Wieder lächeln lernen
Bad Überkingen. Die "Luise von Marillac Klinik" ist die erste Reha-Klinik in Deutschland, die sich speziell auf die Bedürfnisse jüngerer Brustkrebspatientinnen konzentriert. Das Konzept wurde von Frauen für Frauen entwickelt.
Stolz und Freude ist den acht Frauen anzusehen, die bei einer Pressekonferenz am Dienstag die neue "Luise von Marillac Klinik" in Bad Überkingen vorstellten. Und zwar deshalb, weil das Konzept dieser Reha-Klinik etwas Besonderes ist, bisher sogar einmalig in Deutschland.
Im Gegensatz zu anderen Reha-Kliniken werden im ehemaligen Mütterkurheim ausschließlich Brustkrebspatientinnen behandelt. Das gesamte Konzept ist auf jüngere Frauen ausgerichtet, die noch mitten im Leben, im Job und in der Familie stehen. Damit schließen die Betreiber der Klinik eine Lücke in dieser speziellen Krebs-Nachsorgebetreuung. Sie legen dabei Wert auf ein sogenanntes 360-Grad-Behandlungsmodell. Darunter verstehen sie die Betreuung der Patientinnen vom ersten Tag der Diagnose über die Operation, die Chemo- und Strahlentherapie bis hin zur wichtigen Anschlussbehandlung.
Die "Luise von Marillac Klinik" gehört zu den "Vinzenz von Paul Kliniken", denen neben den Bad Ditzenbacher Einrichtungen auch das Marienhospital in Stuttgart angegliedert ist. Aus diesem Grund zählt die für die Behandlung von Brustkrebserkrankungen am Marienhospital zuständige Oberärztin Dr. Renu Buss-Steidle als Bindeglied zwischen Stuttgart und Bad Überkingen, wo sie sich ebenfalls einbringen wird. Aber die Reha-Klinik steht selbstverständlich auch betroffenen Frauen aus allen anderen Krankenhäusern offen.
Das Besondere an der "Luise von Marillac Klinik" basiert auf vier Säulen, erklärte die Geschäftsführerin der "Vinzenz von Paul Kliniken", Monika Röther, bei der Pressekonferenz. Die zwei wichtigsten davon sind das breit gefächerte Sport- und Bewegungsprogramm und die psychologische Betreuung nach dem "vinzentinischen Gedanken". Des Weiteren gehören die berufliche Wiedereingliederung und die Körperwahrnehmung dazu.
"Bewegung ist das Nonplusultra der Therapie", machte Röther deutlich, aber zur Gesamttherapie gehöre in gleichem Ausmaß die Begleitung von Geist und Seele. Für diesen Part ist Schwester Lintrud Funk zuständig. Die Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul erläutert den vinzentinischen Gedanken zusammengefasst als "Liebe sei Tat" und sieht die einzelnen Komponenten der Patientinnen-Betreuung als "Netzwerk der Nächstenliebe". Schwester Lintrud machte auch den Namen der Bad Überkinger Klinik verständlich: Die heilige Luise von Marillac war die Gefährtin des heiligen Vinzenz von Paul, gründete den Orden der Vinzentinerinnen und bildete erstmals Frauen zur Krankenpflege aus.
Zum Aufbau der Psyche der von Krebs betroffenen Frauen gehört nicht zuletzt auch der Aufbau des Selbstwertgefühls. Dies wird unter anderem durch Styling- und Typberatung gewährleistet. Dafür zeichnet Sylvia Seltmann verantwortlich, die außerdem aus eigener Erfahrung weiß, worauf es ankommt. "Frauen sollen hier wieder lächeln lernen", diese Motivation treibt die vierte der acht Frauen an.
Damit sich die 40 Patientinnen der Reha-Klinik im Gebäude wohlfühlen, hat sich Architektin Monika Kern in die Ausgestaltung beim Umbau des ehemaligen Kurheims mit Leidenschaft hineingekniet. "Licht, Größe, Weite, Luft und heitere Farben" bestimmen deshalb jetzt die Klinik-Atmosphäre, die in keinster Weise an ein Krankenhaus erinnert.
Dass die "Luise von Marillac Klinik" bis ins Detail auf das Bedürfnis von Brustkrebspatientinnen ausgelegt ist, liegt vor allem auch daran, dass bei der Erstellung des Konzepts mit von Brustkrebs betroffenen Frauen zusammengearbeitet wurde. Neben Sylvia Seltmann ist das die Kreativdirektorin Bianca Michel (31), deren Agentur "brand 711" für die Klinik die Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat - sowie Janine Pietsch, die bekannte Schwimm-Weltmeisterin, deren Karriere durch diese Krankheit gestoppt wurde. Die Sportlerin wirkt als Patin für die Klinik mit und nimmt daneben als eine der Testpatientinnen an der Testwoche im Juni teil, in der die Abläufe im Haus "vollends abgerundet werden sollen".
Zur Schirmherrin des Ganzen konnte Eva Wellendorff aus der gleichnamigen Pforzheimer "Schmuckdynastie" gewonnen werden. Sie betrachte es als "wunderbare Aufgabe, gerade jungen Frauen wieder Lebensfreude zu bringen", stellte sie bei der Pressekonferenz fest.
Info
Die "Luise von Marillac Klinik" wird am Donnerstag, 8. Juli, offiziell mit einem Festakt und Festrednern eröffnet.
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Autor: CLAUDIA BURST | 20.05.2010
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Monika Röther, Geschäftsführerin der Vinzenz-von-Paul-Kliniken, Schwester Lintrud, Janine Pietsch und Schirmherrin der Klinik Eva Wellendorf (von links) haben das Konzept der Reha-Klinik erläutert. Foto: Claudia Burst
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