Naturschützer schlagen Alarm

Eine Million Euro soll die Stadt Eislingen nach Willen der naturschutztreibenden Vereine für ein Konzept gegen das Insektensterben einsetzen.

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Noch gibt es in Eislingen Wiesen, auf denen viele Blumenarten blühen. Es sind jedoch zu wenige, sagen Naturschützer, die das Insektensterben aufhalten wollen.  Foto: 

Insekten sterben bei uns in einem nie gekannten Ausmaß weg“, erklärt der Eislinger Bund-Vorsitzende Gerhard Rink und beruft sich dabei auf wissenschaftliche Untersuchungen. Um 80 Prozent sind Hummeln, Wildbienen und Co. demnach in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen und zum Teil in demselben Ausmaß Vogelarten, deren Nahrung diese Kleinlebewesen sind.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Schwäbischer Albverein und Imkerverein in Eislingen haben deshalb jetzt einen gemeinsamen Vorstoß unternommen. In einem offenen Brief an Gemeinderat und Stadtverwaltung fordern sie unverzüglich zu handeln und einen massiven Finanzeinsatz für ein Konzept, um der dramatischen Veränderung der Tier- und Pflanzenwelt Einhalt zu gebieten. Eine Million Euro soll die Stadt dafür in den kommenden fünf Jahren zur Verfügung stellen.

Seit vielen Jahren mühen sich die Vereine, den Lebensraum der Insekten zu erhalten. Sie pflegen Streuobstbäume und artenreiche Blumenwiesen – einige gebe es in Eislingen noch – rücken dem indischen Springkraut zu Leibe und kümmern sich um Biotope. Auch die Anstrengungen der Kommune auf diesem Gebiet verkennen die Naturschützer nicht. „Aber unsere Man-Power reicht nicht aus, für das was notwendig ist“, betont der Albvereins-Vorsitzende Günter Funsch.

„Wenn man so weitermacht wie bisher, ändert sich nichts“, sagt Rink. Notwendig sei ein langfristig angelegtes und fachmännisch begleitetes Konzept, das auch die Landwirte ins Boot nehme. Das häufige Mähen der Wiesen und vor allem der massive Einsatz von Pestiziden seien die Hauptursache dafür, dass immer weniger Blumen blühen und Wildbienen – ihnen gehe es besonders schlecht – und anderen Fluginsekten Nahrung und Lebensraum entzogen werde. Die Initiatoren wollen sich aber nicht in Schuldzuweisungen ergehen. „Das kann man dem einzelnen Landwirt nicht zur Last legen, der ist gezwungen, wirtschaftlich zu produzieren“, betont Rink. Das Ziel sei der Schulterschluss mit den Bauern.

Die Naturschützer haben schon Ideen: attraktive Zuschüsse, damit Acker- und Gewässerrandstreifen nicht bewirtschaftet werden, Pflegemodelle, um wieder artenreiche Blumenwiesen zu erhalten und einiges mehr. Dazu brauche es Fachleute, die gemeinsam mit Besitzern und Nutzern von Wiesen und Äckern ein Konzept entwickeln, um Anreize für die Pflege zu bieten und Ertragsausfälle auszugleichen. „Es muss an vielen Stellen was passieren“, erklärt Gerhard Rink. Den mit dem Aussterben der Insekten sei das gesamte Ökosystem in Gefahr.

Im Eislinger Rathaus rennen die Naturschützer offene Türen ein, wie Oberbürgermeister Klaus Heininger betont. „Wir werden dieses wichtige Thema offensiv im Gemeinderat einbringen“, erklärt der Rathauschef. Die Verwaltung strebe ein Konzept zum Einstieg an und werde vorschlagen,  im kommenden Jahr zwischen 25 000 und 50 000 Euro einzusetzen. Da das Land derzeit eine Studie zur Förderung der Artenvielfalt erarbeiten lasse, baut Heininger auf das eine oder andere Förderprogramm. Ziel müsse zumindest sein, dass Wiesen und Felder nicht bis an den Rand bewirtschaftet werden. Heininger weist allerdings darauf hin, dass die Kommune bei allem guten Willen an Grenzen stößt: „Alles, was wir jetzt machen, ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wir müssen mal anfangen.“

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