Mit Lampenöl fing bei Zeller und Gmelin alles an

Die Gebäude der Firma Zeller und Gmelin prägen das Erscheinungsbild der Stadt Eislingen mit. Der Backsteinbau und verschiedene andere Teile des Fabrikareals stehen inzwischen unter Denkmalschutz.

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  •  Die ehemalige Wirkungsstätte der früheren Mitarbeiter von ZG. 1/2
     Die ehemalige Wirkungsstätte der früheren Mitarbeiter von ZG. Foto: 
  • Von links: Armin Vogel und Walter Erhard, beide einstige Produktionsleiter der Firma, außerdem der ehemalige Verkaufsleiter Helmut Groh sowie Kurt Sihler, früher in Labor und Entwicklung tätig, sowie Karlheinz Hammes aus der Abteilung Labor und Gefahrgut. 2/2
    Von links: Armin Vogel und Walter Erhard, beide einstige Produktionsleiter der Firma, außerdem der ehemalige Verkaufsleiter Helmut Groh sowie Kurt Sihler, früher in Labor und Entwicklung tätig, sowie Karlheinz Hammes aus der Abteilung Labor und Gefahrgut. Foto: 
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"Wir waren wie eine Familie", sinniert Walter Erhardt, der einst Produktionsleiter bei der Firma Zeller und Gmelin (ZG) war. Einmal im Vierteljahr trifft er sich mit anderen "Ehemaligen" zum Stammtisch. Karlheinz Hammes bestätigt: "Wir haben zusammengehalten und Freud und Leid geteilt. Die Laborbesatzung war eine eingeschworene Gemeinschaft und die ZG eine sehr soziale Firma."

Der älteste der Herren, die gern gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, ist Kurt Sihler mit seinen 90 Jahren. Er ist schon seit 30 Jahren in Rente, erinnert sich aber bestens an sein Berufsleben bei ZG. Zwischen 1938 und 1986 arbeitete er im Labor und in der Entwicklung. "Die ZG war nach dem Krieg groß im Geschäft mit Metallbearbeitungsölen und Textilölen für Webereien, die auswaschbar sein mussten", erzählt er und weiß von Metallbearbeitungsmitteln zum Ziehen von Kupferdrähten und der Herstellung von Obstbaumkarbolineum für Gärtner und Bauern zu berichten. Er gesteht, dass das Labor in den Kriegs- und Nachkriegsjahren häufig auch privaten Zwecken diente. "Haarwasser, Ringelblumensalbe, Schmierseife, und natürlich Schnaps", schmunzelt er.

Wie mit der ZG einst alles begann, weiß Sihler trotz seines hohen Alters auch nur vom "Hörensagen". Bereits 1855 fand Theodor Zeller heraus, dass sich aus dem Eislinger Schiefer Lampenöl gewinnen ließ. Zusammen mit seinem Vater und drei Freunden gründete er die Schieferölfabrik Zeller, Haltiner & Cie. Das Unternehmen bestand nicht lange, denn bald eroberte das billigere Petroleum die Stuben.

1863 übernahm Albert Zeller die Ländereien und Immobilien des Bruders und machte sich an die Verwirklichung seiner Pläne, deren Ziel die Schieferöldestillation war und das Heizen mit Schiefer in Gang zu bringen. Zwei Hochöfen aus Backsteinen wurden gebaut und im November 1865 wurde ein Dampfkessel in Betrieb genommen. Dann wurde mit 20 Schieferöfen und 17 Retorten von Gusseisen der Betrieb aufgenommen. Um sein Geschäft voranzubringen, nahm Zeller 1866 den Stuttgarter Apotheker Paul Gmelin als Teilhaber auf und ließ die Firma "Zeller & Gmelin, Mineralölfabrikation in Großeislingen" ins Handelsregister eintragen. Haupterzeugnis waren Maschinenöle aller Art. 1875 starb Gmelin, die Firma ging in den alleinigen Besitz von Albert Zeller über, der fortan von seinem Schwager Gottlob Weitbrecht unterstützt wurde.

Als Zeller 1881 mit nicht einmal 50 Lebensjahren starb, brach für seine Frau Julie eine schwierige Zeit an. Unterstützt von ihrem Bruder und den Mitarbeitern übernahm sie die Führung, bis Sohn Julius 1889 mit 23 Jahren in das Unternehmen eintrat. Er setzte zwischen 1900 und 1913 wichtige Marksteine auf dem Weg zur Großfabrikation. Der Erste Weltkrieg unterbrach die Aufwärtsentwicklung. Julius Zeller entschloss sich, die Fabrikation der Gewinnung von Schmierölen aus dem heimischen Ölschiefer wieder aufzunehmen. Wieder wurden neue Gebäude und Produktionsanlagen erstellt und eine Seilbahn als Förderanlage von den Schieferbrüchen im Täle zum Werk installiert. 1920 starb Julius Zeller mitten in den Krisenjahren. Seine Frau Anna führte die Firma weiter, bis ihre Söhne Alfred und Otto1939 die Geschäftsführung übernahmen.

"Bis zur Agenda 2000 waren Entwicklung und Produktion zusammen" erzählt Helmut Groh, der lange Verkaufsleiter war. "Erst dann wurde das Entwicklungslabor abgesondert. Früher arbeiteten da höchstens zehn Leute. Heute sind es rund 40, davon fünf Akademiker. Wir hatten damals vier Standbeine: Schmierstoffe mit Tankstelle, Druckfarbenabteilung, Kaltasphalt und Straßenbau sowie Olsan Raumpflegemittel."

Armin Vogel, einst Produktionsleiter bei ZG und ein Enkel des ehemaligen Eislinger Bürgermeisters Julius Vogel, weiß zu berichten, dass bei seinem Großvater häufig Beschwerden wegen des "ortsüblich-spezifischen Geruchs" eingingen. "Doch das hat sich längst erledigt. In den letzten Jahrzehnten hat ZG über drei Millionen investiert." Globalisierung, Niederlassungen, ein Werk für Ziehmittel in China, eine eigene Abteilung für Fluidmanagement, Anwachsen der Mitarbeiterzahl - die ZG, die sich heute auf Industrie- und Autoschmierstoffe sowie Druckfarben konzentriert, schreibt noch immer Erfolgsgeschichte. Den Herrenstammtisch freut's. Genau wie die alljährlich stattfindende Rentnerweihnachtsfeier, zu der immer um die 100 Ehemalige kommen.

Globales Unternehmen

Geschichte: Die lange Geschichte der Zeller und Gmelin GmbH und Co. KG reicht bis ins Jahr 1866 zurück. Der Stuttgarter Apotheker Paul Gmelin und der Pfarrerssohn Albert Zeller taten sich zusammen mit der Idee, Öl aus den Schiefervorkommen der Schwäbischen Alb zu gewinnen. Mit Brennstoff für Petroleumlampen feierten sie erste Erfolge. Bald kamen Schmierstoffe für einen aufstrebenden Automobilhersteller - ein Unternehmen namens Mercedes - hinzu.

Gegenwart: Heute produziert Zeller und Gmelin viele hundert Industrieschmierstoffe, Druckfarben und chemische Produkte. Am Stammsitz in Eislingen sowie in 16 Tochterunternehmen weltweit arbeiten mehr als 800 Mitarbeiter. SWP

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