Von der Savanne auf die Alb

Yayabalingou Kerim kommt aus Togo. Er ist an mit Palmen gesäumten Sandstränden aufgewachsen. Heute trotzt er der Kälte des deutschen Winters und hilft in Westerheim bei der Schlachtung von Geflügel.

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Chef und Arbeiter kommen gut miteinander aus - nach der Schlachtung legen Bernhard von Nathusius und Yayabalingou Kerim eine Pause ein.  Foto: 

Nicht nur sein Name klingt verheißungsvoll nach Afrika, auch sein Äußeres lässt auf den fernen Kontinent schließen: Yayabalingou Kerim kommt aus dem warmen Togo und ist da aufgewachsen, wovon Deutsche besonders im Winter träumen: An langen Sandstränden unter Palmen. In den niederen Lagen des Landes, im Norden und Süden, leben in einer Savanne Antilopen und Elefanten. Heute schlachtet Yayabalingou Kerim Geflügel auf einem Hof in Westerheim.

Der komplizierte Vorname ist für Schwaben eher ein Zungenbrecher. Deshalb nennen ihn die Westerheimer einfach nur "Kerim". Und sie mögen ihn, "weil er ein fleißiger, zuverlässiger und hilfsbereiter Mensch ist, der sich sehr um seine Eingliederung bemüht", sagt Hermann W. Tappe. Er hat die Patenschaft für Kerim im Rahmen des Helferkreises für Asylbewerber übernommen und den Togolesen schon lange ins Herz geschlossen.

Kerim hat seine Heimat mit seinen Geschwistern auf Bitte der Mutter verlassen, da sich diese politisch in der Oppositionspartei engagiert. Damit sei sie nicht mehr erpressbar. Mehr möchte der neue Westerheimer Bürger nicht von seiner Familie berichten.

Nach seiner Ankunft in Deutschland lebte Kerim in einem Aufnahmelager für Flüchtlinge, kam im Oktober 2014 nach Westerheim und fand durch die Hilfe des Helferkreises eine anständige Unterkunft. Diesem gelang es sogar, dem Mann aus Togo eine Arbeit zu besorgen. "Als er nach Westerheim kam, klagte er über Schlafmangel und unruhige Nächte", berichtet Tappe. Zu viele Gedanken plagten den 24-jährigen Togolesen. Dank Tappes Beharrlichkeit und einem unvoreingenommenen Arbeitgeber arbeitet Kerim mittlerweile beim Geflügelhof Rehm. Tappe: "Es musste ein Antrag bei der Ausländerbehörde gestellt werden, der Arbeitgeber musste Formulare ausfüllen, dann ging das Ganze über die Ausländerbehörde an das Arbeitsamt." Weiter musste bescheinigt werden, dass Kerim keinem deutschen Staatsangehörigen die Arbeitsstelle wegnimmt.

Mittlerweile kann Kerim wieder besser schlafen. Er spielt gerne Fußball, lernt fleißig Deutsch und wird von den Westerheimern auch zu Veranstaltungen mitgenommen. Die Arbeit helfe ihm auch dabei, seinen Kopf frei zu machen von allen Sorgen. Gut betreut fühlt er sich in der Familie Tappe, der er öfters mal einen Besuch abstattet.

Jetzt kämpft sein Pate um seinen Führerschein, der ihm deswegen verwehrt bleiben soll, weil Kerim keine Papiere hat. Mit dem Führerschein aber sei er im Besitz eines offiziellen deutschen Ausweises.

Dass Kerim anfangs lieber den Deutschunterricht sausen ließ, weil seine Arbeitskollegen noch nicht mit der Arbeit fertig waren, bemerkte Arbeitgeber Bernhard von Nathusius zwar erfreut, schickte ihn aber lieber zum Lernen: "Ein solches Verhalten ist ihm nicht verständlich. Er sieht die Arbeit von alleine und fragt nicht, was zu tun ist", berichtet Nathusius. Kerim ist beim Geflügelhof inzwischen fest angestellt und wartet auf den Bescheid seines Asylantrags. Geht es nach seinem Chef, könnte Kerim noch viel länger bei ihm arbeiten. "Wir kommen gut aus und können uns gut verständigen. Kerim hat aber noch Probleme mit dem Schwäbischen." Dass er wie ein richtiger Deutscher behandelt wird, stellte Kerim kürzlich in der Apotheke fest: Da musste er die Nasentropfen zahlen, so, wie alle anderen auch, die arbeiten und Geld verdienen. Trotzdem sie krankenversichert sind. Und das hat ihn dann doch erstaunt.

Unruhen seit 2005

Geschichte Togo war von 1884 bis 1916 eine deutsche Kolonie und danach unter französischer Verwaltung als Treuhandgebiet der Vereinten Nationen. Nach dem Tod des Präsidenten Gnassingbe Eyadema 2005 wurde sein Sohn von der Armee zum neuen Präsidenten ernannt, allerdings unter Missachtung der Verfassung. Internationaler Druck und Unruhen verhinderten verfassungsgemäße Zustände. Bei allen folgenden Wahlen, die Gnassingbe im Amt bestätigten, werfen ihm die Opposition und auch die EU massiven Wahlbetrug vor. SWP

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