Das Spielen bleibt verboten

Im Streit um die Nutzung einer Wiese am Eislinger Wohngebiet an der Adlerstraße zeichnet sich ein Kompromiss ab. Die Kinder sollen künftig auf dem Villányer-Platz kicken.

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Die umstrittene Fläche zwischen den Wohnhäusern an der Adlerstraße. Spielen soll dort weiterhin verboten bleiben. Der Rasen darf aber betreten werden.  Foto: 

Betreten erlaubt, Ballspielen verboten“ – diese Lösung hat die Eislinger Stadtverwaltung für die umstrittene Grünfläche in Verlängerung der Adlerstraße vorgeschlagen. Der Gemeinderat ist dieser Idee gefolgt. Gleichzeitig soll der Kinderspielplatz auf dem Villányerplatz aufgewertet werden. Dort soll die Möglichkeit, dass Kinder auch Fußballspielen, verbessert werden.

Weil immer wieder Kinder auf der Wiese zwischen den Häusern gekickt haben, ist es unter Anwohnern zu einem heftigen Streit gekommen. Während manche Eltern kein Problem damit haben, wenn ihre Kinder dort spielen, beklagen manche Anwohner, dass Bälle auf Terrassen oder gegen Hauswände fliegen. Sie stört auch der Lärm. Man habe sein Haus doch nicht am Ortsrand an einem Grünzug gekauft und dann werde daraus ein Spielplatz gemacht, beklagen sich Anwohner. Die Grünfläche, die im Bebauungsplan als hainartige Wiese bezeichnet wird, dient als  Ausgleichsfläche für den Natureingriff durch das Baugebiet. In der Mitte der Fläche hat die Stadt eine Art Tümpel angelegt, der von vielen Büschen und kleineren Bäumen umgeben ist.

Diese Ausgleichsfläche darf bisher eigentlich nicht betreten werden. Dies hängt aber nicht damit zusammen, dass es sich um ein Biotop handelt, wie manche Stadträte argumentiert haben. So trat Peter Ritz (SPD) dafür ein, dass „das Ausgleichsbiotop geschützt wird“. Andreas Cerrotta  und Eckehard Wöller (beide Freie Wähler) warnten davor, die Ausgleichsfläche zur Disposition zu stellen, indem dort gespielt werden darf. „Das ist Planungsrecht, nicht Ordnungsrecht“, sagte Wöller.

Das hat allerdings mit dem bisherigen Betretungsverbot der Wiese nichts zu tun, erläutert Bürgermeister Jürgen Gröger auf Nachfrage. „Eine Ausgleichsfläche ist nicht automatisch ein Biotop.“ Auch sei es nicht verboten, solche Flächen zu betreten.

In Eislingen gilt allerdings eine Sonderregel. Dort ist es per Polizeiverordnung generell verboten, öffentliche Grünflächen zu betreten, egal ob Wiese oder Biotop. Es sei denn, das Betreten einer konkreten Fläche ist ausdrücklich erlaubt. Daran möchte die Stadtverwaltung auch festhalten. Sie plant aber,  weitere Flächen nach und nach zum Betreten freizugeben, kündigten Oberbürgermeister Klaus Heininger und Gröger, in dessen Dezernat das Ordnungsamt angesiedelt ist, an.

Daran stört sich zum Beispiel die CDU-Fraktion: Manfred Strohm regte an, das generelle Nutzungsverbot nicht aufrecht zu halten. Erich Schwendemann erinnerte daran, dass die Grünflächen alle mit Steuermitteln finanziert wurden. „Es ist nicht begreifbar. Alle Eislinger Grünflächen sollten betreten werden dürfen.“ Er regte an, die Polizeiordnung zu ändern.

Im konkreten Fall soll die Wiese für spielende Kinder weiterhin tabu bleiben. Nach Heiningers Ansicht haben „Anlieger einen gewissen Anspruch“, dass es so bleibt, wenn Grünflächen ausgewiesen sind und „nicht als Spiel- und Bolzplätze verwendet werden“.

Fangnetz und neue Spiele

Der OB sprach von einem „Kompromiss“, da die Fläche künftig betreten aber nicht bespielt werden darf. Aus Sicht der Verwaltung stehen den nur geringen Vorteilen für die Kinder gravierende  Nachteile für die Nachbarn gegenüber.  Zumal in der Nachbarschaft auf dem Villányer-Platz das Spielangebot verbessert wird. Dort sollen nun 18 000 Euro investiert werden.

Diese Entscheidung fiel den Stadträten und der Verwaltung um so leichter, da sich per Unterschriftensammlung auch Kinder aus diesem Viertel an die Stadt  gewandt haben. Sie wünschen sich eine Aufwertung des Villányer-Platzes. Dort werde ohnehin schon Fußball gespielt, auch von Kindern aus dem Umfeld der umstrittenen Wiese. Die Stadt möchte dort ein Ballfangnetz, eine Tischtennisplatte und ein neues Klettergerüst installieren.

Manfred Strohm sprach von einer erfreulichen Initiative. Andreas Cerrotta war ebenfalls für die Aufwertung des Platzes. Peter Ritz findet die Aufwertung des Villányer-Platzes „gut“. Er erinnert sich aber auch an frühere Beschwerden, die  von Anliegern des Vogelgartens kamen.

Ulrike Haas (Grüne) stimmte zwar dem Vorgehen zu, meinte aber, dass ihr das Ergebnis „Bauchschmerzen“ bereite. Kinder und Familien seien „wesentliche Merkmale“ der Stadt. Es gebe nun mal das „Lebensrisiko“, dass da spielende Kinder sind, wo man wohnt. Das Ergebnis dürfe nicht sein: „Wer laut genug schreit, kann Kinder verdrängen.“

Kommentar von Daniel Grupp: Betreungsverbot abschaffen

Gut, dass sich im Eislinger Streit um die Wiese ein Kompromiss abzeichnet. Vielleicht lässt sich so der Konflikt unter den Nachbarn befrieden. Das täte allen gut. Zumal sich auch die Kinder aus dem Gebiet für die Lösung mit dem Villányer-Platz stark gemacht haben. Hoffentlich bremsen jetzt nicht andere Anwohner.

Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl zurück. Es war von vorneherein Unfug, die Wiese nicht betreten zu dürfen. Wenn das Gras gemäht ist, eignet sich die kleine Fläche am Westrand hervorragend, um in kleiner Gruppe auf ein Tor zu kicken oder auch für Federball.

Schleunigst abschaffen sollte Eislingen im Übrigen sein obrigkeitsstaatliches Betretungsverbot von öffentlichen Flächen. Das passt überhaupt nicht zur freiheitlichen Grundordnung. Ein Betretungsverbot sollte die Ausnahme, nicht aber die Regel sein.

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