Berglauf bald ohne Gipfel?

Der Barbarossa-Berglauf und der Alb-Marathon führen über den Hohenstaufen. Für Letzteren gab es trotz Bedenken noch einmal eine Genehmigung. Das Forstamt will nun die Nutzung des Berges überdenken.

CHRISTINE BÖHM |

Die Herausforderung beim Barbarossa-Berglauf, der in diesem Jahr zum ersten Mal stattfand, ist klar zu erkennen: Der Hausberg der Göppinger sollte von den Sportlern bei einem Halbmarathon bezwungen werden. Doch was viele Ambitionierte als neue Veranstaltung im Kalender vermerkt haben, macht einer Kreisbehörde Sorgen. Das Göppinger Forstamt bewertet die "Wege als nur mäßig geeignet" für eine Großveranstaltung, bei der etwa tausend Läufer zum Gipfel stürmen. "Der Wald und die Wege sollten den Erholungssuchenden vorbehalten sein", meint Martin Geisel, der Leiter des Forstamts.

Die Behörde ist Eigentümer des Waldes und der Wege, sie muss daher eine Genehmigung für den Lauf erteilen. Für den 21. Alb-Marathon, der morgen stattfindet und über die drei Kaiserberge führt, hat das Forstamt noch einmal ein Auge zugedrückt. Dem Organisator Erich Wenzel wurde jedoch gesagt, dass die Strecke über den Gipfel in Zukunft nicht mehr genehmigt werde.

"Wir verstehen das nicht. Einerseits soll der Tourismus im Kreis gefördert werden und gleichzeitig verbietet man den Lauf", sagt der 66-Jährige, der den Marathon seit 20 Jahren organisiert und morgen selbst an den Start gehen wird. Für ihn gibt es keine alternative Route, denn "gerade die Aussicht ist das interessante". Sportler aus ganz Deutschland und auch Nachbarländern meldeten sich jedes Jahr erneut für den Marathon, der sich als "Landschaftslauf" über drei Gipfel etabliert habe. Im sozialen Netzwerk "Facebook" machen die Fans des Alb-Marathons schon jetzt ihrem Frust Luft.

Der Leiter des Forstamts fordert jedoch zur Einsicht auf. Die Veranstalter seien darauf hingewiesen worden, sich Gedanken zu machen. "Mit dem derzeit laufenden Umbau auf dem Hohenstaufen ergeben sich maßgebliche Veränderungen." Was die Großveranstaltungen - damit meint er die beiden Läufe - angehe, habe man auch schon in den vergangenen Jahren Bedenken gehabt: "Diesen wurde nicht immer Rechnung getragen." Das soll sich nun ändern. Zum Anfang des kommenden Jahres wollen sich Vertreter der Genehmigungsbehörde, der Göppinger Stadtverwaltung und der Einrichtung "Schlösser und Gärten", die den Hohenstaufen vermarktet, zusammen setzen und erarbeiten, wie der Berg künftig genutzt werden soll.

Dass das etwas spät ist, weil eine Sportveranstaltung dieser Größe weit im Voraus geplant werden muss, findet der Geschäftsführer der NWZ-Medienagentur Staufen Plus, Mario Bayer. Er organisiert den Berglauf und ist von den erneuten Einwänden der Forstbehörde überrascht. "Wir konnten schon beim ersten Lauf keine sachlichen Gründe feststellen, die gegen die Veranstaltung gesprochen hätten", sagt Bayer. Von Wald- und Artenschutz sei nicht die Rede gewesen. "Damit sind wir wieder bei Null angekommen." Die Genehmigung für den zweiten Lauf will der Veranstalter noch in diesem Jahr beantragen.

Susanne Leinberger, die persönliche Referentin des Landrats, erklärt, dass die Genehmigung für den Barbarossa-Berglauf 2011 zu spät beantragt worden sei, um alle Bedenken vollständig aus dem Weg zu räumen. Zudem habe die Veranstaltung am Muttertag stattgefunden, deswegen seien die Bedenken größer gewesen. "Für Großveranstaltungen muss nach dem Landeswaldgesetz eine Genehmigung bei der unteren Forstbehörde eingeholt werden", erklärt sie. An einem solchen Tag seien im Wald schließlich mehr Menschen unterwegs.

Auch Leinberger weist darauf hin, dass der Umbau der Gaststätte weitere Besucher auf den Berg ziehe. Daher müsse man sich mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen und den Ablauf für das kommende Jahr planen. Leinberger kann jedoch nicht bestätigen, dass der Lauf mit dieser Streckenführung im kommenden Jahr akut in Gefahr ist. Die Referentin ist sich sicher, dass der Landrat der "attraktiven Veranstaltung keine Steine in den Weg legen" werde.

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