Landschaftsbilder aus dem Dschungel

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Paul Kottmann, der Vorsitzende des Kunstvereins Eislingen, vor einem Bild von Johannes Schießl.  Foto: 

Nichts geht mehr. Vorne, hinten, mittendrin alles zu. Keine Chance zur Umkehr. Wohin auch? Funkelndes, magisch anziehendes Licht und Leuchten hält die Sinne gefangen, macht ringsum dicht und eine Spurensuche oder Orientierung unmöglich. Das Auge stößt an seine Grenzen, findet sich nicht mehr zurecht. Signalisiert dem Verstand da einen Baum, dort ein Gebäude, einen Weg. Ohnehin erst auf den zweiten Blick. Nach nur einem Wimperschlag ist auch das wieder verschwunden.

So dicht, so kompakt, so undurchdringlich wie der Nürnberger „Landschaftsmaler“ Johannes Schießl den Dschungel im Amazonasgebiet empfunden und wahrgenommen haben muss, so verdichtet und komprimiert sind seine gemalten Bilder, die derzeit beim Kunstverein Eislingen zu sehen sind.. Alles wie ein gewaltiger, sich beständig verändernder, sinnlicher wie innerlicher Vulkan aus Farben und Formen. „Transferierung in Zeiten der Malaria“ nennt der Nürnberger Künstler seine Ausstellung beim Eislinger Kunstverein.

Mit herkömmlicher Landschaftsmalerei, mit Kulturlandschaften, Städten, Architekturen oder Fabriklandschaften hat das alles nichts zu tun. Schießl will kein Leben aus zweiter Hand, wie er betont. Keines, das Landschaft und Natur banal bannt und fotografisch fixiert, auf lediglich zwei Dimensionen geruchs- und geräuschlos reduziert. Reduzieren im Sinne von Abstrahieren schon. Dann aber voller leidenschaftlicher maltechnischer Verdichtung und Transformation.

1981 in Regensburg geboren, lebt und arbeitet Johannes Schießl in Nürnberg. Als Landschaftsmaler hat er Vietnam und Chile, Schottland und die Ostalpen bereist. Im Jahre 2012 nach einem Aufenthalt in Panguana, im tropischen Regenwald von Peru begann er in einer totalen Kehrtwende, Landschaftsmalerei nicht mehr realistisch zu interpretieren.

Schießl formt häufig zuerst seine Malflächen, bevor er darin zu arbeiten beginnt. Gestaltet den Maluntergrund zu Blankolandschaften. Montiert Holz, Karton oder Plastikfolie zusammen mit Leinwand, die er dann bemalt, über und über mit Farben beschichtet, mit Wortgedanken befrachtet. Dem Betrachter hilft er mit ausgefallenen Bildertiteln wie „Kopffrühling“, „Rumble in the Jungle“ oder „Gestehe, dass Du frei bist“, immer wieder neu zu assoziieren, neugierig seiner Fabulierkunst zu folgen.

Trotz der zahlreichen, zum Teil eher kleinformatigen und bei abstrahierter Malerei eher ungewöhnlichen Werken ist die Esilinger Ausstellung nicht überladen. Ungewöhnlich ist auch die Hängung: Der große Ausstellungsraum lässt den Bildern viel Freiraum. Bei aller schier auswegloser Verdichtung in Schießls Bildern: Mit feiner und harmonischer Farbfindung sind sie geprägt von einer wunderbaren Leichtigkeit, ohne einzuengen oder den Betrachter zu bedrücken. Hans Steinherr

Info Ausstellung in der Alten Post, Bahnhofstraße 12, in Eislingen. Öffnungszeiten: Di. bis Sa. 16-18 Uhr; So. und Feiertag 14-18 Uhr. Letzter Ausstellungstag: 15. Oktober.

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