Badisch-schwäbisches Kabarettin Eislingen

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Einen unterhaltsamen Kampf der Kulturen lieferten sich der Badener Martin Wangler alias Fidelius Waldvogel und die Schwäbin Heike Sauer alias Marlies Blume in der Stadthalle Eislingen.  Foto: 

Vor 65 Jahren wurde Baden-Württemberg gegründet. Gerade mal halb so lange ist es her, dass das Ländle von einem Weinpansch-Skandal erschüttert wurde. Nach dem Kabarettabend „Das BaWü-Menü – zum Fressen gern!“ wird man das schale Gefühl nicht los, dass beide Ereignisse nun zusammengefunden haben. Im Edeltroll. Der netzaffine Mensch von heute fürchtet den Troll, die anspruchsvollere Variante böser Internetaktivisten. Der Kulturmensch weiß: Es kann sich nur um eine eigens für das Jubiläumsprogramm kreierte Kombination von Gutedel und Trollinger handeln. Ein rosafarbener Wein zum einzig erzeugten Cuvee der bundesdeutschen Länderlandschaft. Schmeckt allen ein bisschen, aber keinem richtig. Der perfekte Wein zum Land also. Das Menü zum eigenwilligen „Einheitswein“ liefern Martin Wangler alias Fidelius Waldvogel und Heike Sauer alias Marlies Blume.

Wer Zwangsheirat hört, denkt vermutlich eher an Kreuzberg als an den Feldberg. Doch als eben jene unfreiwillige Beglückung empfanden viele Altbadener die Länderneugliederung im Jahre 1952, aus dem der Südweststaat entstand. Fremdbestimmte Partnerschaft im Zeichen des Bollenhuts. Als äußeres Zeichen hatte Marlies Blume sich und ihrem Partner – rosa, natürlich! – Plüschhandschellen angelegt. Die sind an diesem Abend für beide über weite Strecken nötig, um zusammenzubleiben, denn verbale Schlachten schaffen Gräben und viele lustige Momente. Erfindungen, prominente Söhne des Landes, Naturschönheiten, alles mögliche werfen sich die Partner um die Ohren. Gegen Fischer-Dübel und Hollywood-Gründer Lämmle werden der erste grüne OB und der gelbe Sack ins Feld geführt. Gar nicht mehr entspannt zeigt sich Fidelius Waldvogel, der anfangs noch mit dem Erbe der 48er-Revolution in den badischen Genen Freiheit, Gleichheit, Gemütlichkeit ausgerufen hat und damit den Widerpart zum schwäbischen Wirbelwind und deren „KKK-Credo“ von Kehrwisch, Kutterschaufel und Kittelschürze setzt.

Marlies Blume hat immer wieder die Lacher auf ihrer Seite, auch wenn ihr Partner behauptet, jede badische Beerdigung sei lustiger als die schwäbische Fasnet. Waldvogels Unterstützung ist nicht minder lautstark. Selbstbewusst und deutlich hörbar jubelnd geben sich die „Gelbfiaßler“ zu erkennen auf Nachfrage von der Bühne, schließlich müssen sie sich aber auch Gehör verschaffen inmitten einer erdrückenden Zahl an „Sauschwoba“.

Der Minderwertigkeitskomplex der Badener wird zum unterhaltsamen Kampf der Kulturen aufgeblasen, um am Ende die doch recht gelungene Länderehe im Jahre der Eisernen Hochzeit in eine große Multi-Kulti-Weltfriedensallegorie verschmelzen zu lassen.

Heike Sauer freute sich bei ihrem Auftritt in der Eislinger Stadthalle mächtig, wieder einmal vor dem Publikum ihrer Heimatstadt auftreten zu dürfen. Die Begeisterung schien beidseitig zu bestehen. Die temperamentvollen Auftritte mit lustig-schrägen Schlager- und Volkslied-Coverversionen („Ich will einen Badner als Mann“) und ihren einmaligen schwäbischen Wortkreationen („Spätzla sind die Mutter aller Teigwaren, auch von Penne, Fanfare und Fussel“) kamen in der voll besetzten Stadthalle bestens an. Die liberalen und weltoffenen schwäbischen Gemüter zollten aber auch ihrem Widerpart und Partner Fidelius Waldvogel den verdienten kräftigen Applaus. Vielleicht auch, weil er mit seinem betont spröden Charme problemlos als schwäbischer Bruddler durchgehen würde.

Jubiläumswein Die Winzergenossenschaften Lauffen und Laufen-Altenberg haben eigens für das Kabarett die Weinsonderedition des „Edeltroll“ hergestellt. Eine 0,75l-Flasche ist zum Preis von 7 Euro bei den Vorstellungen der beiden Kabarettisten sowie den Genossenschaften erhältlich.

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