Grillstelle in Eislingen wird geschlossen

Diebstähle, Vandalismus, Verschmutzung. Die Stadt Eislingen zieht die Reißleine und lässt den Grillplatz bei der Saurierbrücke abbauen.

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So aufgeräumt sieht es in der wärmeren Jahreszeit selten aus. Zum Ende dieses Jahres wird die Grillstelle bei der Eislinger Saurierbrücke abgebaut.  Foto: 

Die Zustände, sind untragbar“, die Liste der Vergehen, die Eislingens Oberbürgermeister Klaus Heininger den Stadträten in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt vortrug, ist lang. Seit etwa zwei Jahren hätten die Probleme an der Grillstelle bei der Saurierbrücke massiv zugenommen.

Verschmutzungen durch Glasscherben, zurückgelassene Bierbänke, Getränkekisten oder Pavillons, die der Bauhof während der wärmeren Jahreszeit manchmal mehrmals pro Woche entfernen müsse, lesen sich gegenüber der großen Reihe weiterer Vergehen vergleichsweise harmlos. Wenn das von der Kommune bereitgestellte Brennholz verfeuert ist, bedient man sich in der Nachbarschaft und räumt dort Brennholzstapel ab. Auch der Wald bleibt nicht verschont. Dort würden Jungbäume regelmäßig mit roher Gewalt abgeholzt, als Eigner des Platzes habe die Stadt einem Privatwaldbesitzer schon 2000 Euro Schadensersatz zahlen müssen. Auch von den Obstbäumen auf der Wiese beim Grillplatz seien von ursprünglich fünf nur noch zwei übrig.

Regelmäßige Kontrollen des städtischen Vollzugsdienstes –  auch abends – und Appelle an die Nutzer verpufften. Die Stadt zieht deshalb die Reißleine und baut die Grillstelle zum Jahresende ab. Sie könne an dieser Stelle nicht mehr aufrecht erhalten werden, lautete Heiningers Fazit.

Die Mehrheit der Stadträte hatte den Ausführungen des Rathaus­chefs nichts hinzuzufügen. „Wir haben wahrscheinlich keine andere Möglichkeit. Wir wollten was für Familien schaffen und einige machen es kaputt“, meinte der CDU-Fraktionsvorsitzende Manfred Strohm. Wie sein Ratskollege Peter Ritz, Vorsitzender der SPD-Fraktion, war Strohm aber der Meinung, dass sich die Kommune Gedanken darüber machen müsse, wo andere Plätze für Familien geschaffen werden können. Das sei nicht einfach, „wir tun uns furchtbar schwer, einen Platz zu finden“, sagte Baubürgermeister Jürgen Gröger.

Gegenrede kam von SPD-Stadtrat Uwe Reik: „Wir kapitulieren vor ein paar Halbstarken“, so Reik. Es gebe kaum Grillplätze in der Umgebung Eislingens, die Kommune solle ihr Bemühen, die Vergehen zu unterbinden, verstärken. Ähnlich argumentierte Hans-Jörg Autenrieth (CDU): „Wir sollten nicht so schnell aufgeben.“ OB Heininger merkte an, die Stadt habe alles versucht, „wir haben uns das nicht leicht gemacht“. Bei zwei Gegenstimmen ist die Schließung der Grillstelle beschlossene Sache.

Ein KOMMENTAR von Helge Thiele: Dreist und dumm

Manches könnte so einfach sein – und ist es leider doch nicht. Da leben wir in einer wundervollen Landschaft mit hohem Freizeitwert und können  viele herrliche Spazier- und Wanderwege nutzen. Und wir haben die Möglichkeit, an idyllisch gelegenen Grillstellen eine Rote Wurst oder Stockbrot übers Feuer zu halten. Doch die Zahl solcher Anlaufpunkte nimmt ab. Die Kommunen haben die Nase voll. Denn immer wieder hinterlassen Menschen dort Berge von Abfall und zerstören den Grillplatz. Das ist rücksichtslos und dumm, denn die Vandalen und Müllsünder stehlen uns allen – und sich selbst – Orte der Nah­erholung. Apropos stehlen: Am Grillplatz bei der Saurierbrücke haben unerwünschte Besucher sogar im Wald gewütet, haben Bäume herausgerissen, um Feuer zu machen und die Dreistigkeit besessen, sich auch noch am privaten Brennholz der umliegenden Nachbarn zu bedienen. Zum Fremdschämen! Dass die Stadt Eislingen die Reißleine zieht und die Grillstelle zum Jahresende abbaut, ist einerseits verständlich, andererseits eine Bankrotterklärung. Von einer Kapitulation vor ein paar Halbstarken sprach Stadtrat Uwe Reik. Die Frage lautet:
Sind es wirklich nur ein paar?

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