2600 Kilometer große Strapaze für guten Zweck

Ian Maurath und Lena Friedrich aus Eislingen sind 2600 Kilometer auf der Seidenstraße geradelt. Nun sind sie zurück – mit einer Spende für Ärzte ohne Grenzen.

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  • Die beiden Radler aus Eislingen erlebten abwechslungsreiche Naturlandschaften in Zentralasien.  1/2
    Die beiden Radler aus Eislingen erlebten abwechslungsreiche Naturlandschaften in Zentralasien. Foto: 
  • Ian Maurath und Lena Friedrich nach ihrer Rückkehr vor dem Eislinger Rathaus. Sie tragen traditionelle Kleidung aus den Ländern, die sie bei ihrer Radtour bereist haben.  2/2
    Ian Maurath und Lena Friedrich nach ihrer Rückkehr vor dem Eislinger Rathaus. Sie tragen traditionelle Kleidung aus den Ländern, die sie bei ihrer Radtour bereist haben. Foto: 
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Insgesamt acht Wochen waren die beiden Eislinger auf ihrer Radtour durch Usbekistan, Tajikistan und Kirgistan unterwegs. Auf der Strecke durch das Hochgebirge Pamir und die Täler entlang der Seidenstraße brachten sie 2600 Kilometer hinter sich, zu einem großen Teil auf Schotterpisten. Weil das Projekt als Spendenaktion konzipiert war, konnten so bisher 2300 Euro zu Gunsten von Ärzte ohne Grenzen gesammelt werden.

Trotz ihrer Reiseplanung entschieden die Eislinger immer wieder spontan, welche Sehenswürdigkeiten und Städte sie letztlich besuchen wollten. Das habe auch Sinn gemacht, denn die Tipps von Einheimischen und anderen Touristen seien sehr wertvoll gewesen. So bekamen die beiden einen Einblick in die Kultur der Länder, die Pauschalurlaubern eher verborgen bleiben. Die Führung durch einer Moschee sei beispielsweise nur möglich gewesen, weil Einheimische sie unter ihre Fittiche nahmen und das Zugangsverbot für Nicht-Muslime damit unterwanderten. Begeistert war das Paar von der abwechslungsreichen Naturlandschaft, die sie immer wieder ins Staunen brachte. Von den Hochebenen, in denen nahezu keine Pflanzen gedeihen, hin zu den grün umwachsenen Flussläufen im Tal – der Höhenunterschied, vom tiefsten zum höchsten Punkt der Route beträgt mehr als 4000 Meter. Besonders begeistert spricht Lena Friedrich vom Pamir-Gebirge. „Jeder Berg sieht anders aus und es gibt endlos viele Gesteinsfarben. Als Maler wäre man dort im Paradies“. Welche Geschichten diese Berge zu erzählen hätten, konnten die beiden nur erahnen, als sie in Stein gemeißelte Kunstwerke aus der Bronzezeit entdeckten.

Nachdem die Radfahrer drei Wochen in mehr als 3500 Meter Höhe gefahren waren, rochen sie ab 2000 Meter Höhe nicht nur den Unterschied, den Photosynthese ausmacht, sondern spürten auch die körperliche Anpassung an die Höhenluft. Ihre hernach kurzzeitig gesteigerte Kondition bringen die beiden Sportwissenschaftler mit der gestiegenen Anzahl roter Blutkörperchen in Zusammenhang. Ausdauer und Durchhaltevermögen waren die Grundvoraussetzung, um diese Reise zu überstehen. Mit Temperaturen zwischen minus vier und plus 42 Grad Celsius kamen Maurath und Friedrich dank ihrer Ausrüstung gut zurecht. Hindernisse und Beschwerlichkeiten gab es dennoch genug. Allein die schlechten Straßenverhältnisse forderten 20 platte Reifen.

Als sich Maurath eine tiefe Stichwunde im Oberschenkel zuzog, hatten die beiden Glück im Unglück, dass die Verletzung ihre Fahrt nicht vorzeitig beendete. Sie konnten ihre Reise nach fünf Tagen Pause fortsetzen. Bei ihrer Rückkehr sind sich beide einig: „Die Anstrengungen war es auf jeden Fall wert. Es war eine intensive und sehr positive Erfahrung.“ Besonders die Begegnungen mit den Menschen dort seien sehr lehrreich gewesen. Ihr Ziel, etwa die Hälfte der Übernachtungen bei Einheimischen unterzukommen, hat sich erfüllt. „Diese Offenheit, Großzügigkeit und Herzlichkeit hat uns schwer beeindruckt“, sagt Ian Maurath. Nirgends mussten die Reisenden lange nach einem Schlafplatz suchen. Zudem versorgten sie die Menschen auch mit Nahrungsmitteln als Wegzehrung – vor allem Obst, Nüsse und Brot. Einmal auch eine Wassermelone, obwohl diese sich natürlich schlecht mit dem Fahrrad transportieren ließ.

„Ich habe den Eindruck, die Menschen dort sind bereit mehr zu geben, als sie selbst haben“, fasst Maurath die Einstellung der Einheimischen zusammen. Ihre Fahrräder haben Maurath und Friedrich jedenfalls nicht zurück nach Deutschland gebracht, sondern an eine 13-köpfige Familie verschenkt, bei der sie am Ende ihrer Reise untergekommen waren.

Info Hier findet man das Projekt im Internet: Facebook: Cyclecause; Instagram: 1Cyclecause; Crowdfunding:
gofundme.com/cyclecause und Blog: Cyclecause.jimdo.com

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