200 Geislinger protestieren friedlich

Rund 200 Menschen haben gestern Abend vor dem Geislinger Sonne-Center friedlich gegen die AfD demonstriert. Viel Lob gab es für OB Dehmers Versuch, AfD-Politiker Björn Höcke Hausverbot zu erteilen.

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Um kurz vor 18 Uhr tauchen sie auf - in Grüppchen, einzelne Personen, Paare, insgesamt gut 200 Personen. Sie alle wollen vor dem Sonne-Center gegen die AfD demonstrieren, die eine Stunde später im Kapellmühlsaal eine Wahlkampfveranstaltung abhalten wird. "Mich hat es geschockt, dass Björn Höcke auftritt. Das hat eine andere Qualität, als wenn es nur um die AfD ginge", sagt die Theologin Yasna Crüsemann. "Die AfD soll ihren Raum zum Diskutieren haben, aber Höckes rassistische Äußerungen überschreiten alles."

Zu diesem Zeitpunkt ist noch unklar, ob der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende auftreten darf oder nicht - Oberbürgermeister Frank Dehmer hatte dem Politiker, der immer wieder durch scharfe, populistische Reden nahe der Volksverhetzung auffällt, am Mittwoch ein Hausverbot für den Kapellmühlsaal erteilt. Nachdem Höcke lange mit einer Reaktion auf sich hatte warten lassen, wehrte er sich Donnerstagnachmittag doch noch mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart - das das Hausverbot kurz vor der Wahlkampfveranstaltung aufhob.

"Es ist schade, aber es war das richtige Signal für Geislingen", sagt OB Dehmer. Er reagiert gelassen auf den verbalen Angriff des AfD-Kandidaten für den Wahlkreis Göppingen, Heinrich Fiechtner, der Dehmer eine undemokratische Haltung vorwirft und bezweifelt, ob er der richtige Mann an der Spitze des Rathauses ist.

Bei der Demo macht derweil Julian Beier von der Piraten-Partei, die die Protestaktion initiiert hat, deutlich, worum es geht: "Wir setzen uns ein für eine weltoffene Stadt. Parteien, die Rassismus und recht Gewalt propagieren, werden wir nicht akzeptieren." Renate Gmoser von der IG Metall ruft energisch: "Wir haben keinen Bock auf Nazis."

Der Grünen-Stadtrat Ismail Mutlu freut sich, dass so viele zur Demo gekommen sind. Das zeige, wie bunt die Stadt sei. Mutlu: "Höcke hat keinen Platz in Geislingen." Dehmers Haltung sei mutig und verdiene Respekt, sagen viele.

Die Polizei beobachtet das Geschehen aufmerksam, doch alles bleibt friedlich - wie von den Demonstranten gewünscht.

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