Erzieherin sein bedeutet mehr als mit Kindern zu spielen

Die Treffelhausenerin Anke Biegert arbeitet seit sieben Jahren als Erzieherin in der Krippe der Kita Niemöller. Die 47-Jährige liebt ihren Beruf.

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Anke Biegert schätzt an ihrem Beruf, dass sich die Anforderungen stetig ändern. Kinder aber, sagt die 47-Jährige, bleiben immer gleich: „Sie wollen spielen und die Welt erkunden.“  Foto: 

Anke Biegert wurde in Steinheim geboren, lebt aber seit einigen Jahren mit ihren beiden 17 und 15 Jahre alten Töchtern in Treffelhausen. Nach Stationen in einer Tagesstätte und in der Sprachförderung arbeitet die staatlich anerkannte Erzieherin seit dem Start der U-3-Betreuung 2010 in der Geislinger Kita Martin Niemöller.

Frau Biegert, wollten Sie schon ­immer Erzieherin werden?

Ja, ich wusste immer, das will ich machen. Als ich mit der Realschule fertig war, gab es aber einen Erzieherüberschuss, weshalb ich zuerst überlegt habe, Kinderkrankenschwester zu werden. Dafür war ich aber ein paar Wochen zu jung. Weil ich sowieso ein Jahr überbrücken musste, habe ich es doch mit der Suche nach einem Vorpraktikumsplatz versucht. Und das hat geklappt, genauso wie mit der Pädagogischen Fachschule und dem Anerkennungsjahr. Und als ich nach vier Jahren fertig war, war der Erzieherüberschuss weg.

Wieso die Arbeit mit Kindern?

Ich habe mich schon immer gern mit Kindern beschäftigt, habe in meiner Freizeit Kinderkirche gemacht. Später habe ich es mal bereut, dass ich das Abi nicht gemacht habe – dann hätte ich vielleicht noch Sozialpädagogik studiert. Natürlich verdient man nicht so viel wie in der Industrie, aber es ist nach den vielen Jahren immer noch mein Traumjob, ich möchte nicht woanders arbeiten.

Wie hat sich Ihr Beruf gewandelt?

Als ich angefangen habe, gab es den Regelkindergarten von acht bis halb zwölf und von zwei bis um vier. Damals sind noch nicht so viele Frauen arbeiten gegangen; und bald jedes Kind hatte eine Oma zu Hause. Die Anforderungen an die Familien haben sich gewandelt, es ist heute normal, dass die Frau auch zum Arbeiten geht – da müssen die Einrichtungen mit ihren Betreuungsangeboten reagieren. Die Kinder an sich haben sich nicht verändert – außer, dass sie im Rollenspiel die Wischbewegung vom Telefon nachmachen (lacht). Ansonsten hat sich nichts daran geändert, dass Kinder spielen und die Welt erkunden wollen.

Fühlen Sie sich mit Ihrem Beruf wertgeschätzt?

In der Gesellschaft vielleicht weniger. Da heißt es oft, ach, Erzieherin, die spielt ja nur mit den Kindern. Von den Eltern, die bei uns in der Einrichtung sind, fühle ich mich schon wertgeschätzt. Die wissen, was wir machen.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Meistens geht’s um halb sieben zu zweit los, da kommen auch die ersten Kinder. Eine Kollegin bereitet alles für den Tag vor, die andere ist am Kind. Bis halb neun sind alle da und es geht in die Gruppen. Bei uns in der Krippe, im Wichtelhäusle, ist bis um neun Uhr Freispiel. Wir lassen den Kindern Zeit und beobachten, was sie gerade brauchen. Um neun frühstücken wir alle zusammen – die Kinder dürfen sich selber Teller und Becher holen –, und danach setzen wir uns nach dem Zähneputzen in den Morgenkreis und begrüßen uns mit einem Lied. Mit den ganz Kleinen machen wir inhaltlich noch nicht so viel, aber wichtig ist immer viel Sprachförderung: Wir lesen vor, singen, machen Fingerspiele, kommentieren alles. Ich hatte schon eine Gruppe mit drei Erzieherinnen und zehn Kindern, die noch nicht sprechen konnten – da wurde trotzdem gesungen, auch wenn niemand mitsang (lacht).

Danach gehen wir bis zum Mittagessen raus. Der Vormittag ist sehr durchgetaktet und vergeht schnell. Nach dem Essen legen wir die Kinder zum Schlafen hin, danach gibt es einen Snack mit Obst oder Joghurt und dann ist Freispiel, bis die Kinder ab halb drei bis fünf abgeholt werden.

Was machen Sie im Feierabend?

Ich arbeite ja Teilzeit, 60 Prozent, zu unterschiedlichen Zeiten. Bin ich zur Mittagszeit daheim, muss ich erst für meine Kinder kochen und mache dann den Haushalt.

Am Nachmittag kutschiere ich oft meine Kinder irgendwohin; ohne Auto ist es in Treffelhausen schwierig. Ich mache viel Sport, gebe zweimal in der Woche Aerobic- und Step-Aerobic-Kurse in der Volkshochschule und bin Mitglied bei den Hausemer Hopfgazellen. Die Bewegung tut mir gut, weil ich oft auf den kleinen Stühlen und auf dem Boden sitze – wenn man sich keinen Ausgleich sucht, kriegt man schon Rückenschmerzen. Und im Mai habe ich angefangen, mit Jugendlichen ein Martin-­Luther-Musical einzustudieren – das macht ganz viel Spaß.

Was bedeutet Arbeit für Sie?

Arbeit muss etwas in mir zufriedenstellen, sie darf keine Belastung sein. Meine Arbeit belastet mich nicht, sondern macht mich glücklich. Ich arbeite auch sehr gerne in einer evangelischen Kita. Ich war schon in einer städtischen Einrichtung, aber da hat mir was gefehlt: Die Grundeinstellung, biblische Geschichten zu erzählen, mal beim Gottesdienst mitzumachen. Was ich an meinem Beruf auch so toll finde: Ich arbeite nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Erwachsenen zusammen.

Haben Sie noch Karriereziele?

Vor meinen Kindern dachte ich mal an eine Leitungsposition. Aber da zieht es mich jetzt nicht hin – damit ist ja auch viel Büroarbeit verbunden. In unserer Einrichtung steht nie was auf der Stelle, es bleibt spannend, so dass ich keine andere Herausforderung brauche. Vielleicht ändert es sich, wenn meine Kinder aus dem Haus sind, aber im Moment bin ich glücklich.

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