Festfreuden: Mollig warme Weihnachten

I n den Wohnungen werden derzeit Heizungen ausgetauscht.
KuballDer letzte Schnee schmilzt dahin. In den vergangenen Tagen ist die Temperatur wieder in die Plusgrade geklettert. Daher treffen wir Juri Appelhans auch draußen an. Er begutachtet gerade sein Werk. Appelhans hat bunte Christbaumkugeln in die kleinen Bäume vor seiner Wohnung gehängt. Er findet, es sieht hübsch aus. Wir finden es auch. Die Farben leuchten bunt in der braunen Landschaft. Ein Hauch von Weihnachten weht über den Haugenstein.
Dieses Jahr freuen sich die Bewohner der ehemaligen Nato-Siedlung auf das Fest. Sie haben allen Grund dazu: Dieses Jahr herrscht mollige Wärme in allen Häusern. Ganz anders war es Weihnachten vor einem Jahr. Da froren etliche der Haugenstein-Bewohner, denn der Besitzer des Heizkraftwerks Andreas Osbelt hatte manchen die Heizung und das heiße Wasser abgestellt. Es ging um unbezahlte Nachforderungen, um Streitigkeiten vor Gericht. Doch traf es nicht nur Schuldner, sondern auch solche, die ihre Rechnungen bezahlt hatten. Denn die Wärme konnte immer nur für ein ganzes Haus abgestellt werden. Die Menschen im Haugenstein waren so verzweifelt, dass eine Delegation den Gemeinderat im September um Hilfe bat. „Der Winter steht vor der Tür und unsere Kinder frieren“, sagte ein verzweifelter Vater. Doch es sollte noch ein kalter Winter vergehen.
Appelhans erinnert sich noch gut daran. „Es ist fast ein Jahr kalt gewesen. Mein kleiner Sohn war ständig krank“, erzählt er. Die Familie hat Heizstrahler aufgestellt, damit es einigermaßen erträglich war. Dadurch stiegen seine Nebenkosten an. „Aber was sollten wir machen?“, fragt er rhetorisch. Jetzt funktioniert alles wieder. „Das ist ein gutes Gefühl, wenn man kleine Kinder zuhause hat und es in der Wohnung warm ist „, sagt er und lächelt.
Der Haugenstein besteht aus 30 zweigeschossigen Wohngebäuden mit insgesamt 120 Wohnungen. Früher wohnten hier die französischen Offiziere. 2010 verkaufte es die Bundesagentur für Immobilien an einen privaten Investor. Die Stadt Horb wollte die Siedlung ebenfalls erwerben, wurde aber überboten. „Wir können rechtlich leider nicht helfen“, sagte Oberbürgermeister Peter Rosenberger zu den verzweifelten Bewohnern in besagter Gemeinderatssitzung. Doch die Betroffenheit war dem Rathauschef und dem Gemeinderat deutlich anzusehen: Kinder, die im Winter frieren müssen und krank werden – und das in Horb. Das wollte keiner.
Hinter den Kulissen suchten die Rathausspitze und der Gemeinderat nach Lösungen. Rosenberger verhandelte mit Osbelt, dem Eigentümer des Heizkraftwerks. Der war am Ende bereit, zu verkaufen. Am 1. Juli dieses Jahres übernahmen die Stadtwerke das Heizkraftwerk. Der Preis lag im siebenstelligen Bereich. Klar war für die Stadt allerdings auch, dass das Heizkraftwerk wirtschaftlich laufen müsse. „Eine Quersubventionierung darf es nicht geben“, hatte der OB betont.
Die stetig steigenden Heizkosten in der Haugensteinsiedlung waren den maroden Leitungen und dem schlechten Wirkungsgrad geschuldet. Einer der ersten Handlungen nach Vertragsschluss war daher der Austausch der Rohre und der Heizungen. Bei Juri Appelhans ist das schon geschehen, in anderen Häusern sind die Handwerker noch zugange. Davon zeugen etliche Rohre und Heizungselemente, die im Eingangsbereich der Häuser liegen. Im Heizungskeller stoßen wir von der SÜDWEST PRESSE auf zwei Arbeiter, die gerade Rohre austauschen. Zum Plaudern sind sie nicht aufgelegt, aber sie sagen zumindest, dass sie wohl noch etliche Wochen im Haugenstein zu tun haben.
Doch nicht nur Rohre und Heizungen werden ausgetauscht, sondern auch ein neues Blockkraftheizwerk soll in das bestehende Heizwerk integriert werden. Im neuen Jahr wird die Siedlung dann mit neuen Netzen ausgestattet. Mit all diesen Maßnahmen erhofft sich Stadtwerke-Chef Eckhardt Huber, dass die Stadt keine Verluste macht und die Bewohner trotzdem weniger für Strom und Wärme bezahlen.
Gleich um die Ecke, wo die Handwerker im Keller arbeiten, strebt eine Mutter mit ihrer 20-jährigen Tochter auf den Hauseingang zu. Wir sprechen sie an. Sie reden gerne mit uns, möchten aber ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. An die kalte Zeit auf dem Haugenstein können sie sich beide gut erinnern. Die Familie konnte schließlich in eine Wohnung mit funktionierender Heizung umziehen. „Für meinen kleinen Bruder war es ganz schlimm“, erinnert sich die Tochter. Als sie endlich wieder heißes Wasser hatten, saß der Dreijährige drei Stunden in der warmen Badewanne. „Er hat über das ganze Gesicht gestrahlt“, erzählt sie. Sie freut sich daher besonders auf diese Weihnachten – in der mollig warmen Wohnung.