Chillen wie im Wohnzimmer

Wie gut, dass der Adler in Eislingen überlebt hat: Bei Pizza und Rockmusik genießen viele Stammgäste die familiäre Atmosphäre in dem kultigen Lokal.

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  • Gute Laune und ausgelassene Stimmung im "Adler D'Onofrio": Salvatore (rechts) und Tina D'Onofrio (zweite von rechts) mit der Band "Lost & Found". 1/3
    Gute Laune und ausgelassene Stimmung im "Adler D'Onofrio": Salvatore (rechts) und Tina D'Onofrio (zweite von rechts) mit der Band "Lost & Found". Foto: 
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Bei dieser handgemachten Rockmusik kann niemand still sitzen. Ein Ehepaar mittleren Alters wippt mit den Füßen, während es sich eine Pizza schmecken lässt. Ein älterer Herr steht auf und geht zu dem Sound der Göppinger Band "Lost & Found" voll mit. Ganz vorne sitzt eine Familie und unterhält sich, während ein verliebtes Pärchen offenbar die Welt um sich herum vergisst und Fotos von sich mit dem Handy schießt. Den Rosenverkäufer lassen sie trotzdem abblitzen. Wirt Salvatore D'Onofrio bahnt sich einen Weg durch die Tischgruppen und erkundigt sich bei seinen Gästen, ob alles in Ordnung ist.

Im "Adler D'Onofrio" in Eislingen herrscht familiäre Gemütlichkeit - das ist seit 35 Jahren so und hat sich auch unter der neuen Führung nicht geändert. Anfang 2015 haben Salvatore und Tina D'Onofrio den Adler übernommen, nachdem längere Zeit unklar war, wie es mit dem Traditionslokal weitergeht. Salvatores Eltern, Rita und Leonardo D'Onofrio, hatten nach 34 Jahren dem Adler Adieu gesagt und zusammen mit Tochter Maria Grazia Bruno und Schwiegersohn Enzo den frisch sanierten Marstall gegenüber übernommen. Die Zukunft des Adlers stand auf der Kippe - schließlich blieb das Kultlokal aber doch in Familienhand.

"Das war völliges Neuland. Wir sind quasi ins kalte Wasser gesprungen", erzählt Tina D'Onofrio. Ihr Mann Salvatore (45) ist selbstständig und hat einen Metall verarbeitenden Betrieb, wo er tagsüber arbeitet. Sie selbst ist Mutter von vier nahezu erwachsenen Kindern, Hausfrau und Buchhalterin der Firma. "Anfangs dachten wir, der Adler läuft so nebenher", sagt die 51-Jährige und lacht. "Jetzt wissen wir, dass das ein Full-Time-Job ist."

Doch die D'Onofrios haben es geschafft. "Wir sind beide sehr aufgeschlossene Menschen", nennt die Wirtin eines ihrer Erfolgsrezepte. Und sie spüren, was ihre Gäste wollen. Eigentlich sollte der Adler eher ein Pub mit Musikprogramm werden, in dem nur Getränke serviert werden. "Wir haben bald gemerkt: Das läuft nicht", erinnert sich Tina D'Onofrio. "Wir haben dann schnell aufgerüstet und Pizza angeboten." Heute gibt es wie in einer italienischen Trattoria alles - Salate, Antipasti, Pasta, Pizza. Und jeden Samstag Live-Musik. Das Konzept geht offenbar auf: "Wir sind zufrieden mit der Entwicklung."

Tina D'Onofrio kann sich heute kaum retten vor Band-Anfragen: "Wir sind ausgebucht bis März 2017." Das war jedoch nicht immer so. Anfangs habe sie nicht gewusst, wo sie sich hinwenden soll. Ihr Schwager Enzo habe ihr dann ein Sammelsurium an CDs in die Hand gedrückt. "Die habe ich ihm aber schnell zurückgegeben, weil es die meisten Bands gar nicht mehr gab", sagt die 51-Jährige und lacht. Erste zarte Bande knüpfte sie schließlich mit der Band "Déjà Vu" - und die Kneipe war voll. Uwe Keierleber vom gleichnamigen Gitarrenstudio in Eislingen schickte ihr schließlich eine Liste mit Musikgruppen und warnte sie: "Das wird ein Selbstläufer." Er sollte Recht behalten. Die Wirtsfamilie kann jetzt aus dem Vollen schöpfen - egal ob Rock, Pop, Country oder Akustik: Im Adler darf jeder auftreten. Das Lokal biete sich mit seiner Größe, Raumaufteilung und Akustik "perfekt" für Live-Musik an, schwärmt die Wirtin. "Mein Mann und ich - wir lieben es." Jeder Samstag sei etwas Besonderes, "aber es sind keine wilden Partys, die da steigen", betont Tina D'Onofrio, sondern eher "gechillte Musikabende", die ihre Zielgruppe 30 plus da genieße.

Genau so ist es auch an dem Abend, an dem "Lost & Found" spielt. Rockige, aber auch leise Töne, meist Selbstkomponiertes geben die Musiker zum Besten, die von Deep Purple, Foreigner, Saga und Uriah Heep beeinflusst werden. Die Gäste essen und unterhalten sich bei angenehmer Lautstärke, einer steht auf und tanzt. Ein Eislinger, der an diesem Abend ganz spontan im Adler vorbeischaut und sich eine italienische Vorspeisenplatte schmecken lässt, ist begeistert: "Die Atmosphäre im Adler ist wie früher, das ist super."

Info Diesen und alle weiteren bisher erschienenen Beiträge zur Musikkneipen-Serie samt Bildern und einem Leitartikel zur Göppinger Bandszene gibt es

online unter: www.swp.de/musikkneipen.

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