Betriebsratschef gekündigt
Kreis Göppingen. Bespitzelung, falsche Anschuldigung wegen angeblich krimineller Machenschaften: Die IG Metall sieht den Betriebsratschef der Firma Plattenhardt als Opfer einer Intrige. Ihm soll fristlos gekündigt werden.
Im Dauerstreit mit ihrem Betriebsrat kämpft die Geschäftsleitung der Hattenhofer Firma Schweizer Group Plattenhardt seit Jahren mit harten Bandagen. Zuletzt hatte der Autozulieferer mit rund 350 Mitarbeitern vor drei Jahren mit einer erbitterten Tarifauseinandersetzung Schlagzeilen gemacht. Jetzt erhebt die Göppinger IG Metall schwere Vorwürfe gegen die Aluminiumgießerei. Für die Gewerkschaft deutet alles darauf hin, dass das Unternehmen Betriebsratschef Erdal Savas mit aller Macht aus dem Betrieb haben will und dabei auch vor fragwürdigen Methoden nicht Halt macht. Nur so sei dessen von der Geschäftsleitung beabsichtigte fristlose Kündigung erklärbar, betont die IG-Metall-Betriebsbeauftragte Renate Gmoser. Die Firmenleitung hält sich bedeckt. Der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Schweizer-Group- Personalchef Martin Oberle wollte die Vorwürfe gestern gegenüber der NWZ nicht kommentieren.
Indirekt hängt die beabsichtigte Kündigung des jüngst wieder gewählten Betriebsratschefs nach Meinung der IG Metall mit einer Drogen-Razzia der Polizei Anfang April auf dem Firmengelände zusammen, bei der die Spinde von drei mutmaßlichen Dealern untersucht worden waren. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich aber nicht um Betriebsratsmitglieder. Die Aktion, die bei der Belegschaft für Aufsehen gesorgt hatte, habe nichts mit dem Unternehmen selbst zu tun, betonte Polizeisprecher Rudi Bauer damals gegenüber der NWZ.
Vor der Razzia war die Firma offenbar selbst aktiv geworden. Der Göppinger IG Metall wurde nach eigenen Angaben bekannt, dass die Firmeneigner seit Wochen Mitarbeiter gezielt bespitzelt ließen. Mit so genannten "Undercover"-Mitarbeitern einer eigens beauftragten Detektei sollten nach Informationen der Gewerkschaft angeblich die "kriminellen Machenschaften von Mitarbeitern dieses Unternehmens" aufgedeckt werden. So heiße es zumindest in den Anhörungsschreiben der sieben von Plattenhardt beabsichtigten fristlosen Kündigungen, berichtet die IG-Metall-Vertreterin Gmoser. Neben dem Betriebsratschef gehören ein weiteres ordentliches Betriebsratsmitglied, ein Ersatzbetriebsratsmitglied und vier weitere Beschäftigte von Plattenhardt zu den Mitarbeitern, denen die Firmenchefs kündigten wollen.
Die in der Anhörung verfassten Gründe der Arbeitgeber für die geplante fristlose Kündigung der beiden Betriebsräte sind aus Sicht der IG Metall lediglich vorgeschoben, um "Savas endlich aus der Position des Betriebsratsvorsitzenden zu drängen." Fassungslos sind IG Metall und der Betriebsratschef darüber, dass die fristlose Kündigungen offenbar genau zu dem Zeitpunkt ausgesprochen wurden, an dem die Berichte der Detektei an das Rauschgiftdezernat in Göppingen übergeben wurden. "Dadurch werden unsere Kollegen zu Kriminellen abgestempelt", ärgert sich Gmoser. Wie aus dem der IG Metall vorliegenden Anhörungsschreiben zweifelsfrei hervorgehe, bestehe kein erkennbarer Zusammenhang zwischen den von Plattenhardt gegen den Betriebsrat erhobenen Vorwürfen und den angeblichen Rauschgiftdelikten von Beschäftigten. Nach Informationen der NWZ soll es bei den Kündigungsgründen um eine angebliche Gewaltandrohung gegenüber dem Chef gehen.
Nach den Betriebsratswahlen im März stand Savas erneut an der Spitze des Betriebsratsgremiums bei Plattenhardt, das er seit 2006 anführt. "Das war der Geschäftsführung von Anfang an ein Dorn im Auge", meint dazu Gmoser. "Lag doch wohl die Hoffnung nahe, mit anderen Verantwortlichen an der Spitze in Sachen Sonntagsarbeit und Leiharbeit schneller zu Potte zu kommen", vermutet die Gewerkschafterin. Bereits am Dienstag wurde den beiden Betriebsräten mit sofortiger Wirkung Hausverbot erteilt. Betriebsratsarbeit können sie laut IG Metall vorerst trotzdem wahrnehmen. Der Betriebsrat habe den Kündigungen mehrheitlich nicht zugestimmt.
NACHTRAG der Redaktion:
Die Schweizer Group Plattenhardt KG hat uns darauf hingewiesen, dass sie inzwischen eine einstweilige Verfügung gegen die IG Metall erwirkt hat. Die IG Metall darf ihre Vorwürfe zu den angeblichen Bespitzelungsaktionen der Geschäftsleitung nicht mehr aufrechterhalten.
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Autor: JOA SCHMID | 14.04.2011
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Im Oktober 2008 gingen Mitarbeiter der Hattenhofer Firma Plattenhardt für die Einführung eines Tarifvertrages auf die Straße. Den Streiks folgten Aussperrungen durch die Firmenleitung. Foto: Archiv
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