Asylbewerberheim: Der Platz bleibt knapp
Die Flüchtlingswelle hält an - und damit die Schwierigkeit für den Landkreis, die Menschen unterzubringen. Die Unterkünfte im Filstal sind überbelegt, allein im Herbst kamen 110 neue Asylbewerber.
Autor: SUSANN SCHÖNFELDER |Fast täglich gibt es Nachrichten von neuer Gewalt in Syrien. Nach schweren Kämpfen und Massakern wird der Flüchtlingsstrom aus dem gebeutelten arabischen Staat immer größer. Auch nach Deutschland retten sich viele Menschen. Syrien gehört neben Serbien und Afghanistan zu den Hauptherkunftsländern, aus denen Asylbewerber in die Bundesrepublik und somit auch ins Filstal kommen.
Der Landkreis muss den Zustrom bewältigen, die Gemeinschaftsunterkünfte in Göppingen und Eislingen sind randvoll - obwohl erst im Oktober vergangenen Jahres der Erweiterungsbau mit 100 zusätzlichen Plätzen in der Göppinger Pappelallee bezogen wurde. "Wir sind überall überbelegt", fasst Petra Bartsch, Leiterin des Aufnahme- und Eingliederungsamts im Landratsamt, zusammen. Insgesamt leben derzeit 258 Flüchtlinge auf engstem Raum im Kreis, eigentlich gebe es nur Kapazitäten für 229 Asylbewerber, verdeutlicht Bartsch die prekäre Situation. Allein im Oktober und November 2012 habe der Landkreis 110 Zugänge unterbringen müssen. Mindestens 35 Flüchtlinge, die im Filstal aufgenommen werden müssten, befinden sich in der Warteschleife. "Vermutlich sind es wesentlich mehr", befürchtet Petra Bartsch. "Wir haben derzeit keine aktuellen Zahlen, da das Bundesamt für Migration mit der Aufnahme kaum nachkommt."
Das Landratsamt behilft sich kurzfristig mit Notlösungen: Der Mietvertrag für die kleine Wohneinheit in der Göppinger Kanalstraße, die eigentlich zum Jahresende geschlossen werden sollte, wird Monat für Monat verlängert. Die Erweiterung der Gemeinschaftsunterkunft in Eislingen soll dem Landkreis ebenfalls etwas Luft verschaffen. Froh ist Petra Bartsch auch, dass sich die Stadt Ebersbach bereit erklärt habe, ihre Obdachlosenunterkünfte in der Daimlerstraße für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen (der Gemeinderat entscheidet heute). "Das war die dritte Kommune, die ein konkretes Angebot unterbreitet hat", sagt die Amtsleiterin. Die Suche nach geeigneten Objekten entpuppte sich für das Landratsamt als leidige Angelegenheit: Viele Gemeinden hätten sich mit der Vorstellung, Unterkünfte für Flüchtlinge vorzuhalten, schwer getan, hatte Hans-Peter Gramlich, Sozialdezernent des Landkreises, häufig beklagt. Vage Verhandlungen lösten sich immer wieder in nichts auf, die Bürgermeister zeigten dem Landkreis die kalte Schulter.
Petra Bartsch macht kein Hehl daraus, dass das Problem nicht nur vorhanden ist, sondern sich die Situation noch verschärfen werde: "Die Krisenherde auf der Welt nehmen ja eher zu." Weitere Schwierigkeit: Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) hatte im Sommer ihre Pläne zur Reform des Aufnahmegesetzes vorgelegt. Unter anderem soll demnach die Quadratmeterzahl je Asylbewerber von derzeit 4,5 auf 7 erhöht werden. "Dann haben wir ein echtes Problem, denn dann brauche ich noch mehr Unterkünfte", unterstreicht die Amtsleiterin. Die Fläche, die einem Flüchtling zugestanden werden muss, soll sich in diesem Jahr auf 5,5 Quadratmeter erhöhen und dann sukzessive steigen, erklärt Bartsch. Fazit: Weitere Städte werden nicht umhin kommen, Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. "In Göppingen ist die Grenze erreicht. Es gibt ja noch andere große Kommunen", macht die Leiterin des Eingliederungsamts unmissverständlich deutlich.
Nachrichten über randvolle Gemeinschaftsunterkünfte gehörten eigentlich der Vergangenheit an. Anfang der 90er Jahre waren Asylbewerber, Über- und Spätaussiedler nach Deutschland geströmt, der Landkreis musste in dieser Spitzenzeit rund 2200 Menschen unterbringen - hin und wieder auch in Behelfsräumen wie Turnhallen oder Gasthäusern. Danach ebbte der Flüchtlingsstrom kontinuierlich ab - ausgenommen die Zeit des Kosovo-Krieges. Immer weniger Ausländer stellten einen Antrag auf Asyl. Der Landkreis trug diesem Trend Rechnung und reduzierte seine Kapazitäten auf rund 180 Plätze, um nicht unnötig Geld auszugeben. Nun muss das Landratsamt wieder aufrüsten - und ein Ende ist derzeit nicht in Sicht.




