Eislingens Rathauschef verspricht, noch viele Ideen zu haben

Oberbürgermeister Klaus Heininger hat noch viele Ideen, wie sich Eislingen in den nächsten Jahren weiterentwickeln kann. Ob sich der OB aber im nächsten Frühjahr um eine zweite Amtszeit bewerben wird, lässt er im Gespräch offen.

|
Klaus Heininger hat noch einige Ideen, um Eislingen weiter voran zu bringen.  Foto: 

Oberbürgermeister Klaus Heininger hat sich fürs Gespräch mit der NWZ  das „Kleinod“ Schlossgarten ausgesucht. Der OB macht deutlich, dass er noch viele Ideen zur Weiterentwicklung von Eislingen hat und sein Herz für die Stadt schlage. Er legt sich aber noch nicht fest, ob er im nächsten Frühjahr erneut kandidieren wird. Heiningers achtjährige Amtszeit endet Mitte 2018.

Herr Heininger, warum haben Sie sich für das Gespräch den Schloss­platz ausgesucht?

Klaus Heininger: Weil der Schloss­park ein Kleinod ist, das noch nicht entsprechend seiner Möglichkeiten genutzt wird. Das ist eine grüne Oase, in der man sich wohlfühlen kann und  dennoch mitten in der Stadt ist.

Wie wird der Schlossplatz 2024 aussehen?

Für den Schlosspark gibt es Gestaltungsideen, die wir in den nächsten beiden Jahren nochmal angehen und im Gemeinderat beraten wollen. Dazu gehört auch eine Möblierung, damit man den Schlosspark als Aufenthaltsoase im Stadtzentrum intensiver nutzen kann. Wobei Feste wie Kindertag und Stadtfest weiter möglich bleiben sollen.

Deutlich wird dies alles, wenn die Bahnüberführung abgerissen ist.

Ja. Wenn wir hier den Marktplatz gestaltet haben, mit einem Brunnen, Bepflanzungen, der Freifläche, der wirklich erkennbaren Stadtmitte, dann wird auch der Schlosspark stärker in den Mittelpunkt rücken und in die Stadtmitte integriert. Ein solches Potenzial haben nur wenige Städte.

Können diese Ideen im Jahr 2024 verwirklicht sein?

Das ist realistisch. Ich gehe davon aus, dass wir in zwei Jahren den Baubeginn der Mühlbachtrasse haben. Samt Abriss der Brücke und Gestaltung des Platzes planen wir eine Gesamtbauzeit von vier bis fünf Jahren ein.

Manche Eislinger sehen die Kosten des Abrisses der Überführung kritisch.

Das hat sich in den vergangenen Monaten gewandelt. Dass es finanziell machbar ist, wurde in den Vorbereitungsarbeiten deutlich. Wenn – das ist die Voraussetzung der soliden Finanzierung des Jahrhundertprojekts – die wirtschaftliche Lage so bleibt und die erwarteten Zuschüsse fließen. Inzwischen erkennen die Bürger, wohin die Stadt will und ermutigen uns zur raschen Umsetzung.

Das Jahrhundertprojekt wird dann der OB Heininger einweihen?

Das kommt darauf an, wie sich die Dinge entwickeln. Das ist jetzt die Frage zur OB-Wahl ­...

Ja!

Da ist noch jede Menge Zeit. Die Stelle wird erst zur Jahreswende ausgeschrieben. Ich werde in der ersten Sitzung nach der Sommerpause dem Gemeinderat und der Bürgerschaft in einer persönlichen Erklärung mitteilen, ob ich wieder kandidieren werde.

Wir gehen davon aus, dass sie durchaus noch Gestaltungsideen haben?

Gestaltungsideen habe ich noch ganz viele. Das ist ein Lebenselixier von mir, dass ich Phasen habe, in denen ich voller Ideen stecke. Da gibt es auch für Eislingen noch ganz viele erstrebenswerte Ziele. Wobei natürlich der Gemeinderat das Entscheidungsgremium bleibt.

Welche Ideen spuken Ihnen im Kopf herum?

Zum Beispiel die IBA. Da sollte eine Stadt wie Eislingen dabei sein. Mit innovativen  Wohnformen, die zum Beispiel darauf ausgerichtet sind, dass wir immer mehr Singlehaushalte haben, aber bei Familienzuwachs oder anderweitigem Bedarf erweiterbar sind. Also modular und natürlich energieautark. Solche Ideen, könnten in einem Eislinger Baugebiet umgesetzt werden.

Da werden Sie wohl kaum als Unvollendeter aufhören?

Eine Stadt ist nie fertig. Man geht immer zwischen mehreren Projekten. Davon kann man das nicht abhängig machen. Ich mache die Stadtentwicklung nicht für mich. Mein Auftrag ist, es für die Bürger zu gestalten.

Wie sollen sich andere Teiles der Innenstadt weiter entwickeln?

Im Zentrum müssen wir uns stärker der Quartiersentwicklung annehmen. Wir wollen bestehende Quartiere, wie das Umfeld zwischen Hindenburg-, Jahn- und Hauptstraße, beleben und städtebaulich aufwerten. Das heißt, außen Einzelhandel und Läden und in der Mitte ruhiges Wohnen. Das bedeutet kurze Wege, weniger Verkehr im Zentrum und weniger Flächenverbrauch.

Wo wäre das noch möglich?

Da gibt es die Bereiche zwischen Hauptstraße und Gartenstraße, sowie Öschstraße und Hauptstraße.

Für den Radverkehr hat das Büro Via einen Plan vorgelegt. Gerade im Zentrumsbereich scheint es an der Umsetzung zu hapern?

Ja, die ganz großen Projekte haben wir noch nicht vollständig in der Weise angepackt. Das soll folgen. Wir planen jetzt die Radschnellweg-Trasse. Damit werden einzelne Zubringerachsen für den Radverkehr an Bedeutung gewinnen. Um diese Achsen werden wir uns kümmern und sie sukzessive umsetzen.

Als Sie vor gut sieben Jahren angefangen haben, wo sahen Sie den größten Handlungsbedarf?

Der größte Handlungsbedarf war im städtebaulichen Bereich. Der große Handlungsdruck war erkennbar. Als ich kam, war viel diskutiert, aber nichts entschieden worden. Es gab unterschiedliche Positionen: Die einen wollten die Hauptstraßenachse, die anderen die Mühlbachtrasse. Wieder andere wussten noch gar nicht, was sie wollten. Der Wettbewerb für den Bau  des Rathauses war begonnen, obgleich man noch nicht wusste, wo der Verkehr rollen wird. Das war eine schwierige Situation. Das Entflechten der Knoten ist mit einer zielorientierten Herangehensweise und einer offensiven Bürgerbeteiligung gelungen.

Die Verwaltung wirkt jetzt bürgernäher. Sie haben die Bürger offensiv beteiligt.

Das ist meine Grundphilosophie, die Bürger in Entscheidungen einzubinden. Sie können die Bürger aber nur dazu aufrufen mitzuwirken. Manchmal ist die Resonanz gering. Aber wir haben jetzt auch eine andere Kultur in der Beziehung zwischen Rathaus und Bürgern. Das Rathaus ist jetzt ein modernes Dienstleistungszentrum. Wir haben ein Bürgerbüro eingerichtet, die Öffnungszeiten deutlich erweitert und vieles mehr.

Mussten Sie auch in der Verwaltung dicke Bretter bohren?

Es war schon auch Überzeugungsarbeit notwendig. Das ist klar, wenn ein Wechsel erfolgt und der Neue hat eine andere Philosophie von Bürgernähe. Ich sage den Kolleginnen und Kollegen, „der Bürger, der euch gegenüber sitzt, zahlt euer Gehalt. Behandelt ihn entsprechend“. Das ist die Grundvoraussetzung, um Bürgernähe leben zu können. Und das Rathausteam leistet hier sehr gute Arbeit.

Was tut die Stadt, dass sich die Eislinger weiterhin vor Ort versorgen können?

Wir haben ein Einzelhandelskonzept, die täglichen Bedarfsgüter – und da zählt der Lebensmittelmarkt dazu – möglichst zentrumsnah anzubieten. Man kann keine Belebung der Innenstadt erreichen, wenn man die Frequenzbringer an den Stadtrand verbannt.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen in den nächsten acht Jahren?

(lacht) Also von acht Jahren möchte ich jetzt nicht sprechen. Die wichtigsten Herausforderungen sind die Umsetzung der genannten städtebaulichen Ziele der Stadtmitte mit dem Mobilitätspunkt am Bahnhof und die Neuordnung des Haug-Areals. Darüber hinaus die innerstädtische Quartiersentwicklung. Die Schaffung von kostengünstigem Wohnraum. Gleichzeitig aber auch die Umsetzung mehr innovativer Wohnformen. Die Stärkung und den Erhalt des Einzelhandels. Die weitere Reduzierung des Verkehrs. Eine Stadt braucht immer innovative Zukunftsprojekte, um dynamisch zu bleiben.

Welches Zeugnis würden sie ihrer Arbeit der vergangenen sieben Jahre geben?

Ich würde sagen, sehr arbeitsintensiv. Auch mit dem nötigen Engagement und an der einen oder anderen Stelle auch erfolgreich.

Ist Eislingen eine Stadt, in der Sie leben wollten?

Ja, Eislingen ist auf jeden Fall liebens- und lebenswert. In Eislingen sind auf den ersten Blick vielleicht nicht alle Vorzüge sofort erkennbar, aber Eislingen hat enorme innere Werte. Mein Herz schlägt für Eislingen. Der interessierte Bürger weiß das.

Beruf Klaus Heininger ist seit 2010 Rathauschef in Eislingen, seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt im Jahr 2012 Oberbürgermeister. Davor war Heininger etwas mehr als neun Jahre Bürgermeister in Birenbach.  

Privat Klaus Heininger ist 56 Jahre alt. Er wohnt in Waldstetten. Er ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder, die schon berufstätig oder noch in Ausbildung sind.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drama von Eislingen: Opfern die Kehle durchgeschnitten

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. weiter lesen