Wirt sorgt mit Vereinswechsel für Wirbel

Der Wirt der Clubgaststätte des FC Eislingen Jo Oberndorfer übergibt die Führung seiner Wirkungsstätte einer Nachfolgerin. Über ein Vierteljahrhundert betrieb der gebürtige Oberösterreicher die Wirtschaft.

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Herbert Oberndorfers Nachfolgerin kommt aus dem eigenen "Nachwuchs": Beate Zeeh kümmerte sich 17 Jahre im Service um die Gäste im FCE-Clubhaus.  Foto: 

In den siebziger Jahren kam Herbert Oberndorfer, den alle nur "Jo" nennen, in den Kreis Göppingen. Eigentlich hätte es für den Koch eine dreijährige Stippvisite auf dem Weg nach Kanada werden sollen. Doch der gebürtige Oberösterreicher blieb und ist seit nunmehr 39 Jahren in Schlat zuhause. Nun hat der 63-Jährige nach 26 Jahren die Gaststätte des FC Eislingen in die Hände seiner Nachfolgerin Beate Zeeh übergeben.

Erste Station in der Bundesrepublik war in den Siebzigern der Hirschkeller in Göppingen. Dorthin war er dem Ruf einer befreundeten Wirtsfamilie gefolgt. Mit der Weiterreise nach Kanada wurde es allerdings nichts. Denn der junge Bursche aus Oberösterreich lernte ein Maderl aus Schlat kennen. Die Auswanderung über den großen Teich wurde abgesagt. Stattdessen übernahm Oberndorfer bald die Altdeutschen Stuben in Schlat und wurde Stammgast im Eislinger Eichenbachstadion, bald auch Mitglied beim FC Eislingen. Spieler des Eislinger Fußballklubs waren Stammgäste in Schlat. Und wie im richtigen Fußballleben, so war's auch hier. Oberndorfer war zwar nicht auf der gastronomischen Transferliste, doch die Talentsichter unter den Gästen waren überzeugt, dass er nach Eislingen gehört. "Wir haben ihn dann einfach abgeworben", schmunzelt FCE-Präsident Rainer Interwies, der mittlerweile mit Oberndorfer befreundet ist.

Zur Saison 89/90 übernahm Herbert Oberndorfer die Clubhausgaststätte im September 1989. Die Gäste weit über den Fußballerbereich hinaus schätzen schnell seine ausgezeichnete deutsche Küche, die Spezialitäten aus seiner Heimat, wie Backhändl und Kaiserschmarrn. Große Spiele brachten stets auch große Gäste. Ob es das Spiel des KSC gegen Dynamo Kiew im Jahr 94 war oder die Duelle der Traditionsmannschaften im Eichenbachstadion. Hansi Müller, Karl Allgöwer, sein Landsmann Buffy Ettmayer: "Alle Kanonen von früher waren da", erzählt Oberndorfer. Natürlich auch die des FC aus der großen Zeit, als man im Ländle zu den Spitzenmannschaften gehörte. Gerne denkt Oberndorfer auch an Günther Schäfer, der mit seinem VfB-Jugendcamp mehrmals im Eichenbach Station machte. Schäfer stellte den kickenden Knirpsen auch Oberndorfer vor: "Das ist der Jo, unser Koch, der hat nur einen Fehler. Er ist Bayern-Fan."

Trotzdem schenkte er Oberndorfer einen Wimpel mit den Unterschriften aller VfB-Spieler. Und fortan hatte Oberndorfer keine Ruhe mehr vor denjenigen, die ihm diese Rarität abschwatzen wollten: "Ein Bayern-Fan braucht so was nicht." Er hat das Geschenk natürlich nicht hergegeben. Ehrensache.

Wie viele Kicker, so lässt auch Oberndorfer, der in Österreich früher selbst gegen das runde Leder trat, die Karriere bei einem kleineren Verein ausklingen: An drei Tagen in der Woche bewirtet er nun das Vereinsheim des TV Schlat. Langsamer Rückzug. Wenn es ganz schlimm wird, kann er jederzeit im FC vorbeigucken, und das Hallo ist groß. Dann beugt sich Oberndorfer über die Schultern der treuen Gäste und unterhält sich mit ihnen über die noch gar nicht so alten Zeiten. "Ich fühle mich sofort wieder heimisch", sagt Oberndorfer, als er die "Dienstagler" an ihrem großen Stammtisch sitzen sieht. Beinahe wäre er gar nicht losgekommen vom FCE. Bei der letzten Weihnachtsfeier ließen ihn die Spieler so intensiv hochleben, dass er Angst hatte, nach seiner Zeit als Wirt, den Rest der Tage als Deckenintarsie des Festsaals verbringen zu müssen. "Es war eine Party hoch drei", schwärmt Oberndorfer auch noch Monate danach.

Nach dem Abschied des langjährigen Wirts musste sich der FCE dieses Mal nicht auf dem Markt umschauen, die Nachfolge kam aus dem eigenen "Nachwuchs". Beate Zeeh war 17 Jahre Oberndorfers Spielmacherin im Gästeblock. Nun hat sie die Kapitänsbinde übernommen und führt zusammen mit Mann und Sohn das Clubhaus. FC-Präsident Rainer Interwies ist froh über diese Lösung. "Wir wollten weiterhin eine deutsche Küche und einen reibungslosen Übergang. Das haben wir mit Frau Zeeh und dem kinderfreundlichen Familienbetrieb bestens hinbekommen."

Natürlich werde er immer FCE-Mitglied bleiben, sagt Oberndorfer, und nun vielleicht auch das eine oder andere Spiel in Eislingen besuchen, auch wenn die Öffnungszeiten in Schlat hauptsächlich am Wochenende sind. "Dann gibt's halt mal eine Stunde nichts und ich fahre kurz herüber", sagt er augenzwinkernd.

Nun geht es aber zuerst einmal auf eine Donauschifffahrt. Natürlich nicht ohne einen Teil des FC Eislingen. Präsident Interwies, der FC-Vorstand Wirtschaftsbetrieb Gerhard Schick samt Gemahlinnen werden die Oberndorfers dann begleiten.

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