Neues Salzlager in Geislingen fasst 1600 Tonnen Salz für Winterdienst

|

Die große Schaufel beißt sich in den Salzberg, der bis zur Decke reicht. Christoph Holz hebt die Schaufel an und lenkt den Radlader aus der Salzlagerhalle in Geislingen zum Räumfahrzeug. Der Mitarbeiter der Straßenmeisterei in Geislingen lässt das Salz in den Behälter auf der Ladefläche fallen. Die Sole, die das Streugut auch unter minus 10 Grad Celsius wirken lässt, hat er bereits über einen Schlauch aufgetankt. „Das muss morgens schnell gehen“, sagt Holz, der in dieser Woche Frühschicht hat und um 3.30 Uhr auf Kontrollfahrt geht. Mit dem Fahrzeug räumt und streut der 27-Jährige dann auf der Tour ab Böhmenkirch über die Weißensteiner Steige bis nach Winzingen und wieder zurück.

Vor einer Woche haben sich die Räumfahrzeuge zum ersten Mal am Salzvorrat in der neuen Lagerhalle der Geislinger Straßenmeisterei bedient, die 1600 Tonnen Salz fasst. „Ein Drittel ist schon wieder verbraucht“, sagt Markus Rau. Kein Grund zur Unruhe: „Die Kapazität hat sich verdoppelt“, sagt der stellvertretende Straßenmeister in Geislingen. In die alte Lagerhalle passen nur 800 Tonnen Salz. Ist die rechte Seite im neuen Lager entladen, werden wieder mehrere Hundert Tonnen aus dem Bergwerk in Heilbronn bestellt.

„Hauptsache, es ist Salz da“, betont Rau. Mit dem neuen Lager habe die Straßenmeisterei keine Bedenken mehr, dass das Streugut nicht ausreicht. Gerade, wenn es an Feiertagen oder Wochenenden geschneit hat, sei die Sorge groß gewesen.

Damit das Streugut der Straßenmeisterei dort landet, wo es hin soll – auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Raum Geislingen – sind 15 Fahrzeuge im Einsatz, die teilweise von Fremd-
unternehmen gestellt werden. „Der Schichtbetrieb läuft früh und spät“, berichtet Rau. Wenn es schneit oder regnet oder Niederschlag vorhergesagt ist, plant die Straßenmeisterei eine zusätzliche Schicht ein. Das bedeutet, dass Räumfahrzeuge am Abend erneut auf Kontrollfahrt gehen und im Fall von Schnee oder Glätte ihren Dienst leisten.

Bürger kritisieren Räumdienst

Dass manche Bürger in Geislingen und Umgebung sich – zum Beispiel auf der Facebookseite der GEISLINGER ZEITUNG – über ungeräumte Straßen beschweren, lässt Rau nicht unkommentiert: „Wir können nicht überall gleichzeitig sein.“ Jeder Lkw ist für einen bestimmten Bezirk zuständig. Nach der ersten Kontrollfahrt am Morgen ist das Räumfahrzeug rund drei Stunden allein mit Streuen beschäftigt. Wenn die Straßen zudem noch geräumt werden müssen, wird die Route doppelt gefahren. „Bis der Fahrer ins letzte Ecke seines Bezirks kommt, kann das dauern“, sagt Rau. Der Räumdienst müsse besonders vorsichtig fahren: „Wir sind immer die Ersten auf der Straße, das darf man nicht vergessen.“ Hinzu kommt, dass sich das Wetter von Ort zu Ort unterscheidet: „Es kann sein, dass es in Geislingen nur regnet und auf der Alb hat’s fünf Zentimeter Schnee.“

Den Räumdienst koordinieren muss auch Traugott Osswald. Der Leiter des Geislinger Bauhofs schickt Räumfahrzeuge auf die innerörtlichen Straßen in der Kernstadt und in den Stadtbezirken und zuerst dorthin, wo es im Winter besonders gefährlich werden könnte: auf den Steigstraßen und viel befahrenen Straßen. „Die B 10 hat Dringlichkeitsstufe eins“, erklärt Osswald, „das heißt, sie wird gut bedient“. Auch die Überkinger Straße, die Wiesensteiger und Heidenheimer Straße, Bahnhof- und Karlstraße, die äußere Hauptstraße sowie die Zufahrt zum Krankenhaus stehen für den Bauhof ganz oben auf der Winterdienst-Liste.

Da es in der vergangenen Woche nicht plötzlich, sondern eher kontinuierlich geschneit hat, sind die Räumfahrzeuge in und um Geislingen gut durch den Verkehr gekommen: „Alles läuft nach Plan“, sagt Rau. Auch der Bauhof hatte laut Osswald bislang keine Probleme mit dem Winterdienst.

„Jetzt nutzen wir das milde Wetter für den Feinschliff“, erzählt der Bauhofleiter. Verbindungsstraßen wie von Türkheim nach Oppingen, von Stötten Richtung Kuchalb oder die Straße nach Berneck waren zuletzt an der Reihe. „Dazu kamen wir nicht, als es schneite“, erklärt Osswald. Solche Straßen, auf denen wenige Autos fahren, seien deshalb zeitweise gesperrt. Auch Schneereste auf dem Gehweg, am Straßenrand und auf öffentlichen Plätzen beseitigt der Räumdienst, wenn Frau Holle gerade Pause macht. Außerdem werden die Geräte und Fahrzeuge geputzt, damit das Salz nicht eintrocknet – das hat sich auch Christoph Holz von der Straßenmeisterei vorgenommen, wenn er mit der Tour fertig ist.

Glosse: Ernstes Wort mit Frau Holle

Es war einmal ein Sonnenbrand, ein volles Schwimmbecken, ein Eisbecher. Die weisen Wetterfrösche in Stötten meisterten olympia-reife Hochsprünge und beim Hock blieb auch der letzte Besucher im T-Shirt vor seinem Zaubertrank sitzen.

Und plötzlich geschah im Januar etwas völlig Unerwartetes: Eine einzige Herrscherin nahm die ganze Märchenwelt für sich ein. Federn, Daunen, Wolle – alles, was weiß und rutschig ist, ließ sie gnadenlos auf die Erde fallen. Sie schüttelte und schüttelte bei Tag und auch bei Nacht. Eine Stieftochter allein konnte kaum ihr einziger Helfer gewesen sein.

In Geislingen warb selbst die WMF mit großen Plakaten an der B 10: „Kommen Sie rutschfest durch den Winter!“ Schuh-Spikes und Ketten für die Reifen sucht man im Outlet jedoch vergeblich. Kein Wunder, die Polizei meldet einen Unfall nach dem anderen – gerade im Landkreis Göppingen, der Gefahrenzone Nummer eins mit 16 Unfällen wegen Eis und Schnee.

Besonders als Autofahrer mit Sommerreifen ist man ganz auf sich allein gestellt. Mitten auf den Straßen muss man sich kreuz und quer stellen, an allen vier Ecken blinken und sich manchmal sogar auf’s Dach legen, damit einem regelrechte Winter-Hypochonder mit Reifen-Profilneurose überhaupt Aufmerksamkeit spenden.

Und wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen, lehrt einen der Blick durch die beschlagene Windschutzscheibe anderes: Ein Räumfahrzeug streckt einem mitten auf der B 10 durch Geislingen sein ausladendes Hinterteil in Orange entgegen. Es schleppt sich über die Fahrbahn und lässt auch noch Brösel fallen. Nach dem Ortsausgang heißt es dann auf jeden Fall: Nichts wie überholen – möge nur die Schneedecke die Fahrt stoppen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute – Schuld ist in jedem Fall der Winterdienst.

Winterdienst Für den Winterdienst auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Raum Geislingen sind die Straßenmeistereien der Landkreise Esslingen und Göppingen zuständig. Der Bauhof in Geislingen übernimmt innerörtliche Straßen, in der Kernstadt und den Stadtbezirken.

Streugut Die neue Lagerhalle der Straßenmeisterei in Geislingen versorgt die Räumfahrzeuge, die außerorts fahren, mit Salz. Neben der mit Plexiglas verkleideten Holzkonstruktion steht ein Soletank mit Kaliumchlorid-Lösung bereit. Unter dem Gemisch aus 30 Prozent Lauge und 70 Prozent Salz löst sich auch bei unter minus 10 Grad Celcius Glatteis auf.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo