„1 Euro Ticket“ ist erfolgreicher als gedacht – jetzt wird es teurer

Das im vorigen Jahr in Eislingen eingeführte „1-Euro-Ticket“ ist erfolgreicher als kalkuliert worden war. Die Stadt muss daher den Zuschuss erhöhen.

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Mehr und mehr Eislinger nutzen das 1-Euro-Ticket, das es den Fahrgästen ermöglicht, für wenig Geld im Eislinger Stadtgebiet Bus zu fahren. Bei Eislinger Stadträten und der Verwaltung ist von einem „Erfolgsmodell“ die Rede. Die Zahl der Nutzer der Busse in Eislingen ist seit Januar 2016, als die Fahrkarte eingeführt wurde, stark gestiegen. Im vorigen Jahr wurden in Eislingen 39 000 Einzelfahrscheine verkauft, hat die Stadtverwaltung am Montag im Ausschuss für Umwelt und Technik berichtet. Im Jahr vor der Einführung seien in der Stadt nur 27 000 Einzelfahrscheine mit einer Zone verkauft worden.

Da die günstigen Fahrkarten, die im Filslandverbund regulär 2,20 Euro kosten würden, auf einen Euro heruntersubventioniert werden, steigen mit der Zahl der Nutzer auch die Ausgaben für die Stadt. Die Stadt rechnet im laufenden Jahr mit Kosten in Höhe von 31 000 Euro. Dazu gehört neben dem Zuschuss für das Einzelticket auch eine Förderung der Schülermonatskarten für Kurzstrecken (Abo U3) in Höhe von 50 Euro. Damit will die Stadt verhindern, dass die Schüler auf die „1-Euro-Tickets“ umsteigen. Von diesen Schülerfahrkarten werden knapp 100 im Jahr abgesetzt. Das ist laut Verwaltung ein Anstieg um 15 Prozent seit der Zuschuss eingeführt wurde.

Oberbürgermeister Klaus Heininger kündigte im ATU an, das Erfolgsmodell für Kurzstrecken dem Landkreis zu empfehlen. Es gebe auch andere Kommunen, die Interesse hätten. Namentlich genannt wird die Stadt Göppingen. Der OB, der in den Kurztickets und im Radwegenetz „Beiträge zur Vermeidung des Individualverkehrs“ sieht, hofft dass dann der Kreis zumindest einen Teil der Kosten trägt. Den „großen Wurf“ erwartet er mit der Vollintegration des Kreises in den Verkehrsverbund Stuttgart, wenn für den öffentlichen Nahverkehr nur noch ein Ticket benötigt werde. Bis dahin könne ein Kurzstreckenticket nach Eislinger Vorbild  für den Landkreis ein Übergangsmodell sein.

Gegen die Verlängerung des „1-Euro-Tickets“ stimmte Willy  Hörmann (FW), weil es nicht in Krummwälden und Eschenbäche gilt. Dies sei nicht möglich, weil die Buslinie in Richtung der Eislinger Teilorte über Salach fährt, erläuterte der Leiter des Planungsamts, Dirk Ringleb. Holger Haas (Grüne), Manfred Strohm (CDU) und Peter Ritz (SPD) lobten das Kurzfahrticket. Es sei aber traurig, meinte Haas, „dass die OVG nicht selbst innovative Ideen entwickelt“.

Ein KOMMENTAR von Daniel Grupp: Im Landkreis einführen

Wer den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen möchte, muss über die Kosten der Fahrkarten nachdenken. Vor allem der Preis für kurze Fahrten im Filslandverbund ist unverhältnismäßig hoch. Das günstigste Ein-Zonen-Ticket kostet schon 2,20 Euro, meist müssen sogar mindestens zwei Zonen für 2,80 Euro gekauft werden, etwa  in Lauterstein zwischen Nenningen und Weißenstein oder von Grünbach nach Donzdorf.

Im Vergleich zu Göppingen, wo die gesamte Kernstadt nur eine Zone ist, ist die Busfahrt auf dem Land vergleichsweise teuer. Dass aber niedrige Preise die Bürger in die Busse locken, zeigt der Erfolg des Eislinger „1-Euro-Tickets“. Dort ist die Zahl der Fahrgäste viel stärker gestiegen als die Stadt kalkuliert hatte. Günstige Fahrkarten locken offensichtlich die Menschen in die Busse.  Der Landkreis sollte daher auf den Eislinger Vorstoß eingehen und in Filsland weitere Strecken, etwa zwischen Ortsteilen, mit niedrigen Preisen attraktiver machen.

Ein Manko ist allerdings, dass mit dem Erfolg eines Billigtickets die Zuschüsse steigen. Je mehr Fahrgäste mitfahren, desto mehr muss Eislingen nachschieben. Das ist wenig marktwirtschaftlich. Sobald eine bestimmte Fahrgastzahl erreicht wird, müsste eigentlich der Zuschuss pro verkauftem Ticket sinken, weil die Auslastung der Busse gestiegen ist.

Finanzierung Das Einzonenticket in Filsland kostet 2,20 Euro. Das Eislinger Kurzticket ist 120 Cent billiger. Vom Abschlag übernehmen die Stadt 59 Cent, die Busunternehmen OVG und RBS 61 Cent. Je erfolgreicher das Modell ist, desto höher steigt der Gesamtzuschuss durch die Stadt, obgleich die Busse besser ausgelastet werden. 

Schülerkarte Mit 50 Euro bezuschusst die Stadt das Schüler-Abo U3, damit diese Fahrkarte gegenüber dem „1-Euro-Ticket“ weiterhin attraktiv bleibt. 

Steigerung Nach der Einführung der günstigen Fahrkarte stieg im Jahr 2016 der Verkauf der Einzelfahscheine um 45 Prozent.

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