Wohin mit den Ersthelfern?

Amstetter Räte hauen für heimatlose Ersthelfer auf den Putz. Die Gruppe soll unters Dach der Feuerwehr. Der Kreisbrandmeister will das nicht. <i>Mit Kommentar</i>

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Bei einer Wiederbelebung zählt jede Sekunde. Deshalb müssen Ersthelfer laufend für den Ernstfall geschult werden.  Foto: 

Seit September 2014 hat sich um Michael Kasper und dessen Frau in Amstetten eine Ersthelfergruppe nach dem neuen Rettungsdienstgesetz gebildet. Zusammen mit der Feuerwehr wurde ein Konzept erarbeitet, das Synergieeffekte, etwa bei der Planung und Organisation, sowie Schulungen berücksichtigt. Das Projekt "Helfer vor Ort" sollte in einer Satzung als gesetzliche Grundlage verankert werden. Die Verwaltung sollte dies in die Wege leiten - und alle sind davon ausgegangen, dass die Feuerwehr die künftige Heimat dieser Ersthelfergruppe sein soll. Das war Stand Ende März diesen Jahres.

Bis dato ist nichts passiert. Zumindest nicht öffentlich, und Michael Kasper hakte daher in der jüngsten Ratssitzung genervt nach. Wie Ersthelfer und Feuerwehrkommandant Daniel Rinklin auf Nachfrage der GZ ausführt, gibt es Interessenten, die die aktuell vier Ersthelfer unterstützen wollen. "Doch die wollen zugleich in der Einsatzabteilung der Feuerwehr aktiv sein." Kasper zufolge wollten die wieder abspringen, weil sich derzeit nichts tue.

Tatsächlich ist die Verwaltung in den vergangenen Wochen aktiv gewesen, doch die bürokratischen Mühlen mahlen nicht nur in Rathäusern mitunter langsam, sondern auch im Landratsamt: Bedingt durch eine zeitliche Verzögerung, ausgelöst durch den Personalwechsel des Kreisbrandmeisters einerseits und einer noch ausstehenden Rechtsverordnung vom Innenministerium andererseits, konnte die Amstetter Verwaltung noch nicht handeln. Das berichtete Bürgermeister Jochen Grothe und zitierte aus einem Schreiben des neuen Kreisbrandmeisters Ralf Ziegler, das ihn just am Tag der Sitzung erreicht hat. Darin drängt der Chef der Feuerwehren im Kreis, unbedingt die Ergebnisse einer im Ministerium gegründeten Arbeitsgruppe abzuwarten. Ganz klar rät er davon ab, Ersthelfergruppen unter dem Dach der Feuerwehren zu beheimaten. Die Wehr habe andere Aufgaben und es müsse gewährleistet sein, dass sie diese erfüllen könne, so Zieglers Begründung.

Grothe von den Räten in die Offensive gedrängt versicherte mit Nachdruck, nach wie vor hinter der Ersthelfergruppe zu stehen und bot an, diese so lange unter das Dach der Gemeinde zu stellen. Dort seien die Ersthelfer versichert und ihnen stünde alles Notwendige zur Verfügung, oder aber die Gemeinde besorge es. "Dafür stellen wir auch Geld bereit, und der Ausbildungsraum der Feuerwehr kann freilich als Zentrale der Helfer dienen." Unverständnis äußerte er allerdings gegenüber dem Ansinnen einiger Interessenten, wieder abspringen zu wollen, sollte nicht bald die gesetzliche Grundlage geschaffen sein. "Ich war der Meinung, Helfer wollen helfen um des Helfens willen, einerlei, wo ihre Heimat ist."

Damit entfesselte der Schultes eine heftige Diskussion, die in verbale Angriffe gegen ihn gipfelte. So wurde Grothe vorgeworfen, er torpediere die Ersthelfergruppe. Einige Räte forderten, dass die Ersthelfergruppe partout unters Dach der Feuerwehr gehöre. Es wurden Beispiele aus dem Alb-Donau-Kreis angeführt, wie etwa Blaustein, wo die Gruppe offenbar innerhalb der Feuerwehr agiere. Grothes wiederholtes Angebot, die Amstetter Ersthelfer unter die Ägide der Gemeinde zu stellen, verhallte ungehört. Am Ende stimmte das Gremium dem Antrag von Werner Meyer zu, dass die Verwaltung für die nächste Sitzung dem Gemeinderat eine "entscheidungsfähige Satzungsvorlage" zur Beschlussfassung ausarbeiten soll. Auf welcher rechtlicher Basis, überließ das Gremium der Verwaltung.

Info: In Amstetten gibt es schon lange die Idee, angesichts der vielen Notrufe die Ersthelfer des DRK zu entlasten. In Frage kommen hierfür in erster Linie speziell ausgebildete Feuerwehrleute.

Ein Kommentar von Sabine Graser-Kühnle: Nur im Rahmen des Gesetzes

Bei der emotional geführten Debatte drängt sich die Frage auf, ob der Feuerwehr ein Nachteil entsteht, sollten die "Helfer vor Ort" nicht zu ihrem Verein gehören. Tatsächlich hatte Michael Kasper im Zuge des Diskurses betont, dass einige der Interessierten ihre Mitgliedschaft in der Feuerwehr in Aussicht gestellt hatten. Und die Amstetter Wehr hat bekanntlich Probleme, im Ernstfall tagsüber über genügend Mann zu verfügen. Der Kommandant, übrigens selbst Mitglied der örtlichen Ersthelfer, erkennt eine Entlastung für die aktuell vier Ersthelfer, sollte die Gruppe in der Feuerwehr als eigenständige Abteilung etabliert werden. 250 Alarmierungen bewältigten die vier Ersthelfer im Vorjahr. Unterstützung ist da dringend nötig. Erst recht, wo immer mehr Einsätze in den noch jungen Einrichtungen für Senioren und Flüchtlinge stattfinden. In der Tat darf jeder, auch der Bürgermeister, davon ausgehen, dass es Menschen, die anderen Menschen helfen wollen, egal sein dürfte, unter wessen Dach sie das tun können - sofern sie die finanzielle, rechtliche und moralische Unterstützung haben. All dies wäre in einer Heimat bei der Gemeinde gegeben. Viel Rauch also um Zweitrangiges? Die Diskussion schadet der Ersthelfergruppe mehr, als sie nützt. Es ist schlicht indiskutabel, eine Verwaltung aufzufordern, wider dem Gesetz zu handeln. Anstatt über einen Heimatort zu streiten und die Feuerwehr dafür auf Biegen und Brechen durchsetzen zu wollen, sollten die Räte im konstruktiven Dialog mit der Verwaltung eine Lösung suchen, die eine möglichst baldige Einsatzbereitschaft unter den gesetzlich vertretbaren Voraussetzungen ermöglicht. Allerdings drängt die Zeit tatsächlich.

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