Die Zukunft gezeichnet

Kreis Göppingen.  Fast schon vergessen schien der Göppinger Zeichner und Illustrator Klaus Bürgle zu sein. Eine Ausstellung auf Schloss Filseck würdigt jetzt Bürgles visionäres - bereits vor 50 Jahren entstandenes - Werk.

Klaus Bürgle hatte von allem eine Vorstellung. Von den fliegenden Gemüsegärten im All, den "unterirdischen" Wohnsiedlungen auf dem Mond oder mondänen Verkehrswegen auf Erden. Von Autofähren durch die Wüste, Solarkraftwerken mit Mikrowellenabstrahlung oder einem Busshuttle zum Mars.

Wie mag die Zukunft wohl aussehen? In den 1950er Jahren bereits waren Naturwissenschaftler wie Techniker geradezu beseelt von dieser Frage. In Richtung Weltall herrschte Aufbruchstimmung und auf Erden beschäftigte sich die renommierte Wissenschaft damit, futuristische Entwicklungen vorhersagen zu können. Der junge 23-jährige Göppinger Grafiker und Kunststudent Klaus Bürgle setzte alles Erkennbare ins Bild. Gab den Vorstellungen von künftiger Verkehrsplanung und visionären Lebensformen ein Gesicht. Ein präzises. Denn der Zeichner Bürgle setzte die Texte und Beschreibungen von Forschern und Fantasten wie kaum ein anderer detailverliebt in Bildhaftes um.

1949 war Heinz Bochmann, Chefredakteur von "Das neue Universum", einem "Jahrbuch des Wissens und Fortschritts für Haus und Familie", das sich seit 1880 mit Science-Fiction-Geschichten und mit Wissenschaft befasste, auf Bürgle aufmerksam geworden. Durch Zufall - in einem Schaukasten im Fenster der Göppinger Buchhandlung Herwig stellte Bürgle Zeichnungen und ein Freund Texte dazu aus. Ihre ganz vom Pioniergeist geprägten individuellen Ansichten über die Zukunft. Klaus Bürgle erhielt seinen ersten Auftrag und setzte als Erstes die Vorstellung von einer "Montagehalle für Großraketen" anschaulich ins Bild.

Bürgles Karriere als gefragter Zukunftszeichner begann. Er illustrierte für "Hobby", für "Bild der Wissenschaft" und für die TV-Beiträge des Physikers Heinz Haber. Bis in die 1970er Jahre hinein zeichnete Bürgle, was nicht zu fotografieren war. Ein Ende bescherte erst das aufkommende, neue Computerzeitalter. Fast wären Bürgle und sein faszinierendes Werk in Vergessenheit geraten. Dem Göppinger Kunsthallenchef Werner Meyer und dem Kunstprofessor Klaus Heider ist es zu verdanken, dass an Bürgle wieder erinnert wird.

Am Freitag wurde die Bürgle-Ausstellung "Zurück in die Zukunft" auf Schloss Filseck eröffnet. In Kooperation zwischen der Göppinger Kunsthalle und der Kreissparkasse Göppingen. Das Besucherinteresse an "einem faszinierenden Stück Geschichte des 20. Jahrhunderts", so Werner Meyer, war enorm. Wie selten an einer Vernissage. Ein besonderer Reiz liegt auch darin, nachzuvollziehen, wie man und Bürgle sich vor 50, 60 Jahren bereits die Zukunft vorgestellt haben.

Info

Ausstellung auf Schloss Filseck bei Uhingen. Öffnungszeiten: Di. bis So. 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Ausstellungsdauer: bis 25. April 2010.


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Autor: HANS STEINHERR | 22.02.2010

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