Ein stiller Moment im Raum

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Still und verlassen: Donata Hillgers „Winteratmosphäre in Kirlay Utca“  Foto: 

Auf der 65 mal 50 Zentimeter großen, hochformatigen Arbeit Donata Hillgers mit dem Titel: Winteratmosphäre in Kirlay Utca zeigt sich in feiner Farbigkeit eine Innenraumszene. Auszumachen sind ein Fenster hinter Vorhängen, eine leuchtende Lampe, bewegte Tücher, Stoffbahnen, eine Leiter und ein Koffer. Alles wirkt still, verlassen und aus einer meditativen Haltung heraus betrachtet.

Man könnte hier ebenso an die Unterbrechung einer Tätigkeit denken, wie an ein Ankommen, Durchschnaufen oder an ein Auf-sich-Wirken-lassen. Der Koffer verweist aufs Bleiben und Aufbrechen zugleich, der festgehaltene Moment auf eine  Ruhepause. Die Pause scheint dafür genutzt worden zu sein, um das zu untersuchen und zu zeigen, was einen hier umgibt und betrifft. Das sich andeutende Fenster markiert den vermeintlichen tiefenräumlichen Endpunkt, der sich vor uns auftuenden innenräumlichen Bildwelt, die wir von einem leicht erhabenen Blick aus wahrnehmen.

Innen- und Außenweltsituation treffen am Fenster aufeinander. Die Außenszenerie bleibt aber lediglich erahnbar. Etwas Licht durchwirkt den Vorhang und mischt sich mit dem der Lampe. Alles Innere erscheint so in einem weich schimmernden, malerisch anspruchsvollen Glanz.

In differenzierender Farbigkeit und sicherem Duktus wurden die Schatten und Lichtreflexe entwickelt. Die Betrachtung des Zimmers erfolgte vermutlich vom Türrahmen aus. Der Blick wurde  nach dem vermeintlichen Draußen gerichtet, das sich durchs verhangene Fenster ankündigt und das sich gleichsam undurchdringlich zeigt.

Das sich hier andeutende Öffnen und gleichzeitige Verschließen führt unweigerlich zur Besinnung auf sich selbst und auf das, was sich im Inneren des Raumes zeigt und wie es atmosphärisch auf einen wirkt, wenn man „on“ ist. Donata Hillger geht es hier offensichtlich um die Magie des Alltäglichen, um Atmosphäre, festgehalten, untersucht und ausgedrückt durch Farbe, Form, Licht und Schatten. Entstanden ist eine stimmungsvolle Meditation über eine aufgesuchte Grenzsituation zwischen innen und außen und über sich atmosphärisch ausbreitendes Licht. So setzt sich die Arbeit sensibel mit Wahrnehmung und Wirkung auseinander - sie verweist auf Stille, Ruhe und auf ein Bei-sich-sein in einer fernen Raumsituation. 

Info Die Ausstellung Silent Karacho mit Arbeiten von Donata Hillger und Jana Mertens ist noch bis zum 8. Oktober in der Galerie im Alten Bau zu sehen

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