Barriquefässer und Geigen

Kreis Göppingen.  Mehr als 400 000 Euro brachte die Submission im ehemaligen Bundeswehrdepot bei Oberberken ein. Die Forstbehörden aus Göppingen, Esslingen und dem Rems-Murr-Kreis sind mit dem Ergebnis zufrieden.

Knapp 1400 Festmeter Holz wechselten vor kurzem bei der Submission im ehemaligen Bundeswehrdepot bei Oberberken den Besitzer. 21 Baumarten kamen unter den Hammer, darunter Laubhölzer wie die Eiche oder der Bergahorn und Nadelhölzer wie die Douglasie, die Fichte und die Lärche. Das Holz, das aus Staats-, Kommunal- und Privatwäldern kommt, stammt aus den Kreisen Göppingen, Esslingen und Rems-Murr.

"Die Submission ist keine Versteigerung wie man sie üblich kennt", erklärt Martin Geisel, Leiter des Forstamts Göppingen, "sondern ein so genannter Meistgebotsverkauf. Die Interessenten bieten mit verdeckten Angeboten, sodass die Konkurrenz nichts über das Angebot des anderen weiß." Anschließend landen die Angebote im Göppinger Forstamt, wo entschieden wird, wer den Zuschlag erhält.

Insgesamt 52 Bieter aus Deutschland, Frankreich und Österreich beteiligten sich in diesem Jahr an der Submission, 2009 waren es 46, erklärt Holzverkäufer Andreas Kopp vom Forstamt. In den vergangenen Wochen hatten die Interessenten mehrere Male die Gelegenheit, die mächtigen Stämme in Augenschein zu nehmen, die auf dem Gelände sauber nebeneinander gereiht auf ihre Käufer warteten.

Bei der Submission werden in erster Linie hochwertige Hölzer verkauft. "Insgesamt setzen wir im Kreis Göppingen jährlich rund 100 000 Festmeter um. Bei der Submission waren es aus unserem Bereich rund 350 Festmeter. Hier werden nur unsere Sahnehäubchen angeboten", sagt Geisel lächelnd.

Zu den größten Bietern zählen Furnierwerke, die das Holz aus den heimischen Wäldern in alle Welt transportieren. Die teuersten Stämme werden unter anderem für Hotels und exklusive Yachten verwendet, verrät Geisel. "Dort werden zum Beispiel Eiche und Bergahorn eingesetzt", sagt er. "Das Holz muss fehlerfrei sein."

Zu den besonderen Kunden zählen französische Bieter, die Eichenstämme für die Herstellung ihrer Barriquefässer ersteigern - jene Eichenfässer, in denen Wein gelagert wird. Auch ein Geigenbaumeister aus Ulm interessierte sich für zwei Bergahornstämme, von denen er einen meistbietend ergattern konnte. "Im vergangenen Jahr war auch ein Engländer da, der ersteigerte eine Eibe, um daraus Pfeil und Bogen wie bei Robin Hood herzustellen", erzählt Geisel. Im vergangenen Jahr gab es bei der Holznachfrage einen kleinen Einbruch, daher habe man sich beim Angebot in diesem Jahr etwas zurückgehalten: Statt 1660 Festmeter wurden nur 1400 zur Versteigerung freigegeben. "Weil die Nachfrage nach Holz gestiegen ist, haben wir dieses Mal gute Preissteigerungen erzielt", freut sich Geisel. Der Göppinger Forstamtschef blickt zufrieden drein: Alles wurde verkauft.

Für eine hochwertige Eiche bezahlten die Käufer bis zu 1300 Euro pro Festmeter. Ein Bergahorn wechselte für 3300 Euro pro Festmeter den Besitzer. Dabei prüfen die Kunden intensiv jeden Stamm, bevor sie ihr Angebot abgeben. "Manchmal begutachtet ein Käufer einen Stamm eine Viertelstunde lang", erzählt Kopp. Und wenn dann noch der Preis stimmt, freuen sich Geisel, Kopp und Co. umso mehr.


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Autor: WOLFGANG KARCZEWSKI | 19.03.2010

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