Auch nach 500 Jahren ist Luther noch aktuell

Dass Martin Luther uns heute noch etwas zu sagen hat, zeigt der Göppinger Schauspieler Till Florian Beyerbach in "Play Luther". Jetzt war Premiere.

OLAF HINRICHSEN |

Zwei Männer, die Schauspieler Lukas Ullrich aus Stuttgart und Till Florian Beyerbach, unterhalten sich über die Kirche(n). Ist die evangelische Kirche aktuell katholischer als der Papst? Was ist von der Reformation übrig geblieben? Flugs schlüpfen die beiden in die Person Martin Luther und laden ihr Publikum ein zu einer Reise durch Leben und Wirken des Reformators.

Ausdrucksstark verleihen Beyerbach und Ullrich ihrem Martin Luder/Luther vielfältige Züge. Das Bühnenbild, aus vielen einzelnen Holzdreiecken zusammengesteckt, wächst während der Aufführung zur geodätischen Kuppel. Die Dreiecke symbolisieren nicht nur die Dreifaltigkeit, sondern dienen je nach Szene als Versteck, als Beichtstuhl oder einfach als Rahmen für den Sprecher. Ganz nebenbei, mit wenigen Requisiten, begeben sich Ullrich und Beyerbach in die Rollen des Vaters, des Beichtvaters, des Bauernführers und der Ehefrau Katharina von Bora. Denn auch die, aus heutiger Sicht, dunklen Seiten im Leben und Wirken Luthers werden nicht verschwiegen: seine Ablehnung des Bauernkrieges und seine Unterstützung für die Herrschenden sowie seine Vernichtungsaufrufe gegen die Juden.

Das Stück würdigt auch Martin Luther als Begründer der deutschen Kirchenmusik. Seine Texte, von "Ein feste Burg" über "Aus tiefer Not" bis "Vom Himmel hoch", werden mit E-Piano und Schlagzeug begleitet, mal rockig, mal als Rap, mal volkstümlich. Musikalisch bringen Beyerbach (Schlagzeug, Gesang) und Ullrich (E-Piano, Gesang) Luthers Lieder zeitgemäß rüber: Der geistliche Text-Inhalt bleibt gleich, auch wenn die musikalische Verpackung sich, Luthers Auffassung nach stetiger Weiterentwicklung folgend, der Zeit anpasst. Und damit wird deutlich: Luther ist auch nach 500 Jahren noch hoch aktuell.

Nach neunzig pausenlosen Minuten gibt es Stoff für vielfältige Diskussion rund um Reformation, Kirche(n) und Religion. Beyerbach und Ullrich spielen das Stück daher nicht nur für Erwachsene, sondern bieten es auch für Schulen an.

Nach der erfolgreichen Premiere am Samstag wird das Zwei-Personen-Stück beim Württembergischen Kunstverein am Stuttgarter Schlossplatz aufgeführt. Und nachdem sowohl Pfarrer Andreas Weidle als auch Göppingens Kulturreferent Wolfram Hosch das Stück bei der Premiere erlebt haben, bleibt zu hoffen, dass es auch in der Hohenstaufenstadt, dem Wohnort Beyerbachs, zu sehen sein wird. Die Luther-Dekade läuft bekanntlich bis zum Jubiläumsjahr 2017.

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