Weibliche Sicht der Dinge

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Für jedes Alter und jede Lebensphase setzten sich die Darstellerinnen eine andere Haube auf.  Foto: 

Die spätere Käthe Luther sei „nicht nur die Frau an seiner Seite gewesen“, betonte Pfarrerin Kerstin Hackius im vollbesetzten Saal des Luthergemeindehauses. „Die Lutherin selbst zu Wort kommen zu lassen“ – war die Intention einer Vorführung bei der fünf Frauen der Eislinger Frauen-Aktion Efa und der evangelischen Kirchengemeinde die unterschiedlichen Lebensphasen von Käthe Luther aus deren Sicht schilderten. Dabei gelang es Pfarrerin Kathinka Korn, mit fiktiven Texten die damalige Zeit aus neuer Perspektive vorstellbar, aber auch Entwicklungen und Beweggründe für heutige Ohren verständlich zu machen. Denn im Gegensatz zu Texten von und über Martin Luther ist von seiner Frau kaum etwas erhalten.

Die „Annäherung an Katharina von Bora“ reichte von dem 15-jährigen Mädchen, das sich auf das Ablegen des Ordensgelübdes, freut, bis zum Tode Käthes sechs Jahre nach ihrem Mann im Jahre 1552. Historische Ereignisse wurden dabei fein eingewoben. Vereinzelt kam auch der Reformator, gespielt von Peter Ritz, zu Wort. Gerade dann wurde Luther besonders nahbar dargestellt. Beispielsweise wenn er verbal auf Frauen  herabblickte und Katharina kurz darauf „berichtete“, er entschuldige sich für solche Sprüche abends im Bett, oder wenn die Darstellerinnen Katharina über Luthers Maßlosigkeit klagen ließen. Kathinka Korn war es auch darum gegangen, eine Abgrenzung zu früheren Zeiten vorzunehmen und damit zu „einer Art evangelischer Heiligenverehrung oder noch schlimmer, nationaler Heldenverehrung“ Martin Luthers.

Die Eislinger SchriftstellerinTina Stroheker ordnete die fünf Stationen aus dem Leben Katharina von Boras jeweils den historischen Kontext ein, bevor die von Regisseurin Ingrid Pfeiffer vorbereiteten Käthe-Darstellerinnen Dr. Gudrun Igel-Mann, Johanna Kuhn, Gerlinde Nischwitz, Dorothee Schmid-Klingbeil und Ulla Schöffel sich die dem Alter und der Lebenssituation entsprechende Haube aufsetzten und in Monologen eine weitere Sichtweise auf die Zeit vor 500 Jahren ermöglichten. Annemarie Schmid las ergänzende Texte. Abgerundet wurde die Vorstellung durch Musikstücke von Ute Bildingmaier (Gesang) und Klaus Wuckelt (Laute) mit zeitgenössischen Liedern des 16. Jahrhunderts zwischen den fünf Wortbeiträgen sowie einem Kampfsong der feministischen Theologie zum Abschluss: „Sister, carry on!“

Schließlich zeigte Tina Stroheker noch die Vielschichtigkeit Katharinas in ihrem „A bis Z der Lutherin“ auf: vom Adelsfräulein über – unter vielen anderen Begabungen und Aufgaben – die Bierbrauerin, Erzieherin, Gastgeberin, Hospizleiterin, Köchin, Managerin, Vermieterin und Witwe bis zur Zisterziensernonne. Das Stück habe „bereichert, belehrt und unterhalten“, so Efa-Vorsitzende Günül Neuen, die sich über die Kooperation mit der evangelischen Kirche freute.

Katharina von Bora (1499-1552) heiratete als 26-Jährige Martin Luther. Wegen ihrer Eigenständigkeit und ihres Selbstbewusstseins entsprach sie nicht dem konservativen Frauenbild ihrer Zeit. Die Lutherin füllte ihren Platz an der Seite des Reformators souverän aus.

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