Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Tschüss Deutschland, hallo Türkei: Fenja Nowotny hat Gäste des Reiseveranstalters Robinson Club mit Show und Tanz unterhalten. Für sie war dies ein Sprung vom Vorlesungssaal zur Arbeit im Urlaubsparadies.

MELISSA SEITZ |

"Ich hatte mein Studium beendet und wusste noch nicht genau, wo es mich hin verschlägt", sagt Fenja Nowotny. Ihren Bachelor in Dienstleistungsmarketing hatte sie bald in der Tasche, doch was nun? "Ich bin eher der praktische Typ", sagt die 24-Jährige, "weiterstudieren wollte ich nicht." Als ob das Schicksal es wollte, sah sie eine Anzeige des Robinson Clubs auf Facebook. "Ich hatte davon schon gehört und ich dachte mir: Das probiere ich!" Zudem gehört Sport und speziell Tanzen zu Fenjas Leidenschaften, und in diesem Bereich im Robinson Club zu arbeiten, sah sie als große Chance. Die Bewerbung als Animateur wurde verschickt, und im Februar folgte das Casting. Der Bereich Sport und Entertainment sollte es sein.

"Das Casting in Stuttgart war ziemlich amüsant", sagt Fenja. Der Zufall wollte es, dass sie unter 80 Teilnehmern ein Mädchen sah, das sie von einem Trainingslager vor neun Jahren kannte. Bühne frei: Zusammen mit ihrer Kollegin überzeugte Fenja alle, und die Jury war von ihrer Akrobatik- und Tanzeinlage sehr angetan.

Nach ein paar Wochen flatterte dann die Anfrage eines Robinson Clubs in der Türkei ins Haus. "Die wollen mich? Na gut, dann geht es für mich eben in die Türkei", dachte sich die 24-Jährige. Innerhalb von vier Wochen mussten alle Papiere für sieben Monate Türkei ausgefüllt, bearbeitet und abgeschickt werden. Ende März hieß es dann endlich: tschüss Deutschland und hallo Türkei. "Ich wurde mit meinen 50 Kilo Gepäck an einem Hotel abgesetzt, dass noch völlig in den Renovierungsarbeiten war", erzählt die junge Frau mit einem Grinsen, "Ich dachte nur, wo bin ich denn hier gelandet." Sie stellte fest, dass "Abwarten und Tee trinken" zu eines der Lebensmottos der Türken ist. Noch vor dem Tag der Eröffnung waren die Mitarbeiter am Werkeln. "Überall sah man Putzfrauen und Gärtner herumwuseln. Dass das Hotel rechtzeitig fertig wird, damit hätte ich nie gerechnet."

Die Saison startete sowie auch die Arbeit für Fenja und all die anderen Animateure. Der Tag begann stets um 9.30 Uhr und endete um Mitternacht. In den Mittagspausen wurde für die abendlichen Shows geprobt. "Es war anstrengend, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt", meint Fenja. Von Elvis, Mamma Mia und Sister Act - für jeden war etwas dabei. "Die Shows haben immer unglaublich viel Spaß gemacht. Wir hatten eigene Showtrainer und durften im hoteleigenen Amphitheater performen." Auf Perfektion wurde im Robinson Club geachtet: eigene Requisite, minutenlanges Schminken und Generalproben in der Hitze. Egal wie voll das Tagesprogramm war, für Proben musste Zeit sein. Auch wenn Fenja mit einem freien Tag in der Woche und zwei Tagen Urlaub im Monat nicht allzu viel Zeit hatte das Land zu erkunden, mietete sie sich oft ein Auto, um an der Küste entlangzufahren oder eine kleine Shoppingtour zu machen. "Manchmal blieben wir auch einfach im Club."

Höchstes Gebot im Club: immer freundlich sein und nie eine Schnute ziehen. "Die Gäste wollen in den Robinson Clubs einfach mal entspannen und Zeit für sich nehmen", erklärt Fenja. Das bedeutete für alle, den Gästen den Urlaub so gemütlich, wie nur möglich zu gestalten. "Man setzte sich zu ihnen an den Tisch und unterhielt sie, und für den Mittag verabredete man sich für verschiedene Aktivitäten." Wer glaubt, hier sollte man perfekt englisch sprechen, der täuscht sich. "Die Gäste kommen hauptsächlich aus der Schweiz. Österreich und natürlich Deutschland."

Ob sie wieder als Animateurin arbeiten würde, da ist sich Fenja nicht sicher. "Du lernst, die Menschen glücklich zu machen und über Dinge hinwegzusehen, die dich nerven", sagt die 24-Jährige. "Aber du bist wie in einer Glaskugel gefangen, in einer heilen Welt ohne Probleme."

Mit ihrer "Animateur-Familie" hält Fenja auch noch weiterhin Kontakt. Sie weiß nun genau, dass sie einen Job mit viel Menschenkontakt möchte, und diesen hofft sie in der Sportmarketing- oder Onlinemarketing-Branche zu finden.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Mainz feiert Karneval im Mai

Karneval in Mainz - diesmal nicht im Februar sondern im Mai.

Die Mainzer lassen sich das Feiern nicht nehmen. Mit 77 Zugnummern und 2222 Teilnehmern holen sie am Muttertag die Fastnacht nach. Doch nicht alle sind damit einverstanden. mehr

YouTube-Star Moritz Garth ...

Justin Bieber war der erste, der noch nicht ganz so bekannte Moritz Garth will ihm folgen. Musiker, die auf der Onlineplattform Youtube Erfolge feiern, wagen sich auch in die richtigen Charts vor. mehr

Schells Witwe ist schwanger

Iva Schell erwartet ihr erstes Kind.

Die Witwe des vor zwei Jahren gestorbenen Schauspielers Maximilian Schell, die Operettensängerin Iva Schell (37), erwartet ihr erstes Kind. mehr