30. Todestag des Eislinger Dichters Josef Mühlberger

Eine Reihe von Veranstaltungen zum 30. Todestag von Josef Mühlberger fand in dessen Geburtsstadt Trutnov statt. Die Eislinger Autorin Tina Stroheker war vor Ort und nahm an einer Mühlberger-Tagung teil.

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Dieses Foto aus privater Hand zeigt Josef Mühlberger im Jahr 1933 im Riesengebirge.  Foto: 

Positive Eindrücke bringt Tina Stroheker von ihrer Reise in die Tschechische Republik mit. Die Eislinger Literatin, die sich seit Jahren nicht nur im Rahmen der Mühlberger-Tage intensiv mit dem Dichter Josef Mühlberger beschäftigt, hat dessen Geburtsstadt besucht und schreibt nun: "Manchmal geschieht etwas, das uns das Gefühl gibt, etwas gutes Neues habe begonnen. So ging es mir jetzt in Trutnov/Trautenau."

Das Thema "Sudetendeutsche", so Stroheker weiter, sei Jahrzehnte lang für viele Tschechen "durch die Erinnerung einerseits an die deutsche Annexion des Sudetenlandes im Oktober 1938, andererseits an die Ereignisse um die Vertreibung nach Kriegsende" schwierig gewesen. In jüngerer Zeit sei "in Trautenau ein entspannterer Umgang mit dem deutsch-böhmischen Sohn der Stadt, auch mit dessen Bruder Alois, entstanden". Die vielen Kontakte zu Organisationen in Deutschland haben sicher mit zu diesem neuen Interesse beigetragen. Ein engagiertes Netzwerk habe sich gebildet, im Mittelpunkt das Institut "Gedächtnis des Riesengebirges" und das Deutsch-Tschechische Begegnungszentrum, unterstützt vom Staatlichen Bezirksarchiv, dem Literarischen Club und dem Münchner Sudetendeutschen Institut.

Im Jahr von Josef Mühlbergers 30. Todestag gab es jetzt eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Gut angenommen worden sei ein Übersetzungswettbewerb, der Gymnasiasten verlocken sollte, sich intensiv mit einem Mühlberger-Text zu befassen. Ein Event sei es gewesen, als der von Mühlberger beschriebene Korso nachgespielt wurde, der in den österreichisch-ungarischen Ländern (zu denen Böhmen bis 1918 gehörte) Tradition gewesen ist. "Man traf sich um 18 Uhr auf dem Marktplatz, um flanierend Kontakte zu pflegen, sich eine Stunde auszutauschen. Am 12. September spazierten nun viele Trautenauer, vor allem junge, in historischen Gewändern unter den Arkaden der Ringplatzhäuser, ein Riesenspaß."

Es folgte am 8. Oktober eine Konferenz im neuen Uffo-Zentrum, an der in elf Vorträgen Themen zu Mühlberger beleuchtet wurden. Eine ästhetisch gelungene Ausstellung sei in der Lobby installiert worden, so Stroheker weiter.

An Mühlbergers ehemaligem Gymnasium wurde eine Gedenktafel (Schöpfer: Petr Bene) enthüllt, neben Bürgermeister Ivan Adamec waren Vertreter der Partnerstädte anwesend, auch ein Grußwort des Eislinger Oberbürgermeisters Klaus Heininger aus Mühlbergers "zweiter Heimat" wurde verlesen. Tags darauf folgte ein Spaziergang auf den Spuren des Schriftstellers.

Einer der Schwerpunkte der Tagung war die Quellenlage: Laut Bürgermeister Adamec wissen die meisten Trautenauer wenig über ihre Stadtgeschichte; dies soll sich ändern. Stroheker: "Es gibt überraschend viel Quellenmaterial über die Mühlberger-Brüder in Archiven und Museen in Trautenau und Umgebung." Ein Vortrag würdigte Alois Mühlberger, den Reformpädagogen und tapferen sozialdemokratischen Antifaschisten. Auch wurde über die Stadtgrenzen hinaus geblickt, etwa auf Mühlbergers Engagement für Franz Kafka und seine Freundschaft mit Max Brod (Referat Susanne Lange-Greve, Heubach), seinen Umgang mit der Frage der deutschen Schuld in NS-Zeit und Krieg (Zdenek Marecek, Brünn), und Tina Stroheker sprach über sein Leben in Württemberg und Eislingen.

Ermutigend sei, so Stroheker, dass "engagierte junge Menschen" die Stafette übernommen haben, "allen voran Eva Hrubá, die Direktorin von Gedächtnis des Riesengebirges', und Lenka Buková Vizková, die Leiterin des Deutsch-Tschechischen Begegnungszentrums, beide noch unter 40." Sie möchten mit dem Netzwerk die Menschen, zumal Jugendliche, nicht nur über den Kopf, sondern auch über das Herz ansprechen.

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