Kirche an vielen Orten entdecken

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Im großen Sitzungssaal des Eislinger Rathauses geht es am 3. Mai ausnahmsweise einmal nicht um Kommunalpolitik. Statt Finanzen, Stadtentwicklung oder Bebauungspläne steht die Bekehrung des Saulus im Mittelpunkt. Genauer gesagt, besagter Bibelabschnitt (9,1-22) der Apostelgeschichte, den Oberbürgermeister Klaus Heininger vorlesen wird. Der Ratssaal ist einer von vielen verschiedenen Orten, an dem die Bibel zwischen Ostern und Pfingsten in Eislingen Station machen wird.

„Eislingen liest die Apostelgeschichte in 50 + 1 Tag“ heißt die gemeinsame Aktion der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Eislingen. Die Grundidee für das Angebot, zu unterschiedlichen Zeiten und an teils ungewöhnlichen Orten gemeinsam einen Abschnitt aus der Bibel zu lesen, sei von der Diözese Rottenburg-Stuttgart ausgegangen. Diese habe den Prozess „Kirche am Ort“ angestoßen, erklärt der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St.Markus-­

Liebfrauen, Bernhard Schmid.

Der katholische Seelsorger hat die Idee dem Ökumeneausschuss vorgetragen. „Wir haben in Eislingen seit vielen Jahren eine gute ökumenische Zusammenarbeit“, betont Schmid. Der Gedanke, Kirche an vielen Orten zu gestalten, sei mit großer Offenheit aufgenommen worden. Kirche finde eben nicht nur in den Räumen der Gotteshäuser statt, sondern ereigne sich an vielen Orten – von der eigenen Wohnung bis in die große Öffentlichkeit, so der Pfarrer.

Der Aufruf, allein oder in Gruppen das Evangelium weiterzusagen und Kirche zu gestalten, sei in den Kirchengemeinden auf große Resonanz gestoßen. „Ich bin völlig überwältigt, dass es in kurzer Zeit gelungen ist, für jeden der 51 Tage eine Person oder eine Gruppe zu finden, die offen einlädt, gemeinsam aus der Apostelgeschichte zu lesen“, sagt Schmid. Inzwischen gebe es für einige Tage sogar zwei Angebote. So könne ein 51 Tage dauernder Weg der Bibel durch Eislingen entstehen. Bildhaft werde dies auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass eine Bibel von Station zu Station weitergegeben wird.

Die ökumenische Aktion beginnt am Ostersonntag und endet am Pfingstmontag. Ob am Sauerbrunnen oder bei einem Aussiedlerhof, am TSG-Sportzentrum, vor der Flüchtlingsunterkunft, auf dem Schlossplatz, in der Kneipe oder hoch über Eislingen auf dem Turm der Liebfrauenkirche, um 5 Uhr früh oder spätabends – die Zeiten und Orte der Lesungen sind vielfältig und zum Teil ungewöhnlich.

Mit den Lesungen „bekommt auch die Osterzeit, die ja bis Pfingsten dauert, einmal einen besonderen Akzent“, wird Pfarrerin Kerstin Hackius von der evangelischen Lutherkirche in einer Pressemitteilung zitiert.

In den katholischen Gottesdiensten werden die Lesungen während der Osterzeit immer aus der Apostelgeschichte entnommen. Diese erzählt, wie die Jünger Jesu nach Himmelfahrt und Pfingsten von Jerusalem in die Welt hinausgehen. Wer der Frage nachgehe, wie Kirche entsteht, könne in der Apostelgeschichte interessante Entdeckungen machen. Da gehe es um Erfolge und Rückschläge, die Erfahrung von Einmütigkeit und den Umgang mit Konflikten, alles Themen, die Christen neben der Frage, wie es mit der Kirche und dem Glauben weitergehe, noch heute bewegten. Die Initiatoren der Aktion freuen sich auf die Lesungen, die zur Auseinandersetzung mit Kirche und Glaube einladen sollen: „Das wird auch für uns sehr spannend“, meint Pfarrer Schmid.

Info Die Aktion „Eislingen liest die Apostelgeschichte in 50 +1 Tagen“ beginnt beim Ostervesper am Ostersonntag um 19 Uhr in der Kirche St. Markus. Die weiteren Orte und Termine sind zu finden unter: www.katholische-kirche-eislingen.de

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