Bewährungsstrafe: Kinderpornos auf der Festplatte

Wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornos wurde am Montag ein Mann vor dem Göppinger Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

WERNER SCHMIDT |

Sein Schlusswort war ein erleichterter Stoßseufzer: "Eigentlich bin ich froh, dass es so gekommen ist. Auch wenn es abgedroschen klingt." Anschließend sprach Richterin Insa Müller am Montag im Göppinger Amtsgericht das Urteil: Zehn Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung und zusätzlich 3500 Euro Geldbuße. Christian B. (Name von der Redaktion geändert) nahm das Urteil an. Angeklagt war er wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie. Fast 3000 Dateien, Bilder und Filme waren auf seinem PC, externen Festplatten und USB-Sticks gefunden worden.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Kripo bei ihm an der Haustür geklingelt. Die Ermittler mussten nicht viel sagen. Christian B. gab gleich alles zu, übergab PC und Festplatten - "er war kooperativ" - erklärte ein Ermittler am Montag als Zeuge vor Gericht. Anschließend wurden die Daten beim LKA ausgewertet, was immerhin sechs bis acht Wochen in Anspruch nahm.

Mit Edathy auf einer Namensliste

Heraus kam, dass auf einer Vielzahl der Bilder und Filme sexuelle Handlungen von Kindern, hauptsächlich Jungs, auf anderen auch von Jugendlichen gezeigt wurden, die der Angeklagte mit einem speziellen Programm aus einer Tauschbörse bezogen hatte. Während er die Dateien auf den eigenen Computer lud, wurden sie parallel dazu für andere ebenfalls zum Download zugänglich, was ihm den Vorwurf der Verbreitung von Kinderpornografie einbrachte. Im Zuge von Ermittlungen in Kanada gegen Pädophile waren auch Namen aus Deutschland aufgetaucht. Christian B. war einer, der Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy ein anderer.

Christian B. ist massig und scheinbar ein durchaus intelligenter Mensch. Sein Dialekt ist wenig ausgeprägt, er spricht grammatikalisch korrekte Sätze, stottert hin und wieder leicht. Womöglich ein Relikt der Erziehung seines Vaters: "Nur er weiß, was richtig ist. Alle anderen sind für ihn Idioten und Seckel. Ich hatte immer gehofft, ich werde nie wie er. Als ich mit meiner Therapie anfing, merkte ich aber, dass ich schon fast soweit war."

Seine auf eigene Initiative vor mehreren Jahren begonnene Therapie bewahrte ihn vor einer schlimmeren Strafe. Sowohl Staatsanwalt Michael Häupler, der zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert hatte, als auch Richterin Insa Müller werteten dies strafmildernd und beide verlangten vom Angeklagten eine Fortsetzung und Intensivierung der Therapie.

Intensive psychologische Behandlung

Die Therapie hatte Christian B. aufgenommen, weil er "tödliche Angst" vorm Zahnarzt hatte. Er ahnte nicht, woher diese Angst stammte und wollte ihr auf den Grund gehen. Dabei kam heraus, dass in ihm auch Gewaltphantasien gegen Jungs brodeln. Mit Hilfe der Therapie konnte er einiges bewältigen, aber seit im vergangenen Oktober die Kripo bei ihm vor der Tür stand, "bin ich kinderpornografisch frei. Ich will nicht sagen, die Bedürfnisse sind ganz weg, aber seither ist die psychologische Behandlung intensiver", gab er vor Gericht zu.

An seine Kindheit hat er keine guten Erinnerungen. In der Schule gehänselt und immer Opfer, war er zu Hause schon als Kind das Auffangbecken für die Nöte der Mutter.

Derzeit ist Christian B. krank geschrieben: "Ich will auf jeden Fall wieder arbeiten. Immer nur zu Hause hocken, das geht nicht." Diese ehrlich vorgetragene Absicht stimmte das Gericht zusätzlich milde, sodass es letztlich dem Antrag der Verteidigung folgte.

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