Sicherer Stand fürs Rathaus gesucht

Bad Überkingen.  Um das neue Rathaus "nicht auf Sand zu bauen", muss die Gemeinde Bad Überkingen den Boden verbessern. Dies kostet aber rund 50 000 Euro. Dennoch soll der Plan auf Ratsbeschluss weiterverfolgt werden.

Noch bevor der erste Stein für den geplanten Neubau des Bad Überkinger Rathauses in der Gartenstraße gesetzt werden kann, muss der Boden verdichtet werden. Ansonsten würde sich das Gebäude zu sehr setzen - die Folge wären Spannungen und Risse. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend darüber diskutiert, wie man den schlechten, schlammigen Untergrund verbessern kann. Beraten wurde das Gremium dabei von Statiker Thomas Neher und Dr. Otto Borngraeber, der ein geologisches Gutachten angefertigt hat.

Die Vorgaben für das Projekt sind klar: Da das neue Rathaus auf verschiedenen Ebenen mit dem Amtshaus und dem "Reitstall" verbunden wird, darf es nach Abschluss der Rohbauarbeiten zu keinen nennenswerten Setzungen mehr kommen. Außerdem darf durch den Bau das Grundwasser und vor allem die nur 30 Meter entfernte Helfensteinquelle nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie die beiden Experten erläuterten, kämen unter diesen Prämissen nicht viele Varianten infrage. Thomas Neher stellte die einzelnen Alternativen vor:

Flächengründung: Dabei wird eine mit Stahl verstärkte Bodenplatte direkt auf den vorhandenen Untergrund gesetzt. Lediglich am Reitstallgebäude ist eine Tiefgründung vorgesehen. Der Statiker rechnet bei dieser Variante mit Setzungen von drei bis vier Zentimetern, was auch zu Schäden an den bestehenden Gebäuden führen könnte. Die Mehrkosten für die verstärkte Platte belaufen sich auf 5000 Euro. Was die Tiefgründung kostet, kann noch nicht abgeschätzt werden.

Bodenverbesserung: Dabei wird mit einer so genannten Schnecke der Boden an etlichen Stellen verdrängt und verdichtet. Der entstandene Hohlraum wird mit einem Gemisch aus Sand und Zement verfüllt. Kosten: 47 500 Euro.

Brunnengründung: Bei dieser Gründung werden Brunnenringe in den Untergrund eingepresst und der Boden darin mit einem Spezialbagger ausgebaggert. Dann wird der nächste Ring aufgesetzt und wieder ausgebaggert - solange, bis ein tragfähiger Boden erreicht wird. Kosten: 55 000 Euro.

Die beiden Experten plädierten für die Bodenverbesserung. Setzungen erwartet Statiker Neher kaum - "es gibt kein Gebäude, an dem es keine Setzungen gibt." Allerdings würde sie bei dieser Variante gleichmäßig erfolgen und so kaum Schäden anrichten. Auch Bürgermeister Matthias Heim favorisierte diese Lösung, zumal man nicht zu tief in den Sandstein greife und so die Quelle schütze. Der Schultes hat sich bereits mit der Mineralbrunnen AG in Verbindung gesetzt. Diese empfiehlt für die Gründung einen speziellen Zement.

In der Diskussion sprachen sich Werner und Reinhard Straub ebenfalls für die Bodenverbesserung aus. "Wir sollten nicht auf Sand bauen", zitierte Reinhard Straub das Bibel-Gleichnis. Man dürfe deshalb kein Risiko eingehen. Auch für Hermann Enz war klar, "dass wir ein vernünftiges Fundament brauchen." Allerdings sorge er sich nach wie vor um das Grundwasser und die Quelle. "Es bleibt ein Restrisiko." Außerdem befürchtete Enz, dass es bei dem Einsatz großer Baumaschinen zu Erschütterungen kommen könne. Die Bedenken versuchte Thomas Neher zu zerstreuen. Bei der Bodenverbesserung falle kein Aushub unterhalb der Grundwasseroberfläche an und es gebe auch keine Erschütterungen, sagte der Statiker.

Letztlich beschloss der Rat bei einer Enthaltung (Alexander Geis), dass die Variante mit der Bodenverbesserung weiter verfolgt werden soll. Vor einer endgültigen Entscheidung sollen aber ein Wasserrechtsverfahren durchgeführt und die Kosten nochmals kalkuliert werden.


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Autor: RALF HEISELE | 13.03.2010

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