"Demenz erfahren": Die etwas andere Busreise
Kreis Göppingen. "Demenz erfahren: Mit dem Bus unterwegs", hieß die Aktion des Bela III Netzwerks. Dabei erfuhren gestern rund 25 Ehrenamtliche in verschiedenen Pflegeeinrichtungen alles Wichtige über die Erkrankung.
Kein geselliger Ausflug in die schöne verschneite Landschaft, sondern zu insgesamt vier Pflegeeinrichtungen im Landkreis lud die Altenhilfe-Fachberaterin des Landratsamts und Regionale Koordinatorin des Netzwerks Bürger-Engagement für Lebensqualität im Alter (Bela), Christine Stutz, ein. Die fünfteilige Qualifizierungsreihe "Auf gute Nachbarschaft" hat nach dem erfolgreichen Informationsabend für Freiwillige, die mehr über Demenz erfahren möchten, nun Besuche in den verschiedenen Häusern vorgesehen.
Erste Station war das Altenzentrum St. Elisabeth in Eislingen, das nicht nur als hundertste Einrichtung im Bela III Netzwerk von Baden-Württemberg gefeiert werden konnte, sondern überdies im Rahmen eines Modellprojekts als eine der ersten im Land die innovative Betreuung von sechs schwer demenzkranken Menschen in einer "Pflegeoase" anbietet. "Nicht die Versorgungsform beeinflusst in erster Linie die Lebensqualität von pflegebedürftigen Menschen, primär sind es die handelnden Akteure, wir selbst", erläuterte der Geschäftsführer Alexander Schöck den wichtigen Prozess in den Köpfen. Verlangen nach Nähe, Anerkennung, Sicherheit, Trost, Berührung, Ansprache, Blickkontakt, personenbezogener Betreuung, geregeltem Tagesablauf - das alles sind Grundbedürfnisse, die den hilflosen Menschen das Leben angenehmer gestalten.
Alle Freiwilligen werden umfassend von Bela III geschult. Sich grundsätzlich langsam bewegen, einen angenehmen Sprechrhythmus benutzen, nicht laut rufen, nie Türen schlagen sowie kein abruptes Abwenden aus dem Gesichtsfeld: Das sind nur einige Dinge, die dringend beim sensiblen Umgang mit den Patienten beachtet werden müssen.
Unter dem Motto "Essen erleben" werden alle Sinne bei den Demenzkranken in der Göppinger Wilhelmshilfe im Café Villa Vogt aktiviert. "Sehen, riechen, schmecken und fühlen. Wir beachten dabei, was die Leute von früher kennen und wollen mit dem Essen Zufriedenheit produzieren", verrät Koch Jochen Thestorf, der zudem noch etliche Tipps bei der Nahrungszubereitung in petto hat. "Wir freuen uns sehr, dass Menschen ihre Zeit, ihren Erfahrungsschatz und ihre Fähigkeiten einbringen, denn sie bauen für unsere Bewohner eine Brücke in die Gemeinde", freut sich Leiterin Magdalena Lutz-Rolf über die tolle Unterstützung in ihrem Hause. Gleichfalls voll des Lobes ist Dafna Seybold. "Wir haben hier im Caféle ein tolles Team, die total motiviert sowie komplett selbstständig zugange sind", erzählt die Heimleiterin der Wilhelmshilfe Süßen.
Im Samariterstift in Geislingen-Altenstadt betont Ehrenamtskoordinatorin Gudrun Müller: "Der geschützte Bereich bietet Menschen mit Demenz mehr Handlungs- und Verhaltensspielräume, weil sie nicht den Maßregelungen und Korrekturen orientierter Mitbewohner ausgesetzt sind, stellt aber gleichzeitig auch hohe Ansprüche an das Pflegepersonal inklusive aller freiwillig Engagierten".
Viel Erfahrung im Umgang mit dem Thema Demenz hat das Geislinger Ehepaar Charlotte und Manfred Kraus. "Seit 14 Jahren versorgen und betreuen wir unseren alleinstehenden Freund. Ob Haushaltsauflösung, Schriftverkehr oder Wäsche, nur weil er krank ist, kann man ihm ja nicht gleich die Freundschaft aufkündigen", finden sie.
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Autor: SABINE ACKERMANN | 12.03.2010
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25 Ehrenamtliche machten sich gestern auf zu einer Rundfahrt durch den Landkreis: Alles drehte sich um Hilfe für Demenzkranke. Foto: Sabine Ackermann
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