Tote Hose in Tritschler-City

Wiesensteig.  Selbst bei Fasnetsmuffeln wäre am Samstag kein Auge trocken geblieben - die Prunksitzung der FG Wiesensteig hatte es in sich. Newcomer in der Bütt und auf der Bühne mischten das närrische Volk so richtig auf.

Zur 84. Wiesensteiger Prunksitzung der Fasnetsgesellschaft hat der Vorsitzende Thomas Wiedmann am Samstagabend das närrische Volk im brechend vollen Residenzsaal des Wiesensteiger Schlosses begrüßt, bevor das Prinzenpaar nebst Hofnarr mit seinem Gefolge zum Narhalla-Marsch der Kapelle Melody in den Saal einzog. In lustigen Versen stellten sich Prinz Thomas II., Prinzessin Edit I. und Hofnarr Marcel dem Publikum vor. Große Klasse demonstrierten im Anschluss die Tänzerinnen der kleinen Garde unter Leitung von Caroline Mayer und der Prinzengarde mit ihrer Trainerin Sonja Biedlingmaier. Viel Beifall erhielten auch die Sweeties unter Sandra Dahlheim, die als Gartenzwerge mit roten Zipfelmützen auf der Bühne wirbelten.

Sabine Ligmann-Seerig hielt als Till Eulenspiegel wieder den Wiesensteigern den Spiegel vor: So wunderbar das 1150-jährige Jubiläum der Stadt auch gewesen sei - "nun ist vorbei das Mittelalter, und ein andrer Wind weht nun - ein kalter; und heute und auch übermorgen, hat Tritschler-City andere Sorgen!" Dass aus dem Freibad ein Naturbad wird, nahm der Eulenspiegel zum Anlass um zu fragen, wer denn dort baden solle? "Es fehlen im Sommer wie im Winter, in Wiesensteig doch längst die Kinder" und "laut Schultes kommts vom Pflegeheim, dass Wiesasteig isch s Kreis Altersheim - beim Bevölkerungsschwund, da send mir Spitze, weil tote Hose in der Ritze!".

Erstmals in der Bütt und gleich einen Riesenerfolg hatte Ralf Einsinger, den der als Moderator der Sitzung perfekt fungierende Christoph Baumeister ankündigte. "Ich bin der mit dem Zwirbelbärtle und der Brill - und Leut, ich weiß genau, was ich will", meinte der dem echten Schultes äußerlich ähnelnde Einsinger. Neben vielen guten Ratschlägen meinte er zur Aufbesserung der städtischen Finanzen: "Ein Leerstand nebem Rathaus, da ist viel frei, da soll eröffnen eine Tritschler-Schnurrbart-Zwirbelei; und hängt mein Bärtle einmal traurig na, no geb mer ihm schnell a Viagra."

Zwei lustige Elefanten hatten die Tälesgoißa der Fasnetsgesellschaft mit ihrem tollen akrobatischen Showtanz mit ins Boot genommen, bevor sich ein weiteres Highlight des Abends ankündigte: Als päpstlicher Gesandter erschien Georg Schirling mit Soutane und Chorrock bekleidet im Auftrag seiner Heiligkeit auf der Bühne und begrüßte auf Italienisch das Narrenvolk. Bei jedem Satz, den Christoph Baumeister in schwarzem Anzug ins Deutsche übersetzte, brüllte der Saal vor Lachen - ein super Auftritt!

Für eine Bombenstimmung im Saal sorgten wieder einmal mehr die Wiesensteiger Straßenmusikanten, die in diesem Jahr 25 Jahre alt werden. In ihrem Auftritt als "vertriebene Schlossparkindianer" nahmen sie Stuttgart 21 und den Juchtenkäfer aufs Korn. Traditionell war der Song "Ist mir doch scheißegal", in den die Truppe Spottverse einbaute: "S 21 als Vorbild, des isch et domm, en Wiesestoig haut ma für a Zelt au Bäume om; Kehrt der Wahnsinn jetzt ein in dieses Tal - isch mir doch scheißegal!" Ingrid Wacker und Georg Schirling ("Do sitzt er scho, der Aschermittwoch meiner Ehe") glossierten gekonnt ein zerstrittenes Ehepaar und als brillanter Büttenredner nahm Siegbert Ruf die Deggner Windrädleaktion und den geplanten Waldwipfelpfad ins Visier.

Viel Beachtung fand der Showtanz "Burlesque" der Prinzengarde in Kostümen, die ans Pariser Moulin Rouge erinnerten, bevor der Elferrat zum Ende der über vierstündigen Prunksitzung die Zuschauer im vergnügten Spiel "Supertalent 2012" zum Mitmachen aufforderte. Die Parodie auf den RTL-Quotenbringer machte der Narrenschar einen Riesenspaß.

Zum Finale kamen alle Mitwirkenden nochmals auf die Bühne, sangen gemeinsam mit dem Narrenvolk das Wiesensteiger Fasnetslied und ließen in der Hochburg der Fasnet im Oberen Filstal den Narrenruf "Goißa raus - mäh; Hexa send - zäh; Narragruaß - bäh!" lautstark ertönen.

Info Am kommenden Samstag, 4. Februar, findet die Prunksitzung noch einmal statt. Beginn ist wieder um 19.30 Uhr im Residenzschloss.


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Autor: BERNWARD KEHLE | 30.01.2012

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