Lesefutter für Genießerinnen

Zum 20-jährigen Bestehen der "eislinger-frauen-aktion" empfehlen Efa-Frauen noch bis zum 25. Juli ihre Lieblingsbücher im Café Naschkatze.

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Ganz unterschiedliche Lieblingsbücher präsentierten die Efa-Frauen im Café Naschkatze in Eislingen.  Foto: 

"Was lesen Efa-Frauen? Können Efa-Frauen lesen?", Monika Jirouschek hat die Lacher auf ihrer Seite. 10 Uhr: Der Schweiß fließt, der Einladung "Bücher im Café - Efa-Frauen empfehlen ihre Lieblingsbücher" sind viele Damen und ein Herr gefolgt, der Lesestoff steht fein aufgereiht im Regal. Die Vorsitzende blickt kurz zurück. Erinnert an die Nacht der Poetinnen, an diverse Lesungen, erzählt von der Idee des Bücherschaufensters, der Enttäuschung, weil es damit nicht klappte. Dann schließlich die neue Idee, ein Experiment, das Interesse an Literatur mit einem Besuch im Café zu verbinden. Und Kenner wissen ja: Haben sich die Efa-Frauen etwas in den Kopf gesetzt, ziehen sie es auch durch.

Nicht nur dass Bücher ein wichtiges Kulturgut seien, so gebe es im Verein auch Schriftstellerinnen, verrät Monika Jirouschek. Sie nennt Christine Schlenker, die sich dem Thema Pflege widmete, Doris Schmidt-Bergholz, bei der Betroffene ihren Weg "Durch den Krebs" erzählen sowie die mehrfach ausgezeichnete Tina Stroheker und ihren Eislinger Poetenweg. Und letztere hielt eine beeindruckende Laudatio auf diese Medium. "Bücher! Können wir nicht wirklich dankbar sein? Jede von uns kann so viele Bücher lesen, wie sie möchte. Das ist doch etwas. Das ist ganz viel", betont sie und berichtet von beeindruckenden Geschlechtsgenossinnen. Von Rosa Luxemburg und ihrer Leidenschaft zu Büchern, die ihr in der engen Gefängniszelle Lebenswille gaben oder von Alice Walker, einer schwarzen, für die Bürgerrechtsbewegung kämpfende Frau. "Auch Bücher können Wegweiser sein oder wie ein Schweizer mal sagte: Ein gutes Büchli ist der Seel' ein Küchli", so Tina Stroheker, die sich für "Salz und sein Preis" von Patricia Highsmith entschieden hat. "Ein unglaublicher Roman für diese Autorin. Es stirbt ausnahmsweise mal niemand, vielmehr ist es ein lesbischer Liebesroman, der 1952 unter dem Pseudonym Claire Morgan bereits herauskam. Sehr mutig und beeindruckend für diese Zeit."

In der Vermögensberater- und Bankenwelt spielt Birgit Hummlers Regio-Krimi "Crashkurs", den Efa-Kassiererin Gerlinde Nischwitz im Gepäck hatte. Arbeitet sie gerade nicht im Efa-Frühstücks-Café Talx, reist Sylvia Dudium zumindest gedanklich ins mysteriöse, viktorianische England und folgt Barbara Woods "Lockruf der Vergangenheit". Schwere sowie hochaktuelle Kost, gut aufbereitet von Alice Schwarzer, hat Leni Breymaier mitgebracht: "Prostitution. Ein deutscher Skandal. Was die meisten nicht wissen, Deutschland ist der Puff Europas und Baden-Württemberg der Puff Deutschlands", betont sie. Für eine Biographie über Marlene Dietrich hat sich Vorlesepatin Sigrid Holl entschieden, die Lesen für sehr wichtig hält. Auch Herta Hildenbrand plädiert dafür, dass Mütter ihren Kindern wieder öfters vorlesen sollen: "Das darf man nicht unterschätzen." Nun wünschen sich die "Efas", dass bis zum 25. Juli noch viele weitere Frauen lesen, schmökern und plaudern.

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Kommentare

06.07.2015 20:21 Uhr

BW = Puff Deutschlands?

In Baden-Württemberg ist Prostitution nur in Städten mit mehr als 35.000 Einwohnern erlaubt. NRW kennt solche Grenzen nicht. Warum soll deshalb ausgerechnet unser Land "Der Puff Deutschlands" sein? Und Deutschland der Puff Europas? Komisch, nicht mal das Statistische Bundesamt oder die Polizei kennt belastbare Zahlen. Nur Frau Schwarzer. Schade, dass dieses Buch bei Efa überhaupt Erwähnung findet.

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