dem Artikel "der" zugeordnet. Beim Blick in den Spiegel sollen die Schüler auf ihre Mundbewegung bei den einzelnen Buchstaben achten und Unterschiede registrieren. "Durch das gemeinsame Üben verlieren die Kinder auch ihre anfänglichen Hemmungen beim Sprechen", beobachtet Heußer-Ladmann. "Eine frühe Sprachförderung ist das A und O", betont sie, denn wenn sich die Fehler erst einmal eingeschlichen hätten, seien sie nur schwer wieder zu korrigieren.

In der Vorbereitungsklasse, die es an der Uhland-Grundschule bereits seit rund 25 Jahren gibt, nehmen nicht nur Erstklässler teil. Auch Kinder höherer Klassenstufen, die nach wie vor sprachliche Probleme aufweisen, werden in das Zusatzprogramm mit aufgenommen. Bei den Schulanfängern werde nach dem einen Jahr in der Vorbereitungsklasse entschieden, ob sie direkt weiter in die zweite Klasse - also die Regelklassenstufe - kämen oder das erste Schuljahr wiederholen müssten, erklärt Pitterle.

Derzeit sind elf Kinder von sechs bis acht Jahren in der Vorbereitungsklasse. Die Mindestzahl liegt bei zehn Schülern.


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Autor: KATJA EISENHARDT | 12.03.2010

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