Spürbare Lebensfreude

Bad Ditzenbach.  Mit Janine Pietsch hatte die Vinzenz Therme eine zweifache Weltmeisterin im Rückenschwimmen 2006 zu Gast. Nachwuchstraining, Aqua-Fitness und Autogrammstunde boten unterhaltsame Abwechslung.

Ein ganz normaler Samstag in der Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach. Junge Eltern mit ihren Babys, Oma und Opa mit den Enkeln, Familien, eine Gruppe Gäste aus Augsburg, Stammgäste, Gelegenheitsschwimmer und Gesundheitsbewusste. Die übliche Mischung von Badegästen also, wäre unter ihnen nicht die zweifache Weltmeisterin im Rückenschwimmen 2006, Janine Pietsch, gewesen. Die sympathische Schwimmerin mischte sich unter die Badenden, testete Wassergymnastik unter professioneller Anleitung und schlüpfte dann in die Rolle, in der sie nach ihrem Rücktritt aus dem Profisport eine neue Aufgabe gefunden hat. Als ausgebildete Schwimmnachwuchstrainerin der SG Stadtwerke München trainierte sie gut eine halbe Stunde den Schwimmnachwuchs aus den Schwimmkursen des Geislinger Hauses der Familie.

Damit tauschten die sechs Jungen und zwei Mädchen im Alter zwischen sechs und 13 Jahren ihren gewohnten Trainer Helmut Sufeida gegen eine Schwimmweltmeisterin. Das spornte an, und bei den verschiedenen Übungseinheiten legten sich alle mächtig ins Zeug. Ohne Fleiß kein Preis, diesen Spruch kannten alle, aber bei der anschließenden Fragerunde wollten sie es schon genauer wissen. Wie oft hast du trainiert, um Weltmeisterin zu werden? Wie alt warst du, als du mit dem Training angefangen hast? Schwimmst du immer noch so viel? Fragen über Fragen, die Janine Pietsch geduldig beantwortete. "Mehrere Stunden Training pro Tag müssen es schon sein, aber man fängt ja nicht bei den Weltmeisterschaften an, sondern beginnt mit regionalen Wettkämpfen, Jugendmeisterschaften und startet dann in die Weltelite bei den deutschen Meisterschaften. So war es bei mir auch. 2005 habe ich dort gewonnen und bekam so die Chance, bei den Weltmeisterschaften in Shanghai zu starten. Als ich schwer krank wurde, musste ich meine Karriere an den Nagel hängen und schwimme jetzt nicht mehr aktiv, sondern gebe das weiter, was ich selbst gelernt habe und begleite künftige Leistungsschwimmer auf ihrem Weg an die Spitze."

Der Münchner Verein, bei dem Janine Pietsch als Trainerin für die Altersklasse der 14- bis 16-jährigen Jungen und der zwölf- bis 14-jährigen Mädchen angestellt ist, gilt als Nachwuchsschmiede für Kaderschwimmer. Als man 2008 bei der damals 26-jährigen Sportlerin Brustkrebs diagnostizierte, brach ihre Welt erst einmal zusammen. Als erfolgreiche Profischwimmerin hatte sie alles auf eine Karte gesetzt.

Als eine der ersten Patientinnen in der Luise-von-Marillac-Klinik in Bad Überkingen, einer Rehaklinik speziell für junge Brustkrebspatientinnen, übernahm sie anschließend die Patenschaft für die Klinik und will anderen Betroffenen Mut machen. Janine Pietsch ist außerdem Botschafterin der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und erhielt für ihr Engagement 2010 den Health Media Award. Bei ihrem Auftritt in der Therme merkte man von den Strapazen und Ängsten der zurückliegenden Jahre nichts mehr und ihre spürbare Lebensfreude machte vor allem jenen jungen Frauen Mut, die derzeit noch dort in Behandlung sind. 15 Patientinnen der Marillac-Klinik waren an diesem Nachmittag zum Aqua-Training in die Vinzenz Therme gekommen und hatten zusammen mit Janine Pietsch vor allem viel Spaß. Nach einem Gespräch war dann Fototermin mit der Schwimmweltmeisterin und Autogrammstunde.

Über signierte Fotos mit Janine Pietsch hatten sich zuvor schon die jungen Teilnehmer des Schwimmkurses gefreut und auch der eine oder andere Badegast nutzte die Gunst der Stunde, um sich mit einer so attraktiven und erfolgreichen Schwimmerin ablichten zu lassen oder ein Autogramm zu ergattern.


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Autor: SIGRID BALKE | 24.01.2012

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