Orchesterverein Ulm spielt Bizet und Saint-Saëns

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Der 13-jährige Solist: Julian Lehmann.  Foto: 

„Diese Musik scheint mir vollkommen. Sie kommt leicht, biegsam, mit Höflichkeit daher. Sie ist liebenswürdig, sie schwitzt nicht.“ Ein starkes Geschmacksurteil, das Friedrich Nietzsche vor 130 Jahren über die Musik von Georges Bizet fällte. Der Philosoph wollte damit aber nicht so sehr die Klangsprache von Bizet loben, als vielmehr diejenige seines Erzfeindes Richard Wagner tadeln, die ihm im Unterschied dazu „brutal“ und „künstlich“ erschienen. Außerdem hatte Nietzsche Bizets Meisterstück „Carmen“ gehört und nicht dessen zwei Orchesterwerke „L’Arlésienne“-Suite Nr. 1 und „Roma“-Sinfonie, die das Sinfonieorchester des Orchestervereins Ulm/Neu-Ulm und sein Dirigent Michael Eberhardt am Sonntag im Kornhaus aufgeführt haben.

Wäre Nietzsches Urteil angesichts dieser Werke ähnlich emphatisch ausgefallen? Man darf es bezweifeln, denn im Unterschied zur immer „frisch“ gebliebenen „Carmen“-Oper kommen die zwei Orchesterstücke reichlich akademisch daher; die Suite, mit der der Abend begann, vielleicht weniger als die Sinfonie, mit der das Konzert zwei Stunden später endete.

Die Musiker mussten zu Beginn denn auch mit Anlaufschwierigkeiten kämpfen, bevor die nach der südfranzösischen Stadt Arles benannte Suite Fahrt in Richtung Provence aufnahm und einen kolorierten Klangreigen über die Häupter der Zuhörer spannte. Noch mehr Probleme bereitete es dem Orchester, Bizets reichlich hölzerne C-Dur-­Sinfonie mit frischem Blut vollzupumpen, aber das lag nicht so sehr an den engagiert aufspielenden Musikern als vielmehr an dem Werk selbst, das bis auf ein paar wenige schöne Stellen einfach nicht recht „zünden“ will.

Gut also, dass mit Camille Saint-Saëns‘ erstem Cellokonzert dann doch noch ein Werk erklang, das bis heute taufrisch geblieben ist. Der Orchesterverein ist bekannt dafür, jungen Musikern einen solistischen Auftritt vor großem Publikum zu ermöglichen. Am Sonntag hatte Julian Lehmann die Chance. Er nutzte sie gut, konnte sich aber mit dem Violoncello nicht immer gegen das Orchester durchsetzen. Dass in dem 13-Jährigen ein großes Talent schlummert, war aber in allen drei Sätzen zu spüren. Verdientermaßen viel Applaus – nicht nur zur Pause.

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