Perlend sprudelnde Improvisationen

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Im Auftakt-Konzert des Geislinger Kulturvereins waren Aleksandra und Alexander Grychtolik (Cembali) zu Gast.  Foto: 

Das Auftaktkonzert zur neuen Spielzeit des Geislinger Kulturvereins bestritt am Donnerstagabend im Kommunikationszentrum der WMF das Cembalo-Duo Aleksandra und Ale­xander Grychtolik. Das Programm bestand aus Werken des Barock und aus eigenen Kompositionen beziehungsweise Improvisationen der beiden Künstler, welche stilistisch diesem Umfeld angepasst waren. Wer bei dieser Ankündigung indessen befürchtet haben mochte, alte Musik auf alten Instrumenten passe nicht mehr in die heutige Zeit und könne wie kalter Kaffee wirken, sah sich auf angenehme Weise eines Besseren belehrt.

Die Darbietungen waren von stupender Klarheit und bezwingender Überzeugungskraft. Das wurde ermöglicht durch fraglos untadelige Spieltechnik, perfekte Übereinstimmung im Duo-Spiel und das mühelos wirkende, stilsichere Improvisieren. Durch Registerzüge, die zwei Manuale und deren gelegentliche Kopplung wurden zudem die Möglichkeiten zur Klanggestaltung des Cembalos zur Differenzierung genutzt.

Aleksandra und Alexander Grychtolik begannen mit der Improvisation einer Chaconne nach Antonio Bertali. Eine ständig repetierte siebentönige Basslinie und lebhafte Melodiebewegungen vermittelten zugleich Ruhe und Virtuosität, womit das Stück einen stimmigen Ausblick gab auf die weiteren Vorträge.

Dazu gehörten Meditationen über vier Choräle, zwei von Johann Sebastian Bach im 3. Teil seiner Clavierübung als kleine Fugen notierte (BWV 677 und 681) sowie zwei von Alexander Grychtolik improvisierte. Im Bach‘schen Konzert für zwei Cembali in C-Dur BWV 1061a standen sich deutlich hörbar ein solistisch agierendes und ein begleitendes Instrument gegenüber. Durch gelegentlich eingestreute Verzögerungen vermittelten die Spieler den Eindruck des Atmens und vermieden damit das Risiko allzu großer Gleichförmigkeit. Beim mit Ruhe und Eleganz gespielten Adagio und der Fuge mit ihrem spielerischen Duktus war diese Gefahr freilich ohnehin nicht gegeben.

Bernardo Pasquinis „Sonate für 2 bezifferte Bässe“ in d-Moll forderte zwangsläufig zum Improvisieren auf, weil - wie der Titel es ausweist - die Melodie nicht notiert ist. Auch diese Gelegenheit, sich schöpferisch einzubringen, nutzten die Interpreten mit großer Spielfreude. Aleksandra Grychtolik wiederum gab dem galanten Stil des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel die Ehre mit dessen „Fantasia fis-Moll“. Unbeirrt manövrierte sie sich durch die anspruchsvolle Partitur, meisterte die vertracktesten Stellen und streute bei Themenwechseln wohltuende Zäsuren ein.

Ihr Partner (und Ehemann) setzte die Thematik fort mit der Improvisation einer mehrteiligen Partita, die stilistisch wieder zurückverwies auf den Vater Johann Sebastian Bach. Und mit einem Concerto-Pasticcio ging das Programm zu Ende. Das Duo hatte dazu ein Ritornell im alten Stil geschrieben, das als wiederkehrender Ruhepunkt zwischen im Wechsel vorgetragenen, perlend sprudelnden Improvisationen diente. Und mit einer Zugabe beendeten die sympathischen Künstler ihr - man kann wohl sagen beglückendes - Konzert.

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