Lob und Häme für Dehmer

Kein Krawall, dafür friedlicher Protest gegen Rechts: Mit dem Verlauf des Donnerstagabends ist die Geislinger Stadtverwaltung zufrieden. Daran ändert auch der Auftritt des AfD-Politikers Björn Höcke nichts. Mit Bildergalerie.

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Lange blieb es spannend am Donnerstag: Würde Björn Höcke (AfD) vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart Eilantrag gegen das Hausverbot der Geislinger Stadtverwaltung stellen, damit er doch noch auf der Wahlkampfveranstaltung seiner Partei sprechen konnte? Wie würde sich der Rechtsstreit auf die zeitgleich stattfindenden Veranstaltungen der AfD und der Grünen in der Altstadt auswirken?

Dass Höcke eine Stunde vor der AfD-Versammlung im Kapellmühlsaal Recht bekam, das hatten Oberbürgermeister Frank Dehmer und Ordnungsamtsleiter Philipp Theiner bereits befürchtet – viele Geislinger hatten wohl schon damit gerechnet. Er bedauere die Entscheidung des Gerichts, aber das Signal sei trotz des Misserfolgs wichtig gewesen, sagt Dehmer. Theiner ergänzt: „Wir haben ein Zeichen gesetzt: Für Ausländerfeindlichkeit haben wir in Geislingen nichts übrig.“

Während viele der rund 200 Teilnehmer der Demo gegen die AfD Dehmer Respekt für sein Handeln aussprachen und ihn – wie etwa die Theologin Yasna Crüsemann – mutig nannten, reagierten Politiker der AfD mit Unverständnis und Häme. Heinrich Fiechtner, der Landtagskandidat für den Wahlkreis Göppingen, schrieb bereits am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite: „Interessantes Demokratieverständnis hat Herr Dehmer da.“ Am Rande der Demo warf Fiechtner dem OB vor, mit dem Hausverbot einen Keil zwischen die Bevölkerung treiben zu wollen. Dehmer müsse sich fragen, ob er im Geislinger Rathaus am richtigen Platz sei. Auf das von Beobachtern als sehr emotional empfundene Auftreten Fiechtners reagierte Dehmer gelassen: „Ich habe ihm gesagt, dass er diese Meinung gerne haben darf.“

Bei der Wahlkampfveranstaltung der rechtspopulistischen Partei wurde der OB später von Teilnehmern ausgebuht und als Anti-Demokrat beschimpft. „Ist er ein Anti-Demokrat oder ein Opfer der Bildungskatastrophe in diesem Land?“, fragte Björn Höcke süffisant.

Antidemokratisch empfunden haben dürfte derweil Julian Beier, wie die AfD ihn behandelte: Fiechtner verkündete bei der Parteiveranstaltung, dass man den Kandidaten der Piraten-Partei, die die Demo vor dem Sonne-Center initiiert hatte, gerne hätte sprechen lassen wollen. Leider sei der junge Mann nun nicht anwesend, teilte Fiechtner mit, was das Publikum mit Lachern und Klatschen quittierte. Fiechtner verschwieg in diesem Zusammenhang aber, dass Julian Beier gar keine Chance hatte, vor der AfD zu sprechen. Zu einem Statement sei es nicht gekommen, „weil mir der Zutritt zur Veranstaltung verwehrt wurde“, schreibt der Pirat in einer Pressemitteilung.

AfD-Kandidat Fiechtner kommentiert die „Lügenpresse“

Reaktion AfD-Landtagskandidat Heinrich Fiechtner schrieb am Freitag auf seiner Facebook-Seite in einem mit „Die Lügenpresse!“ überschriebenen Beitrag über das große Medienaufgebot von der Lokalpresse bis zu Spiegel-TV und lobte die neutrale Berichterstattung der GZ. Gegenüber unserer Zeitung bat er um eine Korrektur: Er habe nicht gesagt, dass er nicht wolle, dass es irgendwo Flüchtlingsheime gebe. „In Wahrheit habe ich gesagt: ’Ich will aber auch erst gar nicht, dass es irgendwo auf dieser Welt ein Flüchtlingsheim geben muss.’ Ich denke, dass dies doch ein kategorieller Unterschied ist.“

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