"Ein wahrer Freudenlauf"

Bei den internationalen Deutschen Meisterschaften der Triathleten über die Mitteldistanz in Kulmbach zeigte sich Stefan Schmid vom Sparda-Team Rechberghausen in Top-Verfassung und holte den Titel.

Nach seinem dritten Platz beim "TriStar 111" in Worms zwei Wochen zuvor ging Stefan Schmid hochmotiviert ins Rennen: "Ich war aber sehr nervös, da die Erwartungen an mich sehr hoch waren." Pikanterweise war der Hauptkonkurrent von Stefan Schmid in seinem Namensvetter Stefan Schmid zu sehen, für das Tri Team Schongau startend und im Gegensatz zum Rechberghäuser ein Vollprofi. Der 24-Jährige war im letzten Jahr Altersklassensieger bei den Weltmeisterschaften auf Hawaii über die klassische Ironman-Distanz.

Die Distanzen, die bei guten äußeren Bedingungen von den 600 Teilnehmern zu bewältigen waren, setzten sich aus 2 km Schwimmen, 85 km Radfahren und 20 km Laufen zusammen. Gestartet wurde im Badesee von Trebgast. Trotz des Starts in drei separaten Wellen gab es im Wasser harte Kämpfe, mit Prügeln auch für Schmid. Er bekam ständig Schläge ab, wurde förmlich überrollt, verlor gar seine Schwimmbrille. Er musste dann kurz anhalten, um sie wieder aufzuziehen.

Von den über das übliche Maß hinausgehenden Kämpfen im Wasser gestresst, wollte Schmid das Rennen schon beenden, auch weil auf die Führenden schon gehörig Zeit verloren gegangen war. Doch er entschied sich anders: "Ich dachte mir, Mann, reiß Dich zusammen, es sind gerade mal zehn Minuten von vier Stunden Wettkampfzeit vorbei!" Mit dieser Motivation zog er die letzten 1,5 Kilometer Schwimmen in gutem Tempo durch.

"Mir fielen hundert Steine vom Herz, als ich aus dem Wasser durfte", so der sympathische Athlet. Mit fünf Minuten Rückstand auf die Spitze stieg er aufs Rad. In hohem Tempo ging es auf die wellige Rundstrecke, die drei Mal zu bewältigen war und einen langgezogenen Anstieg enthielt. Rein an der Zeit gemessen, konnte Stefan Schmid den Abstand zur Spitze nicht verkürzen, hatte sich aber auf den vierten Platz vorgearbeitet, als es zum Laufen ging, seiner Paradedisziplin.

Bereits nach zwei Kilometern lief Stefan Schmid auf den Namenskollegen auf. Schmid vor Schmid liefen beide auf hohem Tempo auf den Plätzen zwei und drei weiter, viereinhalb Minuten hinter dem bis dahin führenden Nicolas Bock (Köln). "Ich glaubte zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich daran, dass noch Platz eins drin wäre, aber wollte mich auch nicht mit der Vizemeisterschaft abfinden", so Schmid, der das hohe Tempo weiter hielt, etwa 3:25 Minuten pro Kilometer.

Nach der Hälfte der Laufstrecke betrug der Abstand noch drei, bei Kilometer 12 noch zwei Minuten, bei Kilometer 14 nur noch 50 Sekunden. Schmid: "Da wusste ich: Der hat mächtig Probleme". Bei km 15 war er in Sichtweite, beim km 16 stellte Schmid den Kölner. Von da an spielte er seine Laufstärke aus, trotz aufkommenden Schmerzen in den Beinen wurde es ein "wahrer Freudenlauf". Ausruhen auf seinem Vorsprung konnte er sich nicht, war doch der andere Stefan Schmid als Langdistanz-Spezialist nur anderthalb Minuten zurück und machte keine Anzeichen, aufzugeben.

Stefan Schmid zog bis 500 Meter vor dem Ziel voll durch und erbrachte in 1:10:53 Stunden die mit Abstand beste Laufzeit für die 20 Kilometer. Auf der Zielgeraden, im Biergarten des Hauptsponsors Mönchshof, wurde Schmid, Doktorand der Biologie an der Universität Tübingen, von zwei Mönchen mit einer Maß Bier begleitet.

Am Ende kam er mit 3:58:40 als Einziger unter der 4-Stunden-Marke ins Ziel (Schwimmen 33:37, Rad 2:14:10, Lauf 1:10:53). Es folgte sein Namensvetter Stefan Schmid in 4:00:07 (32:52, 2:14:31, 1:12:44) vor dem lange Zeit führenden Niclas Bock in 4:01:31 Stunden.

"Dieser zweite Titel bedeutet mir sehr viel, denn eine Titelbestätigung ist extrem viel wert, dann kann keiner mehr von Glück reden", so der Deutsche Meister. Weniger Glück, vielmehr Kampfgeist und Durchhaltevermögen haben Stefan Schmid zu dieser bravourösen Leistung geführt.

Vom Sparda-Team gab es zwei weitere Starter, die mit mit guten Leistungen überzeugen konnten. Wolfram Beck kam nach 4:40:54 als 108. gesamt und damit 8. der Altersklassenwertung M50 ins Ziel (Schwimmen 41:33, Rad 2:29:39, Lauf 1:29:42). Der sehr gute Läufer Christian Funk, bisher wenig im Triathlon unterwegs, wurde 145. (27. M40) und blieb mit 4:54:09 nach einer Aufholjagd beim Laufen unter der 5-Stunden-Marke (Schwimmen 49:03, Rad 2:40:20, Lauf 1:24:46).

In der Mannschaftswertung ergab sich für das Sparda-Team somit der vierte Platz in der Deutschen Meisterschaft, hinter Köln, Würzburg und Memmingen.


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Autor: MARCO HÖPFNER | 17.06.2011

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